Umstrittener Gutachter zieht sich aus Bremer Latzel-Prozess zurück

Audio vom 4. Oktober 2021
Kamerateams filmen den Angeklagten, Pastor Olaf Latzel (r), und seinen Anwalt Sascha Böttner (2.v.r) im Gerichtssaal stehend.
Kamerateams filmen den Angeklagten, Pastor Olaf Latzel (r), und seinen Anwalt Sascha Böttner (2.v.r) im Gerichtssaal stehend. Bild: DPA | Sina Schuldt
Bild: DPA | Sina Schuldt

Der Theologieprofessor Raedel zieht sich wegen der Kritik an seinen Positionen aus dem Latzel-Prozess zurück. Den Vorwurf der Befangenheit weist er aber zurück.

Der im Latzel-Berufungsprozess von der Staatsanwaltschaft abgelehnte Gutachter Christoph Raedel zieht sich zurück. "Er hat vor dem Hintergrund der Unruhen um seine Person, zu denen er sich ja aufgrund seiner Rolle nicht äußern könnte, darum gebeten, nicht weiter in der Sache tätig sein zu müssen", sagte ein Sprecher des Bremer Landgerichts zu buten un binnen. Die Kammer sei diesem Wunsch mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung nachgekommen und habe seine Bestellung zum Sachverständigen widerrufen.

Raedel war zuvor von der Bremer Staatsanwaltschaft als Gutachter abgelehnt worden, weil sie ihn für möglicherweise befangen hielt. So hatte der Gießener Theologieprofessor auf Nachfrage erklärt, er vertrete die Auffassung, dass Homosexualität nicht mit der christlichen Lehre vereinbar sei und als Sünde bezeichnet werden müsse. Dies hatte zu heftiger Kritik von Theologen, Kirchenrechtlern und Verfassungsexperten geführt.

Dem Gerichtssprecher zufolge hat Raedel nun ausführlich zu den Vorwürfen Stellung genommen. Insbesondere den Vorwurf der Befangenheit habe er dabei zurückgewiesen. Über den Befangenheitsantrag sei daher letztlich auch nicht mehr entschieden worden.

Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Gericht sind sich aber nach wie vor einig, sich in dem Verfahren von einem Sachverständigen beraten zu lassen. "Ein neuer Sachverständiger ist noch nicht gefunden, ein Zeitfenster ist da aktuell nicht absehbar", so der Gerichtssprecher. Wann die Hauptverhandlung stattfinden kann, müsse erst mit dem noch zu bestellenden neuen Sachverständigen abgestimmt werden. "Da Herr Raedel bereits mit seiner Arbeit begonnen hatte, wird mit Sicherheit ein wenig Zeit verloren gehen", so der Gerichtssprecher.

Latzel war im November 2020 wegen Volksverhetzung vom Amtsgericht Bremen verurteilt worden. Sein Berufungsverfahren sollte frühestens Anfang 2022 beginnen. Dieser Termin wird sich nun weiter nach hinten verschieben.

Ist der Gutachter für den Bremer Latzel-Prozess befangen?

Video vom 8. September 2021
Pastor Olaf Latzel. Er trägt einen Mundschutz.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Kristian Klooß Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten 4. Oktober 2021, 11 Uhr