Wikipedia feiert 20. Geburtstag: Wer schreibt über Bremen?

58 Millionen Artikel sind auf Wikipedia zu finden. Ca. 2,5 Millionen davon auf Deutsch. Auch in Bremen wird fleißig mitgearbeitet.

Video vom 15. Januar 2021
Das Logo von Wikipedia auf einem Monitor.
Bild: Radio Bremen

Wikipedia ist voll. Voll mit Wissen. Darunter auch Wissen über Kuhschubsen, die Bielefeld-Verschwörung, oder aber Extrembügeln. Offenbar ist nicht immer alles so ernst gemeint, was da in der Online-Enzyklopädie steht.

Für Roland Kutzki ist Wikipedia aber mehr als nur Spaß. Für ihn war das Internet-Portal gewissermaßen die Rettung als er in Rente ging.

Plötzlich ist da ein Stück Leere. Das passiert ja wahrscheinlich vielen und dann suchen sich einige Golf oder Tennis und ich hab' einfach angefangen mein Wissen, das ich habe, umzusetzen, als ich plötzlich sah: Da gibt es so eine Plattform.

Roland Kutzki

Seit 14 Jahren schreibt der ehemalige Architekt nun schon für Wikipedia. Seitdem vergeht kaum ein Tag an dem der 78-Jährige keinen Artikel schreibt. Da kommen eine Menge Artikel zusammen. 2.730 Artikel um genau zu sein. Sein größtes Thema: Bremen. Rund 1.600 Artikel hat er schon über die Hansestadt geschrieben. Gerade stellt er einen Artikel zu Bremer Mühlen fertig. Mit Netzrecherche allein kommt er dabei nicht immer weiter. Mal hilft ein Anruf oder ein Blick ins Buch. Seine Sammlung ist beachtlich: "Ich hab ja alleine 300 bis 400 Bände, die nur Bremen behandeln. Irgendwo findet man immer nochmal was."

Starke Qualitätsunterschiede

Ob alle Autoren so gründlich recherchieren ist nicht bekannt. Laut Medienwissenschaftler Andreas Hepp wurde seit dem Wikipedia-Start vor 20 Jahren zwar erheblich an der Qualitätskontrolle der Inhalte gearbeitet. Aber am Ende wird doch nicht immer alles transparent. Er empfiehlt, auf mehrere Quellen zu setzen, da nicht jeder Artikel die gleiche Qualität aufweise. "Die Schwierigkeit für die Nutzerinnen und Nutzer ist schlicht und einfach einzuschätzen, welcher Artikel wofür steht. Also welche Qualität er hat."

Roland Kutzki als Ordnungshüter

Roland Kutzki sichtet regelmäßig Artikel anderer Autoren, um auf der Plattform für Ordnung zu sorgen. Dabei kommen ihm auch mal weniger verantwortungsvolle Gefährten entgegen. Er erinnert sich an einen Bremer, der auf ewig gesperrt worden sei, weil er so viel Unsinn gebracht habe. Da verliere man irgendwann einfach die Geduld.

Schließlich geht es darum, Wissen zu vermitteln. Und da hat der 78-Jährige auch nach 14 Jahren auf der Plattform noch Freude dran. "Da gibt es noch jede Menge Lücken und Aufgaben. Und irgendwann, wenn meine Augen es nicht mehr zulassen, dann muss ich wahrscheinlich zwangsläufig aufhören." Seine nächsten Projekte: erstmal buten Bremen. Er hat eine größere Recherche zur Stadt Wismar angefangen.

Audio vom 15. Januar 2021
Jimmy D. Wales zeigt ein iPad, auf dem das Internet-Lexikon Wikipedia zu sehen ist.
Bild: DPA / Picture Alliance | Fabian Bimmer

Autorin

  • Sophie Labitzke

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 15, Januar 2021, 19:30 Uhr