Woran in Bremen und Bremerhaven mit Tierversuchen geforscht wird

Die Zahl der Tierversuche hat sich 2019 in Bremen verdoppelt. Grund dafür ist ein schwimmendes Wirbeltier: der Fisch. Insgesamt wurde mit über 6.000 Tieren gearbeitet.

Fische schwimmen an einem Bullauge eines Forschungstanks vorbei. (Symbolbild)
85 Prozent der Forschungstiere bei Tierversuchen waren 2019 Fische. Bild: DPA | Michael Kappeler

Jedes Jahr veröffentlicht der deutsche Tierschutzbund eine Statistik, die die neusten Tierversuchszahlen zeigt – immer mit einer leichten Verzögerung von rund zwei Jahren. 2021 wurden die Zahlen aus dem Jahr 2019 veröffentlicht.

In diesem Jahr wurden demnach im Land Bremen rund 6.300 Tiere gemeldet, mit denen wissenschaftliche Versuche durchgeführt wurden. Was hinter dieser fast doppelt so hohen Zahl wie 2018 steht ist schnell geklärt: 85 Prozent der Versuchstiere waren Fische.

In Bremen wurden 2019 insgesamt 6.304 Tiere in Versuchen eingesetzt, 5.379 davon Fische sowie 543 Mäuse, 350 Ratten und 32 Krallenfrösche.

Hester Pommerening, Deutscher Tierschutzbund

Sechs Bremer Institute forschen und lehren mit Tieren

In Bremen und Bremerhaven wurden an der Universität, der Hochschule, der Jacobs-Universität, am Leibniz Zentrum für Marine Tropenforschung und am Alfred-Wegener-Institut sowie dem Thünen-Institut für Fischereiökologie und Seefischerei im Rahmen der Forschung und Lehre mit Tieren gearbeitet, teilte eine Sprecherin des Bremer Gesundheitsressorts auf Anfrage mit.

1 Universität Bremen lehrt Präparation und Verhalten von Tieren

Biotechnoligisches Labor. Maus fuer Versuchszwecke.
Mit rund 900 Ratten und Mäuse wurde 2019 in Bremen geforscht. Bild: Imago | Jochen Tack

An der Uni Bremen gibt es mehrere Studiengänge, die mit Tieren forschen oder an ihnen lehren. Dazu gehört der Bachelorstudiengang Biologie sowie der englischsprachige "Master of Neurosciences".

Die Studierenden lernen beispielsweise elementare anatomische und strukturelle zoologische Kenntnisse sowie Präparationstechniken. Des Weiteren lernen sie mit Mäusen und Ratten, wie man Verhaltensversuche aufbaut und interpretiert.

2 Bremer Hochschule analysiert Fischbewegungen

An der Hochschule Bremen finden beispielsweise Versuche mit Fischen statt. Die schwimmenden Tiere werden zur Bewegungsanalyse beobachtet, um daraus im Bionik-Studium technische Nachbauten zu generieren.

Als Ersatz werden auch 3D-Modelle sowie Dauerpräparate verwendet. Fischroboter sollen den Einsatz lebender Tiere auf ein notwendiges Minimum reduzieren, so der Pressesprecher mit Verweis auf eine kleine Anfrage der Grünen.

3 Jacobs-Universität stellt Tierversuche ein

Ein blaues Schild der Jacobs Universität an einem Gebäude.
Seit 2019 werden an der Jacobs-Universität keine Tierversuche mehr zugelassen. Bild: Radio Bremen

Die Jacobs-Universität habe 2019 beschlossen, zukünftig auf neue Forschungsprojekte mit Tierversuchen zu verzichten, so die Presseabteilung der privaten Hochschule. "Nach dem Abschluss der sehr begrenzten Anzahl laufender Forschungsprojekte im Jahr 2020, gibt es derzeit keinen Einsatz von Tieren in der Forschung", heißt es in der E-Mail. 

4 Zwölf Milchfische sollen am ZMT die Weltbevölkerung sichern

Am Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) wird mit Hilfe von zwölf Milchfischen ein Kreislaufsystem erforscht. Dieses könnte die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung sichern – ohne dabei marine Ressourcen komplett zu erschöpfen, so die Sprecherin des ZMT.

In dem Kreislauf bildet der Milchfisch mit Salzpflanzen und Seegurken ein System. Die Futterreste der Fische werden so als Ressource genutzt, um weitere Organismen wie die Seegurken zu fördern. Die Versuche sollen zeigen, wie der Kreislauf beispielsweise auf die Ozeanverschmutzung reagiert.

5 AWI erforscht wie sich Fische an Ökosysteme anpassen

Ein orangener Fisch schwimmt in  einem Aquarium
Wer sein Aquarium nicht reinigt weiß, wie Fische auf Schmutz reagieren. Forscher wollen wissen, wie es mit Plastik läuft. Bild: Imago | Hans-Günther Oed

Am Alfred-Wegener-Institut (AWI) wird an Fischen sowie an zehnfüssigen Krebsen geforscht. Dabei wird untersucht, wie sich die Organismen an sich verändernden Umweltbedingungen wie die Ozeanerwärmung anpassen. "Das ist von großem allgemeinen Interesse, denn davon hängt ab, wie sich marine Ökosysteme insgesamt an Umweltveränderungen anpassen können", so Thomas Bey vom AWI.

Zwar schwanke die Zahl der eingesetzten Tiere jedes Jahr, aber im Schnitt arbeitet das AWI mit einigen hundert Fischen. Diese stammen überwiegend aus Fischzuchten, nur wenige stammen aus Wildfängen.

6 Das Thünen-Institut beobachtet die Wanderung von Aalen

Das Thünen-Institut für Fischereiökologie forscht ebenfalls überwiegend mit Fischen. Ein Projekt beschäftigt sich mit dem Wanderverhalten von Aalen. Hier werden Süßwasseraale markiert, um unter anderem zu schauen, wie viele pro Jahr die Ems verlassen.

Im Bereich der Mikroplastikforschung gibt es zudem Fütterungsversuche: Untersucht wird, wie Fische auf mikroplastikhaltiges Futter reagieren und welche Auswirkungen das hat. Es sei wichtig zu wissen, wie Mikroplastik den Tieren schade, so der Pressesprecher.

In Niedersachsen wird an Primaten geforscht

In Niedersachsen wurden 2019 mit weniger Tieren geforscht als noch 2018. "Allerdings sind manche Tierarten wie die Primaten rasant angestiegen – von 850 auf 1.350 Tiere", so Tilo Weber, Fachreferent für Alternativmethoden zu Tierversuchen beim Deutschen Tierschutzbund: Das liege unter anderem an Tierversuchslaboren und dem Deutschen Primatenzentrum in Göttingen.

Eine schwarze Katze in einem Transportkäfig
Hund, Katze, Maus: Alles beliebte Tiere für Tierversuche. Bild: Imago | CHROMORANGE

In Niedersachsen gibt es laut Weber Labore, die unter anderem "regulatorische Versuche" einsetzen. Solche Versuche werden gemacht, um neue Substanzen wie Chemikalien oder Medikamente zu testen, bevor sie auf den Markt kommen. Diese standardisierten Versuche sind verpflichtend, um beispielsweise ein neues Arzneimittel auf den Markt zu bringen. In Laboren kann man dafür Tierversuche buchen, um solche Substanzen an Primaten zu testen – teilweise auch an Tieren wie Katzen und Hunden.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 26. März 2021, 23:30 Uhr