Das Pech mit den Schiffen: Jetzt modert auch der Weserkahn in Bremen

Nach der Seute Deern in Bremerhaven ist jetzt auch noch der Weserkahn "Franzius" in Vegesack marode. Für die Reparatur soll ein sechsstelliger Betrag fällig werden.

Ein Schiff liegt trocken zur Sanierung
Der Rumpf des Weserkahns "Franzius" wird nun im Hohentorshafen repariert. Bild: Radio Bremen | Volker Kölling

Der Werftbesuch ist zum Albtraum geworden: Probe-Bohrungen am Weserkahn "Franzius" haben gezeigt, dass Wasser in den Holzrumpf eingedrungen ist. Der Gammel sitzt tief in den vier Holzschichten der Außenhaut. Für die Sanierung wird der Betreiberverein Bremer Weserkahn "Franzius" einen sechsstelligen Betrag auftreiben müssen. Die gut gebuchten Törns für 2020 mussten alle abgesagt werden, denn die Rumpf-Reparatur im Hohentorshafen wird voraussichtlich das ganze Jahr dauern.

Erste Anzeichen bereits im vergangenen Sommer

Bei den Sommertörns im Wattenmeer hatte der Vereinsvorsitzende Thomas Hinzen schon Schlimmes befürchtet, weil praktisch immer Wasser in der Bilge war. "Wir hatten in der letzten Werftzeit eine kleine Leckage auf der Backbordseite geschlossen. Und danach hätte das Schiff eigentlich trocken sein sollen", sagte er.

Zwei Männer stehen vor einem Schiff
Björn Richter und Thomas Hinzen wollen die "Franzius" auf jeden Fall sanieren lassen. Bild: Radio Bremen | Volker Kölling

Der Schiffsrat beschloss daraufhin in diesem Jahr lieber früh auf den Slip der Maleika-Werft im Neustädter Hohentorshafen zu gehen. Werftchef Björn Richter setzte gut 30 Probe-Bohrlöcher – mit einem niederschmetternden Ergebnis. "Es gibt leider kein einheitliches Bild. Mitunter ist das Holz in Ordnung an Stellen, wo man es eher nicht vermutet hätte. Und dann hat man wieder ganze Bereiche, wo einem schon bei der zweiten Holzschicht der Gammel entgegenkommt", sagte Richter.

Das macht eine größere Reparatur nötig, weil das angefaulte Holz großflächiger ausgetauscht werden muss. Jede der vier Lagen Holz muss wie im Bauplan wieder ins Schiff eingebaut werden – mit sauber geschäfteten Übergängen und Klebstoff, der hält.

"Franzius" galt eigentlich als resistent gegen Schimmel

Thomas Hinzen war Anfang der 90er Jahre dabei, als die Idee zu dem Bootsbauprojekt beim Jugendkutterwerk in Vegesack ausgeheckt wurde. Das Verfahren der Formverleimung galt als das Nonplusultra – viel langlebiger als die ursprüngliche Kahnbauweise mit schlichten Planken.

Hinzen hat den Bau die "Franzius" in sechs Jahren Bauzeit in der ehemaligen Ausbildungswerkstatt der Vulkan-Werft begleitet. "Unsere Bootsbauer haben immer gesagt: Eher bricht das Holz daneben, aber niemals unsere Verleimung. So wird man eines Besseren belehrt – bitter."

Da müssen wir jetzt ran. So können wir nicht mehr weiterfahren.

Thomas Hinzen

Er sagt das trocken und ohne Vorwurf in der Stimme. Er erinnert sich, dass die "Franzius" wegen ihrer Ausmaße von über 22 Metern nicht im beheizbaren Bereich der Qualifizierungswerft gebaut werden konnte. "Vielleicht lag da schon der Fehler, dass wir oft einfach nicht die richtigen Temperaturen für die Verarbeitung des Epoxidharzes hatten. Vielleicht lag es auch am Mischungsverhältnis des Harzes oder an einer schlechten Charge Material." Das ließe sich heute nicht mehr aufklären. Fakt sei aber: So weitergehen könne es auf keinen Fall.

Schiff soll saniert werden – doch das Geld fehlt

Der Diplomnautiker und Hochschuldozent hat die Berufsgenossenschaft (BG) See informiert, die das Schiff nun begutachtet. Auch die Klassifizierungsgesellschaft Bureau Veritas ist mit Gutachtern dabei. Mit dem Einschalten der BG See ist nun aber auch die Betriebserlaubnis für den Weserkahn erst einmal erloschen. Im nächsten Schritt muss es runter vom Maleika-Slip.

Ein Grundstück als Bauplatz für die Rumpfsanierung gibt es bereits. "Das Geld für Kran und Miete haben wir vielleicht gerade noch in der Vereinskasse. Aber danach wird es eng", erklärt Hinzen. Rundmails an die Vereinsmitglieder und Förderer des Schiffes in der Bremer Kaufmannschaft seien schon raus. Die ersten Spenden gingen bereits ein. Aber damit allein ist es nicht getan. Die "Franzius" ist ihrerzeit mit Mitteln aus den Europäischen Sozialfonds, der Arbeitsagentur und aus dem Bremer Arbeitsressort finanziert worden. "Wir müssen mal in alle Richtungen gucken, welche Möglichkeiten wir noch finden", sagte Hinzen.

Immer wieder wird der Vereinsvorsitzende dieser Tage auf die Millionen aus Bundestöpfen angesprochen, die in Bremerhaven in die Sanierung oder einen Neubau des maroden Museumsschiffs "Seute Deern" fließen sollen. "Das sind Mittel aus einem Kulturtopf für ein historisches Schiff", sagte Hinzen. "Wir sind nur der Nachbau eines historischen Segelfahrzeugs. Das dürfte zumindest schwierig in der Begründung werden – aber wir werden nichts unversucht lassen."

Zum Abwracken zu jung

Dass es die "Franzius" so kurz vor ihrem erst 20. Geburtstag  erwischt hat, kann Hinzen selbst noch kaum begreifen. "Ich dachte, dass wir deutlich länger mit diesem Schiff ohne Probleme unterwegs sind." Aber ein schlechtes Omen gab es schon: Die "Franzius" ist in Vegesack am gleichen Tag wie die Kogge "Roland von Bremen" getauft worden – dem 14. Mai 2000. Die Kogge ist bereits einmal an der Schlachte gesunken – bevor man Pilzbefall im Eichenholz entdeckte.

Die "Franzius" braucht jetzt jedenfalls ein Alle-Mann-Manöver damit sie wieder mit lernbegeisterten Crews durch das Wattenmeer segeln kann. Zum Abwracken ist das Schiff schlicht zu jung.

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Autor

  • Volker Kölling

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 15 Januar 2020, 19:30 Uhr