Kommentar

Wut und Kampf auf der Straße: Einfach mal locker bleiben

Wo sind eigentlich die freundlichen Verkehrsteilnehmer? "Grüner wird's nicht", ist ja schon fast eine Liebeserklärung. Unser Autor Thorsten Reinhold rät zu mehr Gelassenheit.

Ein Autofahrer zeigt seinen Mittelfinger einem anderen Verkehrsteilnehmer aus dem Fenster seines Autos. (gestellte Szene)
Aggression hilft nichts. Unser Kommentator rät zu mehr Gelassenheit. Bild: Imago | Photothek

Rücksichtlos, egoistisch, voll. Das fällt unseren Meinungsmeldern zum Verkehr in Bremen ein. Meine Beschreibung geht eher so: Mittelfinger, Wut und Kampf. Für mich als Radfahrer, Autofahrer, Fußgänger und Gelegenheits-E-Scooter-Fahrer (meine persönliche Reihenfolge nach Nutzung) ist es kein Spaß, durch Bremen zu gehen oder zu fahren – es ist teilweise ätzend.

Radfahrer gegen Radfahrer ("Pass doch auf, du A….loch"), natürlich Autofahrer gegen Radfahrer ("Das ist eine Einbahnstraße"), Fußgänger gegen Autofahrer ("Idiot, das ist ein Zebrastreifen"). Jeder gegen jeden. Die emotionale Zündschnur ist oft ziemlich kurz. Selbst die sonst friedfertigsten Menschen werden im Straßenverkehr plötzlich zum Hitzkopf. Geht's noch?

Nicht das Feuer mit Öl löschen

Dampf ablassen und seinen Ärger über die anderen ungefiltert und unmittelbar rausblasen. Das erlebe ich jeden Tag, wenn ich zur Arbeit fahre. Psychologen nennen dieses Verhalten übrigens Katharsis, eine emotionale Befreiung. Nur leider bewirkt sie oft das Gegenteil. Wer wütend ist, wird noch wütender. Ich habe da für alle Dünnhäutigen im Straßenverkehr einen Tipp: ruhig Blut und durchatmen.

Wissenschaftler halten das für eine bessere Strategie als seiner Wut freien Lauf zu lassen. Wer mit Gelassenheit reagiert, schafft es eher, den aufkeimenden Zorn gleich wieder zu ersticken.  Wenn also das nächste Mal wieder irgendein "Idiot" oder "Idiotin" bei Rot über die Ampel fährt, ohne Licht unterwegs ist, beim Überqueren der Straße nur auf das Handy starrt – dann gießen Sie mal kein Öl ins Feuer. Bleiben Sie gelassen. Wir wollen doch alle entspannt und heile ankommen.

Ach, mir fällt noch was ein. Im ersten Satz der Straßenverkehrsordnung steht: "Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige und gegenseitige Rücksicht." Wenn wir das beherzigen, brauchen wir keine psychologischen Tipps.

Rücksichtsloses Fahren: Was ist los auf Bremens Straßen?

Video vom 30. Januar 2020
Eine Fahrradampel im Bremer Viertel, die auf Gelb steht.
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Thorsten Reinhold

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 30. Januar 2020, 19:30 Uhr