Endstation Auschwitz: Als Sinti und Roma von Bremen in den Tod geschickt wurden

300 Sinti und Roma sind am 8. März 1943 nach Auschwitz deportiert worden. Fast niemand überlebte. Die Fahrt ins Vernichtungslager begann am Bremer Schlachthof.

Ein Mann steht vor einem Gebäude.

Es war der frühe Morgen des 8. März 1943. Ein sonniger Tag mit 5 Grad am Tag, in der Nacht gingen die Werte auf eisige -2 Grad zurück. In ganz Bremen und dem Weser-Ems-Gebiet holte die Polizei und Kriminalpolizei Sinti und Roma ab. Angeblich sollten sie nach Polen umgesiedelt werden. In Wirklichkeit hieß das Ziel: Vernichtungslager Auschwitz. Für rund 90 Prozent der 300 Sinti und Roma bedeutete das den Tod.

Sinti und Roma schon 1938 festgesetzt

Möglich war diese gezielte Abholung, da schon 1938 alle Sinti und Roma festgesetzt wurden. Sie durften ihren damaligen Aufenthaltsort nicht mehr verlassen. 1939 wurden flächendeckend Fingerabdrücke genommen, erkennungsdienstliche Fotografien erstellt und Stammbäume angefertigt. Sinti und Roma wurden klassifiziert in Vollzigeuner, Nichtzigeuner und Mischlinge. Die, die mit Ariern verheiratet waren oder in rüstungswichtigen Betrieben gearbeitet haben, wurden 1943 nicht deportiert. Aber sie versteckten sich, da sie zwangssterilisiert werden sollten.

Eine historische Luftaufnahme des Bremer Schlachthofs.
Die historische Luftaufnahme zeigt den Bremer Schlachthof und Umgebung. Bild: Hans Hesse

Um 6 Uhr morgens begann die Deportation, sagt der aus Bremen stammende Historiker Hans Hesse. Er forscht seit Jahren über Sinti und Roma und ihre Deportation. Seine Erkenntnisse hat er im 1999 erschienen Buch "Vom Schlachthof nach Auschwitz" festgehalten. Dort schildert er, wie die Menschen von der Polizei aus ihren Wohnungen, die Schulkinder während des Unterrichts aus den Klassen und die Männer von der Arbeit weggeholt wurden. Gebracht wurden alle in die Markthalle des Schlachthofes am Bremer Hauptbahnhof. Dort, wo heute die Bürgerweide Platz für Freimarkt und Osterwiese bietet, war zu Kriegszeiten der städtische Schlacht- und Viehhof, von dem nur noch der Wasserturm und ein paar Verwaltungsgebäude übriggeblieben sind.

Vom Schlachthof ins "Zigeunerlager"

Bis zum 11. März wurden weitere Sinti und Roma im Nordwesten verhaftet und nach Bremen gebracht. Unterdessen besorgte die Polizei für die frierenden Kinder Betten, Häftlinge wurden noch einmal freigelassen, um Babynahrung zu holen. Parallel dazu wurden die ersten Inhaftierten mit Eisenbahnwaggons direkt ins Vernichtungslager nach Auschwitz geschickt.

Ein dort extra eingerichtetes sogenanntes Zigeunerlager wurde ein Jahr später wieder aufgelöst. Bis zu diesem Zeitpunkt waren über 50 Prozent der Insassen bereits tot. Sie starben an Krankheiten, Unterernährung, Folter und an medizinischen Experimenten. Wer noch arbeitsfähig war, wurde auf andere Lager verteilt.

Eine Metallsteele mit Text.
Eine Steele am Bremer Schlachthof erinnert an das Schicksal der deportierten Sinti und Roma.

Wie viele Sinti und Roma aus Auschwitz zurückgekehrt sind und die Vernichtung überlebt haben, ist nicht nachzuweisen. Historiker Hesse geht davon aus, dass rund 90 Prozent der Deportierten umgekommen sind. An sie erinnern Gedenktafeln am Alten Schlachthof und am Schützenhof.

Gedenken an Auschwitz-Befreiung

Reporter Janos Kereszti im Gespräch mit Petra Rosenberg im Bremer Rathaus.
  • Katharina Guleikoff

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 8. März 2018, 11.20 Uhr