Bremische Evangelische Kirche beschließt Predigtverbot für Latzel

  • BEK will umstrittenen Pastor seines Dienstes entheben
  • Olaf Latzel war wegen Volksverhetzung verurteilt worden
  • Latzel hat bis Mittwoch Zeit, Stellung zu beziehen
Video vom 11. Dezember 2020
Der Bremer Pastor Latzel betritt einen Gerichtssaal.
Bild: DPA | Sina Schuldt
Bild: DPA | Sina Schuldt

Die Bremische Evangelische Kirche (BEK) hat beschlossen, dass der umstrittene Pastor der St.-Martini-Gemeinde, Olaf Latzel, während des Gerichtsverfahrens um seine Äußerungen zur Homosexualität nicht als Pastor der BEK arbeiten kann. Das hat die BEK in einer Pressemitteilung am Freitagvormittag mitgeteilt. Pastor Latzel hat nun bis zum nächsten Mittwoch Zeit, um sich dazu zu äußern. Sollte man sich nicht mit dem Pastor über das Ruhen seiner Arbeit einigen können, will ihn die BEK mit sofortiger Wirkung des Dienstes entheben.

Die BEK teilte außerdem mit, dass das Disziplinarverfahren gegen Latzel solange ruht, bis das Gerichtsverfahren um seine umstrittenen Äußerungen zur Homosexualität endgültig abgeschlossen ist. Da Latzel gegen die Verurteilung durch das Bremer Amtsgericht wegen Volksverhetzung Rechtsmittel eingelegt hat, ist das Urteil noch nicht rechtskräftig.

Das Bremer Amtsgericht hatte Latzel vor gut zwei Wochen wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe verurteilt. Nach Ansicht der Richter hatte er in einem im Internet verbreiteten Seminar zum Hass gegen Homosexuelle angestachelt.

BEK: Latzel kann während des Verfahrens nicht predigen

Der Schriftführer der BEK, Pastor Bernd Kuschnerus, erklärte: "Es ist nach unserer Überzeugung nicht möglich, dass ein Pastor, der von einem Gericht der Bundesrepublik Deutschland wegen Volksverhetzung verurteilt worden ist, während der Dauer des Disziplinarverfahrens weiter seinen Dienst tut."

Der Kirchenausschuss bittet die Menschen, denen durch die Äußerungen von Pastor Latzel Leid und Unrecht zugefügt wurde, um Verzeihung.

Der Schriftführer der evangelischen Kirche Bremen Bernd Kuschnerus im Studio von buten un binnen.
Pastor Bernd Kuschnerus, Schriftführer der Bremischen Evangelischen Kirche

Eine glaubwürdige Verkündigung des Evangeliums sei während der Dauer einer derartigen rechtlichen Auseinandersetzung – die möglicherweise über Jahre und unter erheblicher öffentlicher Beteiligung stattfinde – nicht denkbar, sagte Kuschnerus.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 11. Dezember 2020, 11 Uhr