Meinungsmelder

Verkehrschaos in Bremen: Was die Politik dagegen tun will

Am Stern, in der Innenstadt und im Viertel geht es besonders ruppig zu. Das finden die Radio Bremen Meinungsmelder. Und kurzfristig wird sich daran nichts ändern.

Belebter Straßenzug im Viertel in Bremen
Im Viertel zeigt sich aus Sicht der Meinungsmelder besonders deutlich, wie ruppig andere Verkehrsteilnehmer agieren. Bild: Imago | Winfried Rothermel

Es ist viel los auf Bremens Straßen, immer wieder geraten Verkehrsteilnehmer aneinander. Als besonders kritisch nehmen die Radio Bremen Meinungsmelder die Schwachhauser Kreuzung "Am Stern" wahr, gefolgt von der Innenstadt sowie Teilen der Östlichen Vorstadt, dem sogenannten Viertel. Auf eine Verkehrsentlastung an diesen Punkten deutet derzeit wenig hin, zumal am Stern. So sagt Ralph Saxe, verkehrspolitischer Sprecher der Bremer Grünen, der Stern sei ein "extrem komplexer Verkehrsknotenpunkt". Einen Kreisverkehr mit so viel Radverkehr und hoch frequentierten Straßenbahnverbindungen gebe es in Bremen kein zweites Mal.

Um den Stern weiter zu entschärfen, müsste er vom Autoverkehr entlastet werden. Das würde bei gleich bleibendem Kfz-Anteil am Verkehr aber zu einer höheren Belastung der angrenzenden Hauptverkehrsstraßen führen.

Ralph Saxe, verkehrspolitischer Sprecher der Bremer Grünen

Umso wichtiger sei es, in der Stadt Alternativen zum Auto wie den ÖPNV und das Fahrrad zu stärken, findet Saxe.

Ganz ähnlich äußert sich der verkehrspolitische Sprecher der Bremer Linksfraktion, Ralf Schumann, zu allen drei Konfliktorten im Bremer Straßenverkehr: Wo viel Verkehr herrsche, komme es folgerichtig auch häufiger zu Konflikten.

Da es dort eben eng ist, können und wollen wir auch nicht für den motorisierten Individualverkehr noch mehr Infrastruktur schaffen.

Ralf Schumann, verkehrspolitische Sprecher der Bremer Linksfraktion

Der Straßenverkehr wäre harmonischer, wenn es gelänge, den Umweltverbund zu stärken, da dieser den Menschen eine platzsparendere Mobilität ermögliche, glaubt Schumann.

Anja Schiemann, verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, schließt sich ihren Koalitionspartnern an und sagt: "Konzeptionell setzen wir gemäß Koalitionsvertrag auf die Mobilitätswende." Daher wolle das Regierungsbündnis den ÖPNV stärken, Park-and-Ride-Konzepte und Carsharing ausbauen.

Fakt ist: Die Angebotsstrukturen des ÖPNV müssen attraktiver werden, die Tarifstruktur sozialverträglicher.

Anja Schiemann, verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion

Sogar aus der Opposition erfahren Schiemann, Schumann und Saxe Rückendeckung. So sagt Heiko Strohmann, verkehrspolitischer Sprecher der Bremer CDU-Fraktion: "Knotenpunkte wie der Stern und das Viertel, wo Straßenbahnen, Autos, Fußgänger, Fahrradfahrer, E-Rollers aufeinandertreffen, bergen immer ein gewisses Konfliktpotential." Auch pflichtet Strohmann SPD, Grünen und Linken darin bei, dass sich der letzte Umbau des Sterns "positiv auf die teils sehr gefährlichen Zustände ausgewirkt" habe.

Um das Konfliktpotential zu minimieren, müssen wir die Infrastruktur vor allem für Fußgänger und Fahrradfahrer ausbauen.

Heiko Strohmann, verkehrspolitischer Sprecher der Bremer CDU-Fraktion

Deutliche Kritik an der Bremer Verkehrspolitik der vergangenen Jahre übt unterdessen Thore Schäck, verkehrpolitischer Sprecher der Bremer FDP-Fraktion.

Grundsätzlich wurde in den vergangenen Jahren zu wenig in die gesamte Verkehrsinfrastruktur investiert, wodurch Autofahrer, Fahrradfahrer und auch immer mehr Fußgänger leiden.

Thore Schäck, verkehrpolitischer Sprecher der Bremer FDP-Fraktion

Mit dieser Meinung steht Schäck nicht allein da. Auch Ingo Biniok, erster Vorsitzender der Verkehrswacht Bremen Stadt, blickt kritisch auf die Bremer Verkehrspolitik der letzten Jahre zurück.

Bremen hat versäumt, in die Infrastruktur zu investieren.

Ingo Biniok, erster Vorsitzender der Verkehrswacht Bremen Stadt

Über den Zustand der Geh- und Fahrradwege, aber auch über den der Straßen, müsse man gar nicht reden. Er sei überzeugt davon, dass es auf Bremens Straßen entspannter zuginge, wenn alle Straßenteile intakt wären und sich jeder Verkehrsteilnehmer auf seinen Bereich zurückziehen könnte, glaubt Biniok. So aber werde es erst dann harmonischer auf den Straßen zugehen, "wenn der einzelne Verkehrsteilnehmer auch mal gewillt ist, zurückzustecken."

Damit liegt die Verkehrswacht auf einer Linie mit Meinungsmelderin Merle Würdemann: "Wenn sich alle an die Verkehrsregeln halten würden, wäre das Miteinander schon sehr viel besser", sagt sie.

Rücksichtsloses Fahren: Was ist los auf Bremens Straßen?

Video vom 30. Januar 2020
Eine Fahrradampel im Bremer Viertel, die auf Gelb steht.
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Alexander Schnackenburg

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 30. Januar 2020, 19.30 Uhr