Stahlschiff und Hafenkulisse statt neuer "Seute Deern" in Bremerhaven?

Der ursprünglich geplante Nachbau der "Seute Deern" ist zu teuer. Stattdessen hat die Stadt nun Pläne für ein Stahlschiff inmitten einer historischen Hafenkulisse vorgestellt.

Eine Animation zeigt ein Segelschiff in einem Hafenbecken.
Ein Stahlschiff umgeben von historischer Hafenkulisse soll nach Plänen der Stadt Bremerhaven die "Seute Deern" vor dem Deutschen Schifffahrtsmuseum ersetzen. Bild: judel/vrolijk

Die Stadt Bremerhaven hat am Freitag Pläne für einen Nachfolgebau der havarierten "Seute Deern" vorgestellt. Anstatt eines hölzernen Nachbaus des gesunkenen Wahrzeichens der Seestadt soll aus Kostengründen nun ein historischer Frachtsegler aus Stahl entstehen. Das hat eine vom Magistrat in Auftrag gegebene Variantenprüfung als einzige finanzierbare Möglichkeit ergeben. Dies müsse jetzt politisch diskutiert werden, sagte Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) bei der Vorstellung der Pläne.

Geplanter Schiffsbau nach Vorbild aus Geestemünde

Das neue Museumsschiff soll demnach rund 34,4 Millionen Euro kosten. Damit läge es im Rahmen der vom Bund für einen "Seute Deern"-Ersatz in Aussicht gestellten 46 Millionen Euro. Das Geld soll auch zur Sanierung anderer Museumsschiffe genutzt werden. Als Vorbild könnte nun die "Najade" dienen – das erste in Deutschland gebaute stählerne Vollschiff ist ein Beispiel für die seinerzeit hohe Technologie der Tecklenborgwerft in Geestemünde. Fahren könnte der originalgetreue Nachbau allerdings nicht. Vielmehr soll auf seiner Fläche ausgestellt werden, unter welchen Bedingungen damals Waren weltweit transportiert wurden – angereichert mit multimedialen Darstellungen wie Hologrammen. Auch könnte es eine Ausstellung mit Originalteilen der "Seute Deern" geben.

Historische Hafenkulisse vor dem Schifffahrtsmuseum

Eine Animation zeigt ein Segelschiff in einem Hafenbecken.
Kleine Häuschen sollen eine historische Hafenumgebung für ein Stahlschiff nach Vorbild der "Najade" schaffen. Bild: judel/vrolijk

Die vorgestellten Pläne sehen außerdem den Bau einer historischen Hafenkulisse vor dem Deutschen Schifffahrtsmuseum vor. Diese Lösung ist laut Gutachten geeignet, die damalige Bedeutung für den nationalen Schiffbau und die Schifffahrt zu präsentieren. "Zu dieser historischen Dimension kommt die touristische Attraktivität hinzu", so Grantz. Nach entsprechenden Beschlüssen von Stadt und Land könne möglicherweise innerhalb von drei Jahren ein völlig neu gestaltetes Areal am Alten Hafen entstehen. Der Sonderbeauftragte "Seute Deern" und ehemalige Staatssekretär Uwe Beckmeyer (SPD) sagte, er habe von politischer Seite aus Berlin bereits grünes Licht für die vorgestellte Schiffsvariante bekommen.

Rückblick: Ein Blick ins Innere der "Seute Deern" in Bremerhaven

Video vom 27. August 2020
Der Innenraum der Seute Deern ist sichtlich in Mitleidenschaft gezogen.
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 2.Oktober 2020, 19:30 Uhr