Kommentar

Strafe gegen Stolberg ist richtig und angemessen

Das Landgericht Bremen hat den früheren Reeder Niels Stolberg zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Zu Recht, meint Radio Bremen-Reporterin Julia Meichsner.

Niels Stolberg und seine Anwälte sitzen im Gericht
Verurteilt: Der frühere Beluga-Chef Niels Stolberg muss ins Gefängnis. Bild: Radio Bremen | Martin von Minden

Im Namen des Volkes – das Urteil gegen Niels Stolberg ist gesprochen. Der einst mit bundesweiten Preisen ausgezeichnete Super-Reeder aus Bremen, der Kunstmäzen, der Förderer vieler Projekte in Kultur, Sport und im karitativen Bereich muss ins Gefängnis. Es ist eine hohe Strafe, ja. Aber sie ist angemessen. 

Obwohl es durchaus einige bedenkenswerte Einwände gibt: Da wären zum Beispiel die Kreditbetrügereien, die Stolberg begangen hat. Er wollte die Banken mit frisierten Zahlen täuschen. Haben sie sich täuschen lassen? Oder haben sie sehenden Auges mitgespielt, weil trotz Täuschung die Geschäfte so lukrativ für sie waren? Dieser Verdacht liegt nahe, besonders nachdem die Mitarbeiter der Bremer Landesbank wenig überzeugende Zeugen waren. Der Vorwurf des Kreditbetrugs trägt seitdem ein dickes Fragezeichen. 

Ist die Strafe zu hoch?

Weiter könnte man sagen, die Strafe ist zu hoch, weil die Zeit, die Stolberg auf das Urteil warten musste, zu lang war. Die Anwälte von Stolberg hatten argumentiert: Die Taten liegen lange zurück, Stolberg musste fünf Jahre auf den Beginn des Prozesses warten. Und habe in der Zeit sehr gelitten. Tatsächlich haben die Richter allein anderthalb Jahre gebraucht, die Akten zu studieren. Eine ungewöhnlich lange Zeit. 

Und neben fragwürdigen Vorwürfen und dem Zeit-Argument gibt es noch ein drittes Argument, das für eine mildere Strafe ins Feld geführt wird: Stolberg ist schwer krank. Er hat Krebs. Er hat mehrere Operationen hinter sich. Und es geht ihm nicht gut. Schon während des Prozesses hatten zwei Amtsärzte bescheinigt, dass Stolberg nur noch eine Stunde pro Tag verhandlungsfähig sei. 

Und dennoch, trotz dieser berechtigten Einwände: Die hohe Strafe ist angebracht. Stolberg hat betrogen. Er hat nicht nur Kreditanträge mal ein bisschen kreativ gestaltet, er hat Belugas Miteigentümer Oaktree betrogen und er hat Millionen eines anderen Geschäftspartners veruntreut. Das sind Straftaten, die im Geschäftsleben nicht stattfinden dürfen. Denn hier geht es eben nicht nur um viel Geld.

Missbrauchtes Vertrauen

Es geht auch um Vertrauen. Vertrauen zueinander und zu den Regeln, die wir in unserer Gesellschaft haben. Stolberg hat diese Regeln missachtet. Er hat Vertrauen missbraucht und Millionen genommen. Nicht um sich persönlich zu bereichern, ja, aber dafür, die immer neuen Löcher in seinem Unternehmen zu stopfen. Er muss bestraft werden – weniger um direkt ihn eines Besseren zu belehren. Denn die Lektion wird er längst gelernt haben. Sondern quasi für uns.

Damit deutlich wird: Die Gesellschaft reagiert, wenn jemand Vertrauen missbraucht. Und das geht auch nicht mit einer Bewährungsstrafe: Auf Betrug über eine Million Euro steht in der Regel Gefängnis. So hat es der Bundesgerichtshof mal vorgegeben. Von daher ist die Strafe für Stolberg richtig und sie ist angemessen – so groß mein Mitgefühl mit ihm und seiner persönlichen Situation auch ist.

Autorin

  • Julia Meichsner

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 15. März 2018, 15 Uhr

Archivinhalt