Fragen & Antworten

Darum ist der Kippen-Marathon in Bremen ein Segen für die Umwelt

So läuft der Kippen-Marathon in Bremen

Audio vom 17. Juli 2021
Eimer voller Kippen, davor ein Schild: "Kippen-Abgabe"
Bild: Katrin Zeise
Bild: Katrin Zeise

Eine Zigarettenkippe kann 1.000 Liter Wasser vergiften. In einer Aktionswoche sammeln die Bremer Hunderttausende der Stummel. Die Weser kann aufatmen. Umweltschützer erklären, warum.

"Was macht schon eine Kippe?" Das dächten sich leider viele Leute, ehe sie den Zigarettenstummel einfach auf die Straße schnippen und dort liegen lassen, glaubt Nadja Ziebarth, Leiterin des Meeresschutzbüros vom Bund für Umwelt- und Naturschutz in Bremen (BUND). Der BUND, die Bremer Stadtreinigung und "Clean up your City – Bremen" sagen den Kippen auf der Straße ab dem heutigen Samstag für eine Woche den Kampf an: bei der großen Zigarettenstummel-Sammelaktion "Kippen-Marathon", bei der alle mitmachen können.

Weshalb sind Kippen so schädlich für die Umwelt?
Mehr als 7.000 Schadstoffe sind in Zigaretten enthalten. 50 dieser Substanzen gelten als krebserregend, sagt der BUND. Die Filter der Zigaretten filtern einen Großteil der Giftstoffe heraus. Die Substanzen bleiben in den Fasern hängen und sammeln sich dort in hoher Konzentration an.

Kommen die benutzten Filter, also Kippen, mit Wasser in Berührung, etwa bei Regen, so lösen sich die Stoffe und treten in die Umgebung über, wo nun ihr Gift wirkt. Das gilt es durch das Aufsammeln der Kippen zu verhindern.

Was Zigaretten mit der Umwelt machen

Video vom 17. Juli 2021
Zigarettenkippen Teaserbild
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen


Es heißt, dass eine Kippe 1.000 Liter Wasser vergiften könne. Ist das nicht ein bisschen übertrieben?
Nein, sagt Nadja Ziebarth vom Meeresschutzbüro des BUND. Die Zahl sei durch Laborversuche mit Kleinstlebewesen wie Wasserflöhen belegt, bei der die Tiere gestorben seien, als man sie Kippen aussetzte.
Was macht die Kippen so giftig für kleine Wassertiere?
Besonders schnell löst sich das Nervengift Nikotin in Wasser. Nach nur einer halben Stunde in einer Pfütze habe sich bereits etwa die Hälfte des Nikotins gelöst, sagt der BUND.

In städtischen Gebieten ist die Nikotin-Belastung laut BUND besonders hoch: Studien hätten eine bis zu 60-fach höhere Konzentration im Oberflächenabfluss festgestellt. Die Auswirkungen von Nikotin auf die Umwelt sind schon lange bekannt. Das Gift wurde früher in der Landwirtschaft als Insektizid verwendet, um Insekten und Schädlinge auf den Äckern zu töten.
Gibt es noch einen anderen Grund dafür, dass Kippen als besonders umweltschädlich gelten?
Ja, sagt Nadja Ziebarth vom BUND: "Die Filter enthalten ganz viel Mikroplastik." Dadurch belasteten sie die Meere. Rückstände des Kunststoffes, der vor allem für die Herstellung von Zigarettenfilter verwendet wird, seien sogar im arktischen Meereis nachgewiesen worden.
Aber ist eine Kippe nicht trotzdem viel zu klein, um einen ernsthaften Schaden in der Umwelt anzurichten?
Leider geht es nicht nur um eine Kippe, sagt Ziebarth, im Gegenteil: Die Menge an Kippen, die in unsere Gewässer kämen, sei gewaltig: "Wir haben beim Kippen-Marathon im Jahr 2018 allein an 300 Metern des Osterdeichs 23.000 Kippen gesammelt", so Ziebarth. Sie glaubt, dass es diesmal ähnlich sein wird.

Laut BUND werden bundesweit jährlich etwa 106 Milliarden Zigaretten geraucht. Zwei Drittel davon landen Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge auf dem Boden.

Autor

  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, 17. Juli 2021, 10:45 Uhr