Bremer Sprachassistent bringt Manieren bei

"Alexa, sag wie das Wetter wird". Mit Kommandos kommt man bei "Eliza" nicht weit. Der fiktive Sprachassistent der Universität Bremen reagiert nur, wenn man nett ist.

Ein Finger bedient einen Sprachassistenten
Einmal angestellt und los: Alexa, Siri und Co. machen das Zuhause zum "Smart Home".

Auf Kommando erfüllen Alexa, Cortana und Siri in vielen Haushalten mittlerweile fast jeden Wunsch – so sind Sprachassistenten programmiert. Ihre Aufträge erhalten sie oft im Befehlston. Würde man vergleichsweise ruppig mit seinem menschlichen Umfeld umgehen – man würde sich keine Freunde damit machen. Ein Team der Universität Bremen hat deswegen ein Experiment durchgeführt: Wie reagieren Nutzer, wenn ein Sprachassistent die Anfragen nicht mehr ausführt, wenn die zu unhöflich formuliert sind?

"Eliza" – das Experiment

Die Studenten des Studiengangs Digitale Medien haben für ihr Experiment so getan, als kommunizierten die 20 Testpersonen mit einem echten Sprachassistenten. Tatsächlich wurden die Antworten im Hintergrund von ihnen selbst eingegeben. Anfragen an "Eliza" mussten stets mit "Bitte" und "Danke" oder im Konjunktiv formuliert sein, um von ihr erfolgreich bearbeitet zu werden. Statt des Befehls "Sag mir, wie das Wetter wird" wurde um eine freundliche Variante gebeten – wie etwa "Würdest Du mir bitte sagen, wie das Wetter wird?". Fehlten diese "Zauberwörter" oder wurden die Anfragen gar mit ironischem oder aggressivem Unterton gestellt, blieb "Eliza" untätig und verweigerte ihren Dienst.

Höflichkeit: Mal Lust, mal Frust

Dass nicht nur Menschen, sondern nun sogar ein Gerät scheinbar Höflichkeit einfordert, konnten nicht alle Testpersonen ohne weiteres akzeptieren. Abgebrochen hat das Experiment trotzdem keiner der 20 Probanden. Bei 58 Prozent der Teilnehmer hatte "Eliza" eindeutig Erfolg mit ihrem Erziehungsauftrag: Sie reagierten prompt auf die Aufforderung, sich auf ihre Benimmregeln einzulassen. Beharrliche Unfreundlichkeit mündete stattdessen in Frustration.

Manche haben das sofort akzeptiert und von da an nur noch höflich gefragt. Andere hatten mehr daran zu knabbern und haben es immer wieder unhöflich versucht. Und wurden dann auch frustriert. Das ging in einem Extremfall soweit, dass ein Proband dann aggressives Verhalten gezeigt hat und den Sprachassistenten bedroht und beleidigt hat.

Michael Bonfert, Universität Bremen

Sprachassistenten fördern ruppigen Ton

Das Experiment hatte einen ernsten Hintergrund: Michael Bonfert von der Uni Bremen befürchtet, dass unser vermehrter Umgang mit Sprachassistenten langfristig auf unsere zwischenmenschliche Kommunikation abfärben wird. Dabei hat er insbesondere Kinder im Blick.

Es wurde immer wieder bei Kindern beobachtet, dass sie mit Sprachassistenten gerne mal unhöflich umspringen – weil es funktioniert. Die kann man kommandieren. Und das Verhalten wurde dann (von den Kindern) übertragen auf den Alltag: Dass man dann eben auch Mama sagt, was sie tun soll, ohne dabei höflich zu sein.

Michael Bonfert, Universität Bremen

Sind höfliche Sprachassistenten zukunftsfähig?

"Eliza" war nur ein fiktiver Sprachassistent mit guten Manieren. Lassen sich Alexa, Cortana und Siri auch in den Benimm-Modus schalten? Das liegt ganz in der Hand der Hersteller. Bestrebungen in diese Richtung gibt es.

Beispielsweise wird das für den "Google Assistant" gerade ausgerollt, dass es einen sogenannten "pretty please"-Modus gibt, bei dem man zwar nicht darum gebeten wird, höflich zu sein. Aber wenn man mal höflich ist, dann bedankt sich der Assistent dafür.

Michael Bonfert, Universität Bremen

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  • Sophie Labitzke

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 21. Dezember 2018, 17:47 Uhr