Bremer Plattformen bieten virtuellen Einkaufsbummel an

Wegen der Corona-Krise haben die meisten Geschäfte in Bremen zu. Doch online blühen neue regionale Einkaufsplattformen. Die haben laut Handelskammer aber auch Kehrseiten.

Kleine Einkaufstaschen auf einem Laptop
In Bremen sind in letzter Zeit mehrere Online-Plattformen entstanden – für Bremer Geschäfte, die einen Liefer- oder Abholdienst anbieten. Bild: Imago | agefotostock

Blumen- und Buchläden, Schuh-, Mode- und Sportgeschäfte, Geschenk- und Möbelläden, Elektronikfachhandel – viele Geschäfte mussten wegen der Coronakrise schließen. Für viele Ladenbesitzer bedeutet das beträchtliche Einbußen. Innerhalb von nur fünf Tagen haben etwa 6.600 Kleinbetriebe im Land Bremen Anträge auf Soforthilfe gestellt. Doch während Einzelhandelsläden gerade einzugehen drohen, sprießen regionale Online-Plattformen wie Pilze aus dem Boden. Sie versuchen auf unterschiedliche Art, den lokalen Einkauf wiederzubeleben und zumindest etwas über die Durststrecke zu helfen.

Dieses Ziel hat sich auch Verena Plug mit ihrer Webseite "plattform-bremen.de" gesetzt. Die Bremer Freiberuflerin ist im Bereich Marketing tätig und erstellt selbst Webseiten für ihre Kunden. "Ich habe damals überlegt, was ich tun konnte, um die Händler in dieser Zeit zu unterstützen", sagt sie. Es war ihr klar, dass ein Online-Auftritt wenig bringt, wenn die Kunden diesen nicht finden. "Ich dachte: Wir müssen sie alle zusammenführen, auf einer Plattform."

"Ich wollte den Händlern helfen"

So hat sie beschlossen, das Portal zu gründen. Hier finden die Nutzer einen Überblick der Bremer Geschäfte, die Lieferung oder Selbstabholung anbieten. Der Eintrag ist für die Händler kostenlos – Geld damit zu verdienen sei nicht ihr Ziel, betont Plug.

Mir war es wichtig, den Leuten wieder auf die Beine zu helfen. Das ist mein Beitrag für Bremen.

Verena Plug, Gründerin von plattform-bremen.de

Das Prinzip ist einfach: Wenn sie online oder auf der Straße sieht, dass ein Geschäft den Online-Einkauf anbietet, trägt sie ihn auf ihrer Onlineseite ein. "Wichtig ist, dass der Laden diese Information irgendwo veröffentlicht hat und es sich nicht um eine einmalige Sache handelt", sagt sie. Dass die Informationen bereits vorher irgendwo anders veröffentlicht wurden, sei wichtig für sie, um später rechtliche Probleme oder Streit mit den Inhabern zu vermeiden.

Mehrere Portale in kurzer Zeit entstanden

Die Plattform ist nach Stadtteilen aufgeteilt. Darin unterscheidet sie sich von anderen selbst gemachten Portalen, die in den vergangenen Wochen in Bremen entstanden sind. "tosamen.org", eine weitere Plattform aus Bremen, lässt die Nutzer hingegen per Kategorien surfen – zum Beispiel "Restaurants", "Dienstleistungen" oder "Kultur". Oder eben durch Standorte.

"Wir haben einen Marktplatz gebaut, wo sich Händler, Einzelhändler und Unternehmer mit ihrem speziellen Angebot wegen Corona-Beschränkung eintragen können", sagt der Bremer Online-Marketingfachmann Simon Zeimke. Er hat das Portal zusammen mit seiner Frau Steffi an den Start gebracht. "Tosamen" ist das plattdeutsche Wort für "zusammen".

Das Viertel macht einen Online-Shop, die Überseestadt hat eine Liste mit Shops, aber für ganz Bremen gab es einfach nichts. Dann haben wir was gemacht.

Simon Zeimke, Gründer von "tosamen.org"

Einzelhändler mussten neue Wege finden

Denn in der Corona-Krise sind viele Betreiber kreativ geworden. Einige haben ihre Restaurants in Supermärkte umgebaut oder zeigen den Kunden via Skype ihre Produkte, noch andere bieten virtuelle Rundgänge oder streamen Videos und Musik live. "Die Not macht erfinderisch", sagt die Referentin für Einzelhandel der Bremer Handelskammer, Bettina Schaefers.

Ich bin positiv überrascht, was für gute Ideen gerade im Umlauf sind. Vielleicht kann man auch welche für später bewahren.

Bettina Schaefers, Referentin für Einzelhandel der Bremer Handelskammer

Vielleicht könne man einige Ideen nach der Corona-Krise aufbewahren und ausbauen, fügt sie hinzu. Eine neue Nische finden.

Die Seite "jetzt-kaufen-in-Bremen.de" auf einem Bildschirm
Auch die Bremer Handelskammer hat ein eigenes Portal veröffentlicht, um den Bremer Einzelhandel ins Netz zu bringen. Bild: Radio Bremen

Die Handelskammer selbst hatte vor etwa einer Woche zwei Portale ins Leben gerufen – eins für Bremen, eins für Bremerhaven. Auf einer Karte der jeweiligen Stadt können Nutzer die vorhandenen Angebote finden. Die Handelskammer will damit ein zentralisiertes Angebot anbieten.

Die Frage ist, ob es viel bringt, wenn es viele kleine, unterschiedliche Portale gibt. Deshalb haben wir sie gebündelt. Es ist eine gute Möglichkeit, aber, wenn es zu viele werden, kann es für die Geschäfte schwierig werden.

Bettina Schaefers, Referentin für Einzelhandel der Bremer Handelskammer

Gefahr, dass die Kunden nicht erreicht werden

Die Händler riskierten, nicht gefunden zu werden, wenn sie sich nur auf einem einzelnen, kleinen Portal eintrügen. Ideal wäre, dass sich das jeweilige Portal herumspräche. Die Idee der Einkaufsportale sei jedoch an sich sehr gut, sagt Schaefer. Damit könne man mehr Sichtbarkeit erzielen. Auf der Webseite habe die Handelskammer mehrere Links der verschiedenen Portale gesammelt.

Grundsätzlich sind Kundenplattformen positiv in der jetzigen Zeit. Sie bieten den Geschäften die Möglichkeit aufzutauchen, selbst wenn sie keinen Online-Auftritt haben.

Bettina Schaefers, Referentin für Einzelhandel der Bremer Handelskammer

Am Mittwoch hat die Handelskammer bekanntgegeben, dass es bisher etwa 30.000 Kundenaufrufe auf ihrem Portal gab und fast 700 Unternehmen im Land Bremen das Angebot nutzen. Verena Plug berichtet, sie habe momentan im Schnitt etwa 100 Klicks pro Tag. Sie hofft aber, dass es mit der Zeit noch mehr werden. Momentan sei der Aufbau der Seiten der größte Aufwand gewesen. "Das hat mir ein paar lange Nächte bereitet", erzählt sie und lächelt. Simon Zeimke betreibt das tosamen-Portal ebenfalls nebenberuflich. "Das kostet für Unternehmer und Kunden nichts, das mache ich nebenbei und das geht so lange, wie der Lockdown geht. Und danach wird es wahrscheinlich einfach geschlossen."

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Autorin

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, 30. März 2020, 9:15 Uhr