Interview

Bremerhavener Oscar-Gewinner: Wie die große Gala in Hollywood abläuft

Eine goldene Oscar-Statue neben dem Schrifzug "Oscars"
Bild: dpa | Danny Moloshok

Volker Engel hat mit "Independence Day" 1997 den Oscar für die besten Visuellen Effekte gewonnen. Im Interview spricht er über den Abend und einen Geheimtipp für dieses Jahr.

Es ist wieder soweit: Der rote Teppich wird ausgerollt – und alle Stars mit Rang und Namen versammeln sich in Los Angeles zum bedeutendsten Filmpreis der Welt. Der Bremerhavener Volker Engel hat das ganze Spektakel schon mitgemacht und selbst einen Oscar mit nach Hause genommen. Der Filmproduzent verrät, wie der Tag hinter den Kulissen der Academy-Awards abläuft, seine Einschätzung zur deutschen Oscar-Nominierten Sandra Hüller und welchen Film er dieses Jahr besonders spannend findet.

Herr Engel, Sie haben den Oscar 1997 gewonnen, wie haben Sie damals den Tag und die Stunden vor der Verleihung erlebt?

Der Tag ist total aufregend, weil damit auch noch eine Menge Logistik verbunden ist. Wenn man zum Beispiel für ein großes Studio arbeitet, wie zum Beispiel bei uns damals 20th Century Fox, dann bekommt man an dem Tag zu einer bestimmten Zeit auch eine Limousine, die einen zu Hause abholt. An dem Tag ist es aber immer brechend voll – und man steckt mitten in der Stadt fast eine Stunde im Stau. Von diesen Sachen hört man natürlich nichts, weil es nicht so glamourös ist. Aber die Veranstaltung selbst ist dann unglaublich gut organisiert.

Kannten Sie dort viele Menschen persönlich oder ist man da etwas verloren auf dieser großen Gala?

Nein, verloren habe ich mich dort nicht gefühlt. Man trifft ein paar Kollegen. Ich war mit drei anderen Mitarbeitern nominiert. Und das sind auch Leute, mit denen man befreundet ist. Und man wird dann auch so gesetzt, dass man als Gruppe zusammen ist.

Es ist ein bisschen so, wie mit guten Freunden ins Kino zu gehen.

Volker Engel, Filmproduzent

Und wie haben Sie damals ihren Sieg gefeiert?

Es gibt eine spezielle Party, die anschließend nach den Oscars stattfindet. Dazu muss man eine spezielle Einladung bekommen – und die hatte ich zum Glück. Das ist die "Vanity Fair"-Party. Und da trifft sich dann alles von Rang und Namen. Da läuft man dann Leonardo Di Caprio, Tom Cruise und Kate Winslet über den Weg.

Das war sehr beeindruckend: Man steigt dann aus seiner Limousine, wenn man nach den Oscars vorgefahren wird. Am Eingang steht ein Mann, der ein bisschen aussieht, wie vom FBI und einen Knopf im Ohr hat. Der kommt dann auf einen zu und begrüßt einen tatsächlich mit den Worten: "Good evening, Mr. Engel, we're very glad to have you here tonight." Da ist man natürlich unglaublich erstaunt, man ist ja nicht Leonardo Di Caprio und wird nicht gleich vom Gesicht her erkannt. Aber die sind dort unglaublich gut vorbereitet.

Wie blicken Sie auf die deutschen Nominierten bei der Oscar-Verleihung? Besonders Sandra Hüller steht mit ihrer Nominierung als beste Hauptdarstellerin im Rampenlicht.

Sandra Hüller hat aus meiner Sicht wirklich gute Chancen. Ich habe mir den Film "Anatomie eines Falls" angeschaut. Und wenn man sie auch mit den französischen Kollegen vergleicht, kommt sie unglaublich natürlich rüber. Sie ist wirklich ein Ausnahmetalent – kann man nicht anders sagen.

Natürlich hat sie auch sehr starke Konkurrenz, in erster Linie zum Beispiel Lily Gladstone aus "Killers of the Flower Moon". Damit ist zum ersten Mal eine Frau in der Kategorie nominiert, die indigene Wurzeln bei den Ureinwohnern Amerikas hat. Alleine das ist schon eine große Konkurrenz, weil man natürlich nicht vergessen darf, dass die meisten Leute, die in der Academy wählen, auch aus den USA sind. Und da hat Lily Gladstone wohl auch sehr gute Chancen.

Welchen Film finden Sie als Experte für die Effekte bei den diesjährigen Oscars besonders spannend?

Die Kategorie der Visuellen Effekte ist in diesem Jahr besonders interessant, weil eine absolute Ausnahmeerscheinung dabei ist: der neue Godzilla-Film. Dieser Film ist nicht so ein amerikanisches Riesen-Projekt, sondern ein relativ kleiner Film aus Japan, der aber unglaublich gut gemacht und auch als Film sehr interessant ist.

Was sind bei solchen Filmen dann Ihre Highlights?

Wenn man aus der Branche der Visuellen Effekte kommt, erkennt man es eigentlich daran, wenn man gar nicht so sehr drauf achtet: Wenn die Effekte quasi "unsichtbar" sind und man nicht anfängt, groß zu analysieren, weil einen auch die Geschichte so in den Bann zieht.

Der Bremerhavener Oscar-Preisträger Volker Engel
Volker Engel hat 1997 den Oscar mit dem Film "Independence Day" für seine visuellen Effekte gewonnen. Bild: dpa | Horst Ossinger

Sind Sie immer noch Mitglied der Oscar-Academy?

Ja, bin ich. Allerdings konnte ich meinen Status verändern. Ich bin jetzt eine Art "stilles Mitglied". Dadurch fallen die Beiträge weg, die man als reguläres Academy-Mitglied zahlen muss. Und man bekommt trotzdem alle Filme zu sehen, die für Nominierungen in Frage kommen. Die kann ich dann alle online streamen. Ich habe zum Glück einen großen Projektor und eine Leinwand und schaue mir die Filme dann mit meiner Frau zu Hause an.

Der Vorteil ist: Der Druck, wählen zu müssen, fällt weg. Ich habe das 20 Jahre lang sehr genau genommen und zum Beispiel bei den Filmen, die für das beste Kostüm nominiert wurden, natürlich auch besonders auf das Kostüm geachtet. Jetzt kann ich mich eher auf die Filme konzentrieren, die mir am meisten Spaß machen.

Schauen sie sich die Oscar-Verleihung immer noch an? Wenn ja, wie verfolgen Sie die Show?

Wir haben hier in der Nähe von Flensburg, wo ich inzwischen wohne, gute Freunde, die die Verleihung in der Nacht digital aufzeichnen. Und am nächsten Abend treffen wir uns dann, essen etwas und schauen die Veranstaltung. Natürlich muss ich dann beim Gucken auch immer live Einschätzungen und Kommentare abgeben. Das schwierige ist, in der heutigen Zeit die Ergebnisse noch nicht zu kennen und dann noch überrascht zu werden. Ich muss sehen, dass ich möglichst wenig auf mein Handy gucke und keine Nachrichten höre.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Sonntag aus Bremerhaven, 10. März 2024, 10:40 Uhr