Bremer Gastronomen müssen Mehrweg anbieten – wir machen den Praxistest

To-go-Verpackungen adé: Bremens Gastronomie auf dem Weg zum Mehrweg

Bild: Radio Bremen | Rebecca Küsters

Seit Anfang des Jahres müssen Bremer Gastronomen auch Mehrwegverpackungen anbieten. Aber wird das auch umgesetzt? So fällt unsere Stichprobe in Bremer Betrieben aus.

Wer kennt es nicht: Man ist unterwegs in der Stadt und holt sich schnell ein Mittagessen oder einen Kaffee To Go. Den bekam man bislang meistens in einem Papp-Einwegbecher, dazu das Essen in einer Plastikschale, die nach dem Verzehr im nächsten Mülleimer landet.

Das ist zwar praktisch – aber schlecht für die Umwelt: Jeden Tag verursachen Einwegverpackungen laut Bundesumweltministerium nämlich 770 Tonnen Müll. Um dagegen etwas zu tun, müssen seit Anfang des Jahres Mehrweg-Verpackungen für Essen und Getränke angeboten werden – auch hier in Bremen.

Gesetz schreibt Mehrweg-Alternativen vor

Demnach müssen Gastronomie-Betriebe mit mehr als fünf Beschäftigten und mehr als 80 Quadratmeter Ladenfläche seit dem 1. Januar 2023 neben Einwegverpackungen auch Mehrweg-Alternativen für To-Go-Bestellungen anbieten. Kleinere Betrieben müssen es stattdessen ermöglichen, dass Essen und Getränke in Behälter gefüllt wird, die die Kunden und Kundinnen selbst mitbringen. Wer sich nicht daran hält, riskiert ein Bußgeld von bis zu 10.000 Euro.

Für die Kontrollen ist in der Stadt Bremen das Umweltressort zuständig. Allerdings wurden laut den Verantwortlichen noch keine Kontrollen durchgeführt. "Derzeit setzen wir noch auf eine Sensibilisierung der Akteure", erklärt eine Sprecherin des Bremer Umweltressorts. In Zukunft wolle man die Umsetzung des Gesetzes mit anderen Kontrollen der Gastronomie kombinieren.

Test von buten un binnen: Getränke fast überall im Mehrwegbecher

Verschiedene To Go Verpackungen stehen auf einem Tisch, einige Mehrweg, andere Einweg.
Verschiedene Betriebe wurden stichprobenartig getestet. Bild: Radio Bremen | Rebecca Küsters

Somit gibt es bislang keine offiziellen Zahlen dazu, wie weit die Umsetzung des neuen Gesetzes in Bremen schon ist. Um trotzdem einen Überblick zu bekommen, wie gut die Regeln in Bremen umgesetzt werden, hat buten un binnen selbst stichprobenmäßig einige Gastronomie-Betriebe in Bremen getestet.

Das Ergebnis: Viele der getesteten Gastronomie-Unternehmen bieten eigene Mehrwegverpackungen an und haben das Gesetz somit umgesetzt. Allerdings gibt es auch Ausnahmen, unter anderem eine große Bäckereikette.

Kaffee To Go vom Bäcker? Nicht immer im Mehrweg-Becher

Eine Hand hält einen To Go Becher aus Pappe.
Die Haferkamp-Bäckereien nutzen noch Einwegbecher. Bild: Radio Bremen | Rebecca Küsters

Die Bäckereikette Weymann, die in Norddeutschland und auch in Bremen mehrere Filialen betreibt, bietet Mehrweg-Becher für Getränke an. Diese müssen für rund sieben Euro gekauft werden. Damit scheint es im ersten Moment so, als wären die gesetzlichen Vorgaben nicht erfüllt – schließlich dürfen die Mehrweg-Alternativen nicht teurer sein, als die Einweg-Versionen. Allerdings kostet jedes Getränk, das in Zukunft mit diesem Becher gekauft wird, etwas weniger als das Getränk im Einwegbecher. Damit ist laut dem Gesetz die Mehrwegverpackung nicht schlechter gestellt als die Einwegverpackung – und die Anforderungen des Gesetzes sind somit erfüllt.

Die Haferkamp-Bäckereien, die ebenfalls an mehreren Orten in Bremen vertreten sind, bieten hingegen in den von buten un binnen getesteten Filialen in der Innenstadt und in Bremen-Walle keine Mehrwegbecher an. Auf Nachfrage erklärte das Unternehmen, dass Mehrweg-Becher bestellt seien, die Ware aber wegen Lieferschwierigkeiten noch nicht eingetroffen sei. "Durch die Änderungen ist die Nachfrage derart gestiegen, dass das Angebot nicht ausreichte und wir dadurch aktuell noch nicht beliefert werden konnten", schreibt das Unternehmen.

Große Fast-Food-Ketten bieten Mehrweg an

Mehrwegbecher von McDonalds und Burgerking stehen auf einem Tisch, daneben eine Portion Pommes und Nuggets.
Beide Ketten bieten Mehrwegbecher für ihre Getränke an. Bild: Radio Bremen | Rebecca Küsters

Zu den größten Gastronomie-Betrieben gehören die Fast-Food-Riesen McDonalds und Burger King. In den überprüften Filialen in der Bremer Innenstadt haben beide Mehrweg-Becher für ihre Getränke angeboten – allerdings auf verschiedene Weise. McDonalds bietet für zwei Euro Pfand einen eigenen Becher an, den man in den Filialen des Unternehmens zurückgeben kann.

Burger King hingegen nutzt in der getesteten Filiale das Pfand-System eines externen Anbieters, Recup. Diese Becher kann man für zwei Euro leihen und bei allen Unternehmen, die das System auch nutzen, zurückgeben. Beide Unternehmen verkaufen Speisen weiter in Einweg-Papierverpackungen, was laut Gesetz auch erlaubt ist: Es bezieht sich wie oben beschrieben nur auf Kunststoffverpackungen.

Mitgebrachte Dosen werden befüllt

Zuletzt wurden auch ein weiteres Restaurant in der Bremer Innenstadt sowie ein Sushi-Restaurant getestet. Letzteres bietet zwar an, die Speisen in mitgebrachte Dosen zu füllen. Eigene Mehrwegverpackungen werden aber nicht zur Verfügung gestellt – obwohl das Restaurant nicht unter die Ausnahmeregelung für kleine Unternehemen fällt. Das andere getestete Restaurant in der Innenstadt umgeht die Mehrwegangebotspflicht damit, dass es Speisen-To-Go in Papp-Verpackungen herausgibt.

Dehoga: Wenig Nachfrage bei den Kunden

Nathalie Rübsteck vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Bremen berichtet, dass die Bremer Unternehmen sich im Großen und Ganzen gut auf die neuen Regeln vorbereitet hätten. Allerdings habe sie von den Gastronomen vor allem die Rückmeldung bekommen, dass nur wenige Kunden und Kundinnen die angebotenen Mehrwegverpackungen auch nutzen.

Das Schnitzel mit Soße, Gemüse und Salat in einem Mehrwegsystem appetitlich zum Gast zu bringen, ist in einem Gefäß schwierig. Mit mehreren Schüsseln steigt aber auch die Pfandbelastung.

Chefin der Bremer Dehoga, Nathalie Rübsteck
Nathalie Rübsteck vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) Bremen

Das berichtet auch der Vorsitzende des Dehoga, Michael Maier, der gleichzeitig auch einige Restaurants in Bremen betreibt: Von 15 Bestellungen in seinem Betrieb würde im Schnitt eine einzige in Mehrweg-Behältern bestellt. Einige Stammgäste würden das Angebot annehmen, den meisten Gästen sei die Rückgabe aber zu aufwändig. Besonders schwierig sei das bei Touristen, die die Stadt wieder verlassen und darum keine Möglichkeit haben, die Verpackungen zurückzugeben.

Einheitliches Pfandsystem für Bremen?

Thorsten Lieder von der Gastro-Gemeinschaft Bremen hingegen meint, dass das Mehrwegangebot schon gut angenommen wird. Allerdings wünsche er sich ein einheitliches Pfandsystem für ganz Bremen – denn aktuell gebe es viele verschiedene Anbieter, deren Behälter man bei der Konkurrenz nicht zurückgeben kann. Das halte vielleicht einige Menschen davon ab, etwas gutes für die Umwelt zu tun.

Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 26. Februar 2023, 19:30 Uhr