Kommentar

Pastor Latzels Provokationen: Warum so mutlos, Evangelische Kirche?

Seit Jahren teilt Olaf Latzel gegen andere Religionen oder Homosexuelle aus. Unsere Redakteurin Ramona Schlee vermisst ein klares Zeichen der Bremischen Evangelischen Kirche.

Ein Porträt von Pastor Olaf Latzel in Bremen.
Die Bremer Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen den Pastor der St. Martini-Gemeinde erhoben. Bild: DPA | Ingo Wagner

Der Straftatbestand "Volksverhetzung" ist nicht trivial. Da ist einiges an Bewertung, Diskussion, Auslegung möglich. Umso bemerkenswerter ist es, dass die Bremer Staatsanwaltschaft nun Anklage gegen Pastor Olaf Latzel genau deswegen erhebt.

Man könnte auch sagen: Es ist mutig, denn ob das Gericht die Klage zulässt und ob am Ende Latzel tatsächlich als Volksverhetzer verurteilt wird ist keinesfalls ausgemacht. Vielleicht ist es sogar unwahrscheinlich. Die Bremische Evangelische Kirche geht da lieber kein Risiko ein. Sie schickt den umstrittenen Pastor nach einem Dienstgespräch einvernehmlich in den Urlaub. So teilt es die Landeskirche mit.

Die Kirchenführung verpasst eine Chance. Sie hätte jetzt zeigen müssen: Jemand, der der Volksverhetzung angeklagt ist, darf auf keinen Fall von einer Kanzel der Bremischen Evangelischen Kirche predigen. Denn Hetze ist nicht Teil und darf nie Teil der Bremischen Evangelischen Kirche sein.

Wo bleibt das klare Signal der Kirchenleitung?

Auch ein Predigtverbot ist nicht trivial. Auch da ist einiges an Bewertung, Diskussion, Auslegung möglich. Ob ein Predigtverbot vor einem Kirchengericht Bestand hat, ist keinesfalls ausgemacht.

Es wäre mutig gewesen von der BEK, es trotzdem zu versuchen. Es wäre ein starkes Signal der Kirchenleitung gewesen, dass Olaf Latzel nicht alles sagen darf, was in sein Weltbild passt und dabei andere herabsetzt. Es wäre ein Zeichen an all die gewesen, die Latzel beleidigt und verhetzt. Und es wäre der tätliche Beweis dafür gewesen, dass die Bremische Evangelische Kirche eben nicht findet, dass Homosexuelle Verbrecher sind oder das Zuckerfest Blödsinn ist.

Anklage setzt auch die Kirche unter Druck

Latzel spielt sein Spiel aus Provokationen, Beleidigungen und Entschuldigungen mittlerweile seit über einem Jahrzehnt. Erstmals gibt es jetzt eine strafrechtliche Anklage – damit hat sich die Situation grundsätzlich geändert.

Die Bremische Evangelische Kirche muss sich dazu verhalten, spätestens am 24. August. Dann endet der Urlaub von Olaf Latzel und es ist anzunehmen: Mehr Urlaubstage werden nicht in Olaf Latzels Dienstvertrag stehen, länger kann ihn die BEK auf diesem Wege also nicht von der Kanzel holen. Dann muss sie mutig sein.

Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Bremer Pastor Latzel

Video vom 2. Juli 2020
Der Pastor Latzel hält eine Andacht.
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Ramona Schlee

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 3. Juli 2020, 19:30 Uhr