Olaf Latzel steht 2020 vor Gericht – und darf nicht mehr predigen

Der umstrittene Pastor Olaf Latzel muss sich 2020 vor dem Bremer Amtsgericht verantworten – und wird wegen Volksverhetzung verurteilt. Die Berufung steht noch aus.

Pastor Olaf Latzel steht in einem Gerichtssaal.
Der umstrittene Bremer Pastor Olaf Latzel wurde 2020 wegen Volksverhetzung verurteilt – da die Berufung jedoch aussteht, wird der Prozess die Bremer auch 2021 noch beschäftigen. Bild: DPA | Sina Schuldt

Die Bremer Staatsanwaltschaft hat im April 2020 Ermittlungen gegen Olaf Latzel eingeleitet. Ihm wird Volksverhetzung vorgeworfen. Im Juli erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Pastor der evangelischen St.-Martini-Gemeinde in der Bremer Altstadt.

Der Auslöser für die Ermittlungen liegt im Vorjahr. Am 19. Oktober 2019 hat Latzel in einem sogenannten Eheseminar Äußerungen getätigt, die den öffentlichen Frieden stören und zum Hass gegen homosexuelle Menschen aufstacheln können, begründete der Sprecher der Bremer Staatsanwaltschaft, Frank Passade, die Anklage gegenüber buten un binnen. Die umstrittene Rede des Pastors war lange Zeit auf Youtube für jeden abrufbar, wurde inzwischen aber aus dem Netz genommen. In dem Video sprach Latzel unter anderem davon, dass der "ganze Gender-Dreck ein Angriff auf Gottes Schöpfungsordnung ist, zutiefst teuflisch und satanisch". Außerdem sagte er Sätze wie: "Überall laufen diese Verbrecher 'rum von diesem Christopher-Street-Day, feiern ihre Partys."

Amtsgericht verurteilt Latzel wegen Volksverhetzung

Das Amtsgericht Bremen hat die Klage Anfang September 2020 zur Hauptverhandlung zugelassen. Tatsächlich wurde Latzel vom Amtsgericht auch wegen Volksverhetzung verurteilt. Die Vorsitzende Richterin Ellen Best sagt, der 53-jährige Theologe habe in dem Eheseminar zum Hass gegen Homosexuelle angestachelt. Sie schloss sich der Forderung der Staatsanwaltschaft an und verhängte eine Freiheitsstrafe von vier Monaten, umgewandelt zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 90 Euro.

Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert und machte noch im Gerichtssaal klar, dass sie Berufung beim Landgericht oder möglicherweise gleich Sprungrevision beim Oberlandesgericht einlegen werde. Möglicherweise werde man aber bis zum Bundesverfassungsgericht kämpfen müssen. Das Urteil ist deshalb noch nicht rechtskräftig.

Während des Prozesses gilt Predigtverbot für Latzel

Auch die Bremische Evangelische Kirche (BEK) zog Konsequenzen aus dem Urteil – wenn auch erst einige Zeit später. Am 11. Dezember beschloss die BEK, dass Latzel während des Gerichtsverfahrens nicht als Pastor arbeiten kann. Die BEK teilte außerdem mit, dass das Disziplinarverfahren gegen Latzel so lange ruht, bis das Gerichtsverfahren endgültig abgeschlossen ist.

Wer sind die Evangelikalen in Bremen?

Video vom 20. November 2020
Im Hintergrund das Haus der Kirche, im Vordergrund ein Schild mit dem Zeichen der Evangelikalen.
Bild: Radio Bremen

Mehr zum Thema:

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 30. Dezember 2020, 19:30 Uhr