Interview

Urlaub in Bremerhaven wird teurer: "Wir brauchen das Geld"

Viele Hotels haben die Preise erhöht, wie der Vorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes in Bremerhaven sagt. Es gehe um Schadensbegrenzung.

Menschen gehen eine Promenade entlang. Im Hintergrund sind drei Gebäude zu sehen.
Die Übernachtungszahlen in Bremerhaven steigen langsam, die Preise auch. Bild: Imago | Eckhard Stengel

Piet Rothe ist Bremerhavener Chef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) und selbst Hotelier in der Stadt. Im Interview erzählt er, wie die Branche gerade kämpft.

Herr Rothe, wie geht es Ihrer Branche in diesen Tagen?
Das ist für uns eine schwere und ungewohnte Zeit. Wir müssen uns natürlich auch an die neue Situation gewöhnen. Wir müssen uns alle umstellen. Es ist nicht wirklich schön, aber wir sind froh, dass wir wieder anfangen dürfen.
Piet Rothe
Piet Rothe betreibt selbst ein Hotel in Bremerhaven. Bild: Radio Bremen | Boris Hellmers
An der Küste ist im Moment viel los, die Deutschen entdecken ihr Land wieder als Tourismusziel. Wie ist es in Bremerhaven? Wird Ihnen die Bude eingerannt?
Noch nicht so ganz. Die Zahlen sind schon ganz gut, das kann man sagen, aber man muss natürlich auch sehen, dass wir keine Reservierungen mehr in den Systemen hatten und jetzt quasi bei Null wieder anfangen. Das heißt, wir haben viel Arbeit, aber die Realität ist dann noch ein bisschen anders. Bei den Zahlen vom Vorjahr sind wir noch lange nicht.
Es klingt so, als könnten Sie die Verluste, die Sie aufgrund des Lockdowns in der Corona-Zeit gemacht haben, nicht wieder ausgleichen?
Nein. Das ist nicht möglich. Dieses Jahr geht es tatsächlich um Schadensbegrenzung.
Wie sieht es denn mit den Preisen aus? Wenn jetzt alle in Deutschland Urlaub machen, würde ich, wenn ich ein Hotel hätte, die Preise hochschrauben.
Das würde ich auch so machen. Das dürfte tatsächlich in vielen Fällen so sein. Das hat aber natürlich auch damit zu tun, dass wir über Monate keine Einnahmen hatten und jetzt die Anforderungen erhöht sind. Das heißt, der Aufwand ist ein viel höherer. Wir können den Frühstücksraum nicht so voll belegen, das heißt, wir müssen längere Frühstückszeiten anbieten. Auch bei der Reinigung ist der Aufwand höher. Und die Produkte sind zum Teil auch teurer geworden, was wir auch weitergeben müssen.
Das klingt so, als ob Sie die Mehrwertsteuersenkung auch nicht an die Gäste weitergeben. Hilft sie Ihnen denn?
Das stimmt. In unserem Fall und auch in vielen anderen Fällen wird die Mehrwertsteuersenkung nicht weitergegeben. Das hat natürlich damit zu tun, dass wir den Lockdown hatten und das Geld brauchen. Ich bin der Meinung, es ist schon eine gute Maßnahme. Aus meiner Sicht sind Steuersenkungen grundsätzlich immer ein einfacherer Weg, Unternehmen Liquidität zu geben, als über andere Wege.
Die Bundeschefin des Hotel- und Gaststättenverbandes hat in einem Artikel in diesen Tagen Alarm geschlagen: Sie befürchtet, dass jedes dritte Unternehmen der Branche wegen Corona Pleite gehen könnte – trotz des Booms in diesem Sommer. Was glauben Sie, ist da was dran?
Das ist sicherlich eine realistische Einschätzung. Es spielen natürlich viele Faktoren eine Rolle. Es ist auch manchmal altersbedingt. Und wenn dann natürlich so eine Corona-Situation, so ein Lockdown, dazukommt, dann ist das manchmal einfach das Quäntchen zu viel. Die Wahrscheinlichkeit besteht schon, dass viele Betriebe schließen müssen.
Kann man das auch auf Bremerhaven herunterbrechen? Wie ist vor Ort die Lage?
Also ich hoffe nicht, dass es so schlimm ist. Es hängt eben auch davon ab, wie es weiter geht. Das wissen wir alle nicht und wir hoffen, dass es sich positiv entwickelt und wir bis zum Ende des Jahres zumindest den Schaden begrenzen können und dann im nächsten Jahr alle wieder mehr oder weniger normal weiter machen können.
Die Corona-Zahlen steigen aktuell wieder. Viele fragen sich, ob ein zweiter Lockdown kommt. Wie sehr bewegt Sie das?
Das bewegt uns sehr. Das ist natürlich ein großer Unsicherheitsfaktor. Wir wissen alle nicht, wie es sich weiter entwickelt. Da haben wir alle sicherlich große Sorge. Ich denke, ein zweiter Lockdown würde die Wirtschaft und gerade unsere Branche extrem schwer treffen.
Wie ist denn die Lage vor Ort? Verhalten sich auch die Gäste entsprechend?
Ja, man muss sagen, es gibt natürlich auch immer Ausnahmen, aber die breite Masse hat schon Verständnis dafür.
Trotzdem hat ja der Landrat von Cuxhaven damit gedroht, eine Maskenpflicht zu verhängen, weil die Touristen zu sorglos sind. Können Sie das in Bremerhaven auch beobachten?
Wenn etwas ein Stück weit normal wird, dann wird man vielleicht auch ein bisschen lockerer. Und dann sieht man es vielleicht nicht mehr so eng. Die Gefahr schwingt natürlich immer ein bisschen mit, aber da sind wir natürlich in den Betrieben auch in der Verantwortung, Gäste immer wieder darauf hinzuweisen, auch wenn der Gast das dann vielleicht nicht so schön findet. Was ich hier so in Bremerhaven sehe, halten sich die meisten daran. Aber klar, es gibt immer auch mal wieder Grüppchen, die es ignorieren.
Soforthilfen, Mehrwertsteuersenkung – was wünschen Sie sich noch von der Politik?
Das ist eine gute Frage. Aus meiner Sicht sind ja immer Steuersenkungen oder auch Bürokratieabbau das Einfachste, weil wir Unternehmer arbeiten wollen, wir wollen eigentlich auch keine Geschenke haben, wir wollen einfach das tun, wo wir Lust zu haben und damit möglichst Geld verdienen. Da ist es immer am elegantesten, wenn die Abgaben möglichst nicht so hoch sind.

Rückblick: Neustart der Kreuzfahrten führt zu Streit in Bremerhaven

Video vom 28. Juli 2020
Kreuzfahrtschiffe im Hafen
Bild: Imago | Arnulf Hettrich

Das Interview führte Katharina Guleikoff für Bremen Eins. Aufgeschrieben von Sonja Harbers.

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Autoren

  • Katharina Guleikoff
  • Sonja Harbers

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Sonntag aus dem Studio Bremerhaven, 2. August 2020, 12:40 Uhr