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Das Märchen vom Kutter: Fisch kommt per Container nach Bremerhaven

Wer in Bremerhaven nach bärtigen Fischern auf kleinen Kuttern sucht, wird enttäuscht. Der meiste Fisch kommt heute per Container in die Seestadt.

Ein Mitarbeiter kontrolliert Fischstäbchen an einem Fließband in Bremerhaven.
Pro Tag werden in Bremerhaven sieben Millionen Fischstäbchen produziert. Bild: DPA | Ingo Wagner

Bremerhaven gehört immer noch zu den größten Standorten in Deutschland, an denen Fisch verarbeitet wird. Allerdings gibt es nur noch ein einziges Unternehmen, das den Fisch selbst fängt.

Ein Mann steht mit verschränkten Armen vor einem großen Schiff.
Uwe Richter ist Geschäftsführer der Doggerbank Seefischerei GmbH. Bild: Radio Bremen | Dirk Bliedtner
Warum gibt es nur noch ein Hochseefischerei-Unternehmen?
Die Doggerbank-Fischerei ist das einzige verbliebene Hochseefischerei-Unternehmen in Bremerhaven. Ein Großteil der Ware geht an den Lebensmittelhersteller Deutsche See, der in der Stadt auch produziert. Doggerbank ist ebenso wie Deutsche See in niederländischer Hand – beide gehören dem Konzern Parlevliet & Van der Plas. Grund für den Wandel in der Branche ist laut der Bremerhavener Fischereihafen-Betriebsgesellschaft vor allem, dass durch die seerechtliche Entwicklung die Küstenstaaten ihre Fischerei- und Wirtschaftszonen nach dem Zweiten Weltkrieg immer mehr ausdehnen konnten und den Bremerhavenern dadurch weniger Gebiete für die Fischerei zur Verfügung stehen. Als Beispiel nennt die Gesellschaft Island – früher eines der wichtigsten Reviere für die Bremerhavener. Doch Island weitete seine Fischereizone nach und nach aus – 1995 schließlich auf 200 Seemeilen.
Wie viel Fisch wird in Bremerhaven verarbeitet?
In den Betrieben in Bremerhaven werden pro Jahr 200.000 Tonnen Fisch verarbeitet, unter anderem von Nordsee, Iglo und Frosta. Pro Tag werden zum Beispiel sieben Millionen Fischstäbchen produziert. 60 Betriebe im Bremerhavener Fischereihafen sind in der Fisch- und Lebensmittelbranche tätig – das macht inklusive Logistik und Lagerung zusammen 4.000 Mitarbeiter. Doch vormachen muss man sich nichts: Der meiste Fisch kommt heute per Container zu den fischverarbeitenden Betrieben – ob per Lkw, Zug oder mit dem Schiff. Frischfisch kommt laut Fischereihafen-Betriebsgesellschaft zu fast 90 Prozent mit Containern aus Island, weitere Lieferungen stammen von den Färöer-Inseln und aus Großbritannien.
Grafik: Das Fisch-Geschäft in Bremerhaven in Zahlen. Quelle: B r emerh a v ener Gesellschaft für In v estitionsfö r derung und Stadtentwicklung Stand: 2020 200.000 T onnen Fisch p r o Jahr 60 Betriebe täglich in der Fisch- und Lebensmittelb r anche tätig 4.000 Mitarbeiter inklusi v e Lagerung und Logistik 7 Millionen Fischstäbchen p r o T ag
Bild: Radio Bremen
Wie viele Schiffe sind noch unterwegs?
Deutschlandweit gibt es nur noch zwölf Hochsee-Fangschiffe. Gefischt wird in europäischen Gewässern wie der Nordsee, in der irischen See und westlich von England – Hering, Blauer Wittling, Holzmakrele und Makrele. Aber auch bis vor die afrikanische Küste kann die Fangfahrt führen. Bis zu 5.000 Tonnen Fisch passen in die Lagerräume eines Schiffes hinein. Der Fang wird an Bord verarbeitet und tiefgefroren. Bis zu anderthalb Monate ist so ein 125 Meter langes und 20 Meter breites Schiff auf Fangreise. Die Abfahrthäfen der Schiffe sind meist Cuxhaven oder Bremerhaven.

Das sind natürlich andere Dimensionen, die wir hier haben. Die Fangtechnik hat sich weiterentwickelt. Die Netze sind etwas größer und robuster. Das spart Umrüstzeit und macht die Fischerei effizienter.

Uwe Richter, Geschäftsführer der Doggerbank Seefischerei GmbH
Fischen die großen Schiffe die Meere leer?
Die Schiffe seien nur so groß, um länger auf See bleiben zu können und so Kosten zu sparen, sagt Uwe Richter, Geschäftsführer von Doggerbank. Durch festgelegte Fangquoten bewege sich die Fischerei in ganz engen Grenzen. Die Kontrollen durch die Behörden seien in den vergangenen Jahren deutlich verschärft worden. Laut Alexander Kempf vom Thünen-Institut für Fischereiökologie in Bremerhaven hat sich durch die Fangquoten die Situation in einigen Gebieten verbessert, wie etwa im Nordatlantik, aber das ist noch nicht in allen Gebieten so.

Rückblick: Die Geschichte der Hochseefischerei in Bremerhaven

Video vom 12. April 2017
Fischermann auf einem Fischerboot mit Fischernetz
Bild: Radio Bremen

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Autoren

  • Sonja Harbers Autorin
  • Dirk Bliedtner

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 28. Februar 2020, 10:40 Uhr