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Medikamente sind knapp: So kommen Bremer Eltern trotzdem an Fiebersaft

Ein Kind bekommt einen Fiebersaft durch eine Dosierspritze verabreicht (Symbolbild)
Nurofen gehört zur Hausapotheke in vielen Familien. Derzeit ist der Fiebersaft allerdings kaum erhältlich. Bild: DPA | empics/Anthony Devlin

Kinder krank, Arztpraxen voll, Medikamente knapp – für viele Bremer Familien wird dies zur Belastung. Wie Apotheken das Problem lösen, erklären wir hier.

Schon seit dem Spätsommer leiden Apotheken in Bremen und Bremerhaven mehr als sonst an Lieferengpässen für viele Medikamente. Rund 300 Präparate sind dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (Bfarm) zufolge knapp – darunter auch das als Fiebersaft und Schmerzmittel für Kinder verabreichte Nurofen. Gleichzeitig schlagen Bremer Kinderärztinnen und Jugendärzte Alarm, angesichts grassierender Infektionswellen – vom respiratorischen Synzytial-Virus (RS-Virus) bis zur Influenza.

Die Folge: Eine große Nachfrage nach Arzneimitteln trifft auf ein knappes Angebot. Was das für Erwachsene und Kinder bedeutet und wie Betroffene damit umgehen können, erklären wir hier.

Welche Medikamente und Kinderarzneimittel sind knapp?
"Nach wie vor ist die Situation, insbesondere was Kinderarzneimittel betrifft, angespannt", sagt Isabel Justus, Geschäftsführerin der Apothekerkammer Bremen. Sehr schwierig sei die Situation für Apotheken im Notdienst am Wochenende.

Zwar würden in der Regel alle Patienten versorgt. Apotheken hätten aber einen enormen Aufwand, um entsprechende Alternativen zu finden. "Teilweise muss Rücksprache mit dem Arzt gehalten werden, der ein neues Rezept ausstellen muss", sagt Justus.

Oft nicht lieferbar seien aktuell Fiebersäfte mit den Wirkstoffen Ibuprofen und Paracetamol sowie Antibiotikasäfte für Kinder. Für erwachsene Patienten fehlten hingegen derzeit oft auch Krebsmedikamente, Antibiotika (Amoxicillin) und Präparate für die Schilddrüse sowie Antiepileptika.
Eine Apothekerin nimmt in einer Apotheke ein Medikament aus einem Regal (Symbolbild)
Für rund 300 Arzneimittel gibt auch auch in Bremens Apotheken Lieferengpässe. Bild: DPA | Benjamin Nolte
Welche Alternativen gibt es für Arzneimittel wie Nurofen?
"Oftmals hat vielleicht die Nachbar-Apotheke das benötigte Arzneimittel oder die Apotheke findet eine Alternative", sagt Apothekerkammer-Geschäftsführerin Justus. Bei vielen Medikamenten gibt es zudem alternative Präparate von unterschiedlichen Herstellern.

Für fiebersenkenden, schmerzlindernden und entzündungshemmenden "Fiebersaft" gilt das allerdings nur bedingt. Apothekerinnen und Apotheker haben jedoch die Möglichkeit, Fiebersäfte selbst als Rezeptur, also aufgrund ärztlicher Verschreibung, herzustellen. Oder sie können Fiebersäfte als so genannte Defektur, also als Rezeptur auf Vorrat, herstellen.

"Es gibt für Fiebersaft eine entsprechende Rezepturvorschrift, die auch eine Herstellung einer Suspension aus Fertigarzneimitteln für die Wirkstoffe Paracetamol und Ibuprofen vorsieht", sagt Justus. Dafür benötigte Tabletten seien ebenso lieferbar wie Granulate der entsprechenden Wirkstoffe, aus denen sich eine für Kinder geeignete Lösung herstellen ließe.
Welche Nachteile haben die Alternativen?
Die Herstellung in der Apotheke ist stets teurer als der Verkauf fertig hergestellter Säfte. Und die Kosten werden nur dann von den Krankenkassen übernommen, wenn Hausarzt oder Hausärztin eine entsprechende Rezeptur für eine Arznei verordnet haben. Diese wird dann individuell von der Apotheke hergestellt. "Die Eltern können die in der Apotheke hergestellten Säfte aber auch selber zahlen", sagt Isabel Justus. Dann allerdings zu einem etwas höheren Preis als sonst üblich.

Medikamentenknappheit in Bremer Apotheken: Was sind die Folgen?

Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 25. September 2022, 19:30 Uhr