Mit Klavier gegen Kohle – Bremer Pianist spielt im Hambacher Forst

Zehntausende Menschen kamen am Samstag zur Großdemo im Hambacher Forst. Der Bremer Pianist Joe Löhrmann unterstützte sie auf seine Weise.

Joe Löhrmann, lächelnd
Joe Löhrmann spielt seit 2012 mit seinem Klavier an öffentlichen Stellen in Deutschland und dem Ausland. Bild: Joe Löhrmann | Kim-Leon Siebert

Joe Löhrmann tourt mit seinem selbst gebauten Klavier regelmäßig durch die Bundesrepublik. Meistens spielt der 35-Jährige auf öffentlichen Plätzen. Sein Ziel dabei: So vielen Menschen wie möglich durch seine Musik einen Augenblick des Friedens schenken.

So kann ich meine zwei größten Leidenschaften verbinden: das Klavierspielen und das Reisen.

Joe Löhrmann

Am Samstag, als Zehntausende zu einer Großdemo zum Hambacher Forst kamen, hat er dort gespielt. Nach den Ereignissen der letzten Wochen hatte Löhrmann das Gefühl, dass sein Einsatz gefragt sein könnte. Der Energiekonzern RWE, dem der Wald gehört, will die Bäume abholzen, um einen nahe liegenden Tagebau zu erweitern. Dort wird Braunkohle abgebaut.

So spielte Joe Löhrmann auf der Demo am Hambacher Forst

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Umweltaktivisten, die Häuser auf den Bäumen gebaut hatten, weigerten sich, das Gebiet zu verlassen. Ein Blogger starb, weil er von einer Hängebrücke stürzte. Das nordrhein-westfälische Bauministerium begründete die Räumungsaktion mit fehlendem Brandschutz in den Baumhäusern. Erst kürzlich hat die Polizei die Plattformen vollständig geräumt.

Eine sehr bedrückende Stimmung

Löhrmann, der ursprünglich aus Hannover kommt und in Bremen studiert und gelebt hat, war da, fünf Tage lang, während die Aktivisten sich den Anordnungen der Polizei widersetzten. "Die Stimmung änderte sich von Tag zu Tag, teilweise war sie sehr angespannt, dann wieder entspannt", erzählt er. Er sei mit seinem zur Wohnung umgewandelten Transporter hingefahren und habe dort gespielt, wo er durfte. Oft direkt in dem Wagen, vor den Polizisten, die ab und zu auch nach Liedern fragten. "Es gab dort mehrere Checkpoints: Nach dem ersten wussten die Polizisten beim nächsten schon, wer ich war", sagt er. "Am Anfang haben sie sich sehr gewundert, dass jemand am Klavier im Wald saß."

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Auch die Aktivisten hätten sich über die Unterhaltung gefreut, sagt er. Die Atmosphäre sei bedrückend gewesen. "Es gab Wasserwerfer, Transporter", erinnert sich Löhrmann. Und dann der Tod des jungen Bloggers. Er habe bei der Trauerfeier gespielt, sagt er. In dem Wald herrschte eine beklemmende Ruhe. Danach habe er erstmal Abstand gebraucht.

Zehntausende kamen zur Großdemo

Demonstranten errichten eine Barrikade im Hambacher Forst.
Aktivisten haben in den vergangenen Wochen versucht, die Räumung der Baumhäuser im Hambacher Forst zu verhindern. Bild: Reuters | Wolfgang Rattay

Inzwischen ist Löhrmann aber wieder zurück. Denn Umweltverbände haben zu einer Großdemo gegen die geplante Rodung aufgerufen. Zehntausende Menschen folgten dem Aufruf.

Am Freitag hat das Oberverwaltungsgericht Münster die Rodung vorläufig gestoppt. Allerdings ist die Abholzung des Waldes nach aktuellem Stand nicht endgültig vom Tisch. Die Organisatoren wollen sich weiterhin in dem Wald treffen und auf die Lage aufmerksam machen. "Wir werden aber auch ein Freudenfest feiern. Wir sind natürlich froh über diese kleineren Schritte", sagte ein Sprecher vom BUND-Landesverband Nordrhein-Westfalen auf Nachfrage.

Auch Löhrmann will seine Ablehnung gegenüber der Rodung zum Ausdruck bringen.

Ich hoffe, dass die Musik eine positive Botschaft rüberbringt.

Joe Löhrmann

"Und, dass sich beide Seiten besinnen", sagt er. Er ist nicht der Einzige, der bei der Demonstration auftreten soll: Revolverheld, Tonbandgerät und weitere Bands bilden das Bühnenprogramm. Die Organisatoren – BUND, Campact und Greenpeace unter anderen – hoffen auf einen friedlichen Protest.

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  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 5. Oktober 2018, 23:30 Uhr