Jede Leiche in Bremen muss jetzt untersucht werden

  • Ab heute ist die qualifizierte Leichenschau Pflicht
  • Bremen ist das erste Bundesland mit dieser Regelung
  • Kosten steigen für Angehörige
Ein Rechtsmediziner in der Pathologie vor einer Kühlkammer in der eine Leiche liegt.
Jeder Tote in Bremen wird ab sofort in einer Leichenhalle untersucht. Bild: DPA | Carmen Jaspersen

Bremen hat als erstes Bundesland heute die sogenannte "qualifizierte Leichenschau" eingeführt. Das bedeutet: jede Leiche muss künftig von Ärzten auf die Todesursache hin untersucht werden. Experten erhoffen sich dadurch, dass bisher unentdeckte, nicht-natürliche Todesfälle aufgeklärt werden.

Ein unbemerkter tödlicher Unfall, falsch eingenommene Medikamente oder sogar ein vertuschter Mord: Rechtsmediziner gehen davon aus, dass bundesweit Tausende dieser nicht-natürlichen Todesfälle unentdeckt bleiben. Deswegen sollen künftig in Bremen alle Leichen entweder von Rechtsmedizinern oder speziell ausgebildeten Ärzten untersucht werden. Sie können zum Beispiel an Flecken auf der Haut oder in den Augen Hinweise auf die wahre Todesursache erkennen.

Tote werden vor Untersuchung in Leichenhalle gebracht

Kritikern geht das Gesetz nicht weit genug. Sie bemängeln, dass der oder die Verstorbene zunächst in die Leichenhalle gebracht und erst dort untersucht werden soll. So könnten – zum Beispiel im Fall eines Mordes – wichtige Beweise am Fundort der Leiche zerstört werden. Die Arbeit der Polizei werde so erschwert. Für Hinterbliebene bedeutet die qualifizierte Leichenschau mehr Kosten. Sie müssen nämlich künftig statt 114 rund 190 Euro zahlen.

Dieses Thema im Programm: Hörfunknachrichten von Radio Bremen, 1. August 2017, 6 Uhr.