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Happy Birthday: Bremen feiert 200 Jahre Stadtmusikanten

Die Brüder Grimm haben das Abenteuer der Stadtmusikanten im Jahr 1819 veröffentlicht. Bremen plant zurzeit, wie es sein kleines Märchen-Quartett groß feiern wird.

Die Stadtmusimanten in der Bremer Innenstadt.

Das Märchen endet mit dem Satz "Nach Bremen sind sie nie gekommen". Und doch sind sie aus Bremen nicht wegzudenken. Die Skulptur am Rathaus gilt längst als Marken- und Wahrzeichen, ist beliebter Touristenmagnet und somit nicht nur für die Souvenirbranche ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Entsprechend steckt die Bremer Wirtschaftsförderung gerade knietief in den letzten Planungen rund um die Jubiläums-Aktionen anlässlich des 200. Geburtstags ihrer wichtigsten Imageträger.

Wir planen gerade einen großen Stadtmusikanten-Sommer für Bremen.

Marlis Torka, Projektleiterin Wirtschaftsförderung Bremen

Märchenkult in der Kunsthalle

Kunstwerk von Maurizio Cattelan: Love Saves Life, 1995 und Love Lasts Forever, 1998, Tierpräparate, Tierskelette, Kunsthalle Bremen. Die Bremer Stadtmusikanten als ausgestopfte Tiere und als Skelette, sich gegenüber stehend
Als Symbol für Mut, Solidarität und Sozialutopie widmet die Kunsthalle den Stadtmusikanten eine eigene Ausstellung. Bild: Maurizio Cattelan

Noch wird an den Details in einer Arbeitsgruppe – bestehend unter anderem aus Wirtschaftsförderung Bremen, Bremer Touristik-Zentrale, Kunsthalle, Staatsarchiv, diversen Museen und Stadtbibliothek – gefeilt. So viel steht aber schon fest: Den Auftakt für die Geburtstags-Sause macht eine Sonderausstellung der Kunsthalle, die sich ab dem 23. März mit "200 Jahre Bremer Stadtmusikanten in Kunst, Kitsch und Gesellschaft" beschäftigt. Und löst damit quasi eine andere Märchendichterausstellung ab, nämlich die rund um Hans Christian Andersen. In Planung sind im Laufe des Sommers außerdem spezielle Kinderevents und Führungen zu den vier Bremer Märchenhelden.

Finale zum Doppeljubiläum

Rund um den eigentlichen Jubiläums-Stichtag – das Vorwort des Grimm'schen Märchenbandes ist auf den 3. Juli datiert – sollen die Stadtmusikanten gebührend mit einem Fest gefeiert werden. Konkrete Ideen zu der märchenhaften Geburtstagsfeier nehmen bereits Formen an, so Marlis Torka von der Wirtschaftsförderung Bremen, sind aber noch nicht spruchreif. Mit weiteren Details sei im Februar zu rechen. Fest steht jedoch jetzt schon das große Finale. Am 30. September 1953 wurde die berühmte Skulptur von Gerhard Marcks vor dem Bremer Rathaus aufgestellt. Auf den Tag genau 66 Jahre später sollen deshalb zu diesem Jahrestag dort auch die Jubiläums-Aktivitäten enden. An dem Ort, der laut Marktforschung von über 89 Prozent der Bremen-Besucher angesteuert wird (Bremer Touristik-Zentrale, November 2018). Dabei empfanden viele Bremer damals das heutige Wahrzeichen zunächst als Zumutung: Man hielt es für zu modern, nicht repräsentativ, wirklichkeitsfern und nicht witzig genug.

"Sind die aber klein"

Einer der meistgeäußerten Sätze an der berühmten Bronzefigur wird sicher auch im Geburtstagsjahr wieder häufig zu hören sein: "Die habe ich mir aber viel größer vorgestellt." Dass sie nicht größer sind, war der ausdrückliche Wunsch von Künstler Gerhard Marcks. Der bat darum, sich in Zurückhaltung zu üben. Ein größere Figur empfand er für das Nachkriegsdeutschland für nicht angemessen. Und zur Ehrenrettung der Stadtmusikanten sei zu Beginn des Jubiläumsjahres erwähnt, dass sie den Größenvergleich zu anderen Wahrzeichen ihrer Sorte wirklich nicht scheuen müssen. Mit knapp zwei Metern – ohne Sockel – sind sie zwar keine Riesen, aber immerhin lebensgroß. Und damit durchaus imposanter als Manneken Pis in Brüssel mit seinen 61 Zentimetern. Und auch die Märchenbronze nach Hans Christian Andersens Kleiner Meerjungfrau in Kopenhagen bringt es nur auf eben mal 1,25 Meter.

Größenvergleich andere Wahrzeichen mit den Bremer Stadtmusikanten

Schlechtes Timing der Bundesbank

Eine Sondermünze der Deutschen Bundesbank ist im Jubiläumsjahr für die Stadtmusikanten nicht vorgesehen. Die gibt es nämlich längst. 2017 kam die schon zum 200. Erscheinungsjahr des ersten Grimm-Märchenbandes heraus, zusammen mit entsprechenden Wohlfahrtsmarken der Deutschen Post. Und das, obwohl die berühmte Tiergeschichte erst im zweiten Band der Grimm-Brüder im Jahr 1819 abgedruckt wurde. Am 16. Mai 2019 kommt stattdessen eine 20-Euro-Silbermünze mit dem Tapferen Schneiderlein raus und dazu passend schon im Februar auch drei Sonderbriefmarken. Obwohl dessen Geschichte von den Grimm-Brüdern schon vor inzwischen 202 Jahre im ersten Märchenbuch veröffentlicht worden ist.

Besondere Idee zum Geburtstag

Eine außergewöhnliche Aktion hat sich das Museum Grimmwelt in Kassel für 2019 ausgedacht: Jeden Sonntag findet dort in diesem Jahr eine einstündige Märchenlesung statt. Vorgetragen werden so viele Märchen, wie jeweils in 60 Minuten unterzubringen sind. Wer so oft teilnimmt, um am Ende 200 Märchen mitverfolgt zu haben, bekommt als Belohnung lebenslang freien Eintritt in das Museum.

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Autorin

  • Eva Linke

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 7. Januar 2019, 19:30 Uhr