Kommentar

Kann in Bremen bald jeder Polizist werden?

Die Bremer Polizei hat Nachwuchssorgen: Sie findet nicht genügend qualifizierte Bewerber und senkt deshalb die Einstiegshürden. Fatal findet das unser Kollege René Möller.

Vereidigung von Polizistinnen und Polizisten vor dem Bremer Dom
Der Nachwuchs: Bremer Polizistinnen und Polizisten bei ihrer Vereidigung 2018. Bild: Claudia Scholz

Innensenator Mäurer und Polizeipräsident Müller haben ein Problem. Sie wollen gerne mehr Polizisten ausbilden, doch es bewerben sich nicht genügend gut qualifizierte Menschen. Wäre die Bremer Polizei jetzt ein privates Unternehmen, würden sich die Chefs fragen, warum sich nicht genügend "Gute“ bewerben. Die Antwort wäre schnell gefunden: Der Job ist unattraktiv.

So ist es auch mit der Bremer Polizei: Denn Bremens Polizisten schieben über 300.000 Überstunden vor sich her, die sie nie bezahlt bekommen. Sie verdienen zu wenig – verglichen mit Kollegen in anderen Bundesländern. Und sie haben furchtbare Arbeitszeiten. Nun ist die Polizei Bremen aber kein privater Arbeitgeber. Bremen ist Haushaltsnotlageland und kann seinen Beamten nicht so viel zahlen, wie andere Bundesländer. Also senken Innensenator und Polizeipräsident einfach die Anforderungen an die Bewerber. Abitur? Körperliche Fitness? Perfekte Deutschkenntnisse? Muss alles nicht mehr unbedingt sein, heißt es.

Auswahlverfahren soll hart bleiben

Es entsteht der Eindruck: Die Polizei nimmt in Zukunft eigentlich jeden! Das ist fatal. Denn Polizisten haben einen der wichtigsten Berufe in unserer Gesellschaft. Die Polizei setzt geltendes Recht durch. Und das müssen Beamte kennen, verstehen und vermitteln. Es ist also zwingend nötig, dass die Auswahlverfahren für einen solchen Beruf besonders hart sind – und auch bleiben müssen.

Was passiert, wenn man dieses Prinzip aufgibt, sieht man in Berlin. Dort ist die Polizei-Ausbildung vergangenes Jahr in Verruf geraten. Nachdem in der Hauptstadt die Auswahlkriterien gesenkt worden waren, gab es Ärger mit dem Polizei-Nachwuchs. Viele konnten kein Deutsch, hielten sich nicht an einfachste Regeln und waren mit Straftaten aufgefallen. Inzwischen arbeiten an der Berliner Polizeiakademie Sozialarbeiter, um die schlimmsten Defizite beim Polizeinachwuchs aufzufangen. Setzen Mäurer und Müller ihre Pläne um, braucht Bremen demnächst bestimmt auch ein paar Sozialarbeiter mehr. Spätestens dann haben Innensenator und Polizeichef noch ein Problem.

Autor

  • René Möller

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 28. Februar 2019, 8:45 Uhr