Wir lieben Bremen, weil ... Zwei Zugezogene erzählen

Wegen seines Berufs ist Marko Letonja auf der ganzen Welt zu Hause. Der neue Generaldirektor der Bremer Philharmoniker verrät, warum er trotzdem kein Heimweh kennt.

Musikdirektor Marko Letonja und Anna Joy Drury am Mikroskop
Bild: Radio Bremen/Bremer Philharmoniker | Alexa von Busse/Marcus Meyer

Marko Letonja kennt kein Heimweh. Der neue Generalmusikdirektor der Bremer Philharmoniker ist auf der ganzen Welt zu Hause – im tasmanischen Hobart ebenso wie in Straßburg oder neuerdings in Bremen. Sich zu Hause zu fühlen hat für ihn etwas mit dem Bauch zu tun, und "mein Bauch sagt, es ist super in Bremen", berichtet er kurz vor seinem Antrittskonzert in der Glocke.

Dr. Anna Joy Drury entscheidet weniger aus dem Bauch heraus. Sie untersucht Sedimentproben vom Meeresboden, bestimmt anhand von Zahlenwerten den Klimawandel. Die Postdoktorandin aus Utrecht arbeitet am Marum – Zentrum für marine Umweltwissenschaften der Uni Bremen – und lebt schon seit 2014 hier. Eigentlich hatte sie nicht vor, so lange zu bleiben, aber auch für sie stimmte die Chemie in Bremen von Anfang an. Und davon hängt maßgeblich ab, wie bereit ein Mensch ist, sich in eine Gesellschaft zu integrieren.

"Ich kann nicht isoliert leben"

Bremer Philharmoniker
Das neue berufliche Zuhause von Marko Letonja: Die Bremer Philharmoniker (Archivbild). Bild: Musikfest Bremen 2018 | Alexander Fanslau

Dennoch stellt sich, wer beruflich durch die Welt reist, zwangsläufig die Frage: Lohnt es sich überhaupt, mich in Bremen einzubringen, wenn ich mit einem Bein schon wieder auf dem Sprung bin? Für Marko Letonja und Anna Drury schon. "Es ist mir egal, ob ich eine Woche bleibe oder zehn Jahre", sagt der Dirigent. "Ich versuche mich immer gleich zu integrieren." Aber warum ist das so wichtig? "Ich kann nicht isoliert leben", sagt die Chemikerin.

Auch wenn es nur vorübergehend ist, man muss seinen Platz in einer Kultur finden – einen Ort, an den man gehört.

Dr. Anna Joy Drury, Umweltwissenschaftlerin

Sprache ist wichtig

Und wie findet man diesen Platz? "Ich glaube, es hilft, wenn man die jeweiligen Landessprachen spricht", sagt Marko Letonja. "Ich kann das Orchester ganz anders erreichen, wenn ich Deutsch spreche." Neben Slowenisch und Deutsch spricht er auch Italienisch und Französisch fließend, Englisch natürlich sowieso und Kroatisch eigentlich auch. "Aber das geht bei mir alles übers Ohr", betont er. "Fragen Sie mich nicht zur Grammatik."

Das geht Anna Drury auch so. Obwohl das Marum international besetzt ist, bestand ihr Team am Anfang nur aus Deutschen. Sie nahm den kostenlosen Unterricht des Instituts in Anspruch und lässt grammatikalische Fehler noch heute gerne von ihren Kollegen verbessern. "Das hat mir sehr geholfen, unabhängig zu werden", erzählt sie. "Ich kann mich selbständig bewegen und lerne leichter Menschen kennen."

Das Beste an Bremen: Das Wasser und das Wetter

Eine Wiesenfläche vor dem Martinianleger am Osterdeich. Dazu ein Mast mit vielen Fahnen mit unterschiedlichen Farben.
Einer von Anna Drurys Lieblingsplätzen in Bremen: Der Osterdeich

Heimat fühlt sich für beide dennoch anders an. "Ich kann hier nicht wählen und mitentscheiden", sagt Drury. Das mache einen Unterschied. Und für Letonja spielen die Wurzeln die größte Rolle, die für ihn nach wie vor in Slowenien sind. Trotzdem lassen sich beide jeden Tag ein Stück mehr auf Bremen ein und können genau benennen, was sie an unserer Stadt lieben. "Man kann überall radeln, die Autos sind sogar dran gewöhnt, dass man auf der Straße fährt", schwärmt Drury. In ihrer vorherigen Station London sei das sehr anders gewesen. Und vor allem liebe sie die Weser, den Osterdeich und den Werdersee.

Auch Letonja braucht Wasser, hat oft in Städten gewirkt, die am Meer liegen. An Bremen aber beeindruckt ihn am meisten die Stille. "Ich kann morgens um zehn über den Marktplatz laufen und einen Geiger oder Klarinettisten hören, der ganz woanders spielt." Und noch etwas anderes liebt er an Bremen: "Ich bin ein Fan vom Wetter in Bremen. Regen, Nebel, fünf Grad – perfekt. Das ist mein Wetter."

  • Alexa von Busse

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 7. September 2018, 23:30 Uhr