Interview

Fragen an eine Bremer Meeresbiologin: Wann leuchten Haie im Dunkeln?

Meeresbiologin Julia Schnetzer erforscht die noch unbekannten Tiefen der Meere. Dabei ist sie auf leuchtende Haie und bedrohte Korallenriffe gestoßen.

Makohai im Meer
Auf Schnetzers Tauchgängen hat sie schon viele Begegnungen gehabt. Hier mit einem Makohai Hai. Bild: Privat
Ihr neues Buch heißt "Wenn Haie leuchten: Eine Reise in die geheimnisvolle Welt der Meeresforschung". Wohin nimmt uns diese Reise mit?
In dem Buch geht es um verschiedene Themen aus dem Meer und aus der Meeresforschung. Ich versuche dabei auch Fragen darzustellen, die noch unklar sind, auch für die Forschung.
Leuchten Haie wirklich?
Ja, tatsächlich. In der Tiefsee gibt es Haie, die können selbstständig leuchten, wie mit der Taschenlampe, dass nennt sich Biolumineszenz. Die Haie, über die ich spreche, die brauchen aber schon Licht dafür. Sie fluoreszieren, das heißt, sie leuchten nicht selbst, man muss sie mit UV-Licht oder blauem Licht anstrahlen und dann erstrahlen sie neongrün.
Wer strahlt sie denn an?
In dem Fall Meeresbiologen oder Taucher mit UV-Lampen, einfach um es sich anzuschauen, weil es schön ist. Aber "in echt" ist es eben so, dass die Fluoreszenz auch von normalem Sonnenlicht generiert wird. Nur können Menschen das nicht sehen, weil es vom Licht überstrahlt wird.
Viele Menschen haben eher Angst vor Haien, ist das berechtigt?
Natürlich kann theoretisch ein Hai einen Menschen beißen und töten, das passiert auch mal. Allerdings ist das extrem selten, es gibt an die zehn tödliche Haiangriffe im Jahr, da ist eigentlich alles andere, was man macht gefährlicher.
Plastikpartikel an einem Strand
Was auf den ersten Blick fast wie Sand aussehen mag, entpuppt sich als Plastik. Die feinen Partikel sind aus dem Meer an den Strand angespült worden. Bild: Privat
Es geht aber nicht ausschließlich um Haie, oder?
Nein, aber das Thema Haie zieht sich irgendwie durch das ganze Buch. Es war gar nicht so beabsichtigt. Es geht auch um Quallen, um Schwämme, um Plastik im Meer, um Bakterien und um Viren. Alles ziemlich unterschiedliche Themen.
Stichwort Viren, das Thema ist aktuell besonders sensibel, aber Viren können für Ökosysteme auch durchaus positive Auswirkungen haben.
Sie gehören in das System mit rein. Es gibt ganz viele Viren im Meer, das wissen die meisten Leute gar nicht. Wir haben in einem Tropfen Meerwasser schon zehn Millionen Viren. Man muss vor ihnen keine Angst haben. Es sind Meeresviren, die nicht auf Menschen spezialisiert sind und deshalb sind es keine Krankheitserreger für Menschen. Sie haben aber eine wichtige Funktion im Ökosystem Meer. Zum Beispiel halten sie Bakterien und Algen in Schach, sodass diese nicht dominieren und andere Arten verdrängen.
Julia Schnetzer taucht mit Delfinen
Einmal mit Delfinen tauchen – ein Traum von vielen. Meeresbiologin Julia Schnetzer hat das während ihrer vielen Tauchgänge bereits erlebt. Bild: Privat
Was ist das besondere an der Meeresbiologie, wie wichtig ist die Erforschung der Ozeane für uns Menschen?
Zum einen ist der Ozean für uns sehr wichtig, nicht nur als Wirtschaftsfaktor sondern auch, weil er uns den Sauerstoff liefert, den wir atmen. Er ist wichtig für unser Wetter, für das Klima und natürlich auch als Nahrungsquelle. Aber er ist auch bedroht. Wenn wir den Ozean schützen wollen, müssen wir ihn auch verstehen.
Die Forschung bringt also praktischen Nutzen für uns?
Jetzt gerade ist der Ozean zum Beispiel interessant in Sachen Biotechnologie und Medizin, die vielen unbekannten Arten da unten haben das Potenzial, dass sie Wirkstoffe haben, die zum Beispiel für Medikamente genutzt werden könnten.
Eine Angelschnur von Korallen ummantelt
Die Natur holt sich ihren Raum zurück. Hier haben sich Korallen um eine verlorene Angelschnur gebildet. Bild: Privat
Die meisten Menschen kommen ja nicht so weit in die Tiefe der Meere, wofür möchten Sie Ihre Leser sensibilisieren?
Ich möchte ihnen vor allem zeigen, wie faszinierend und schön das Meer ist und was es dort für spannende Geschichten gibt. Und damit indirekt auch, dass Leute mehr auf Meeresschutz achten.

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Autoren

  • Andreas Schnur Moderator
  • Marion Cotta Moderatorin
  • Johanna Kroke

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 24. April 2021, 19:30 Uhr