Bremer erinnern mit 35.000 Teelichtern an gestorbene Geflüchtete

Sie kamen aus Serbien, Syrien, Somalia und fanden auf dem Weg zu uns den Tod. Bremerinnen und Bremer haben mit einer Mahnwache auf der Bürgerweide an sie erinnert.

Auf der Bürgerweide stehen Kerzen, die an gestorbene Geflüchtete erinnern.
Bremerinnen und Bremer haben auf der Bürgerweide am Samstag an Menschen erinnert, die auf ihrer Flucht nach Deutschland gestorben sind. Bild: Radio Bremen | Saskia Lohmann

Kurz vor Weihnachten ist der Bremer Informatikstudent Momo in der Stadtbibliothek, wo er nebenher jobbt, auf ein Buch gestoßen. "Das war im Grunde eine Liste von 35.000 Geflüchteten, die auf ihrem Weg nach Europa oder teils auch direkt nach ihrer Ankunft hier gestorben sind. Versehen teilweise mit Namen, mit dem Todesdatum, falls bekannt der Todesursache sowie der Quelle, die das belegt."

Auf der Bürgerweide stehen Kerzen auf dem Boden vor einer Halle. Im Hintergrund stehen Menschen.
Der Organisator der Mahnwache ist durch eine 337-seitige Auflistung von Menschen, die auf dem Weg nach Europa gestorben sind, auf die Idee zu der Aktion gekommen. Bild: Radio Bremen | Madita Thomas

Das Buch heißt "Todesursache: Flucht – Eine unvollständige Liste". Und ist eben dies. Eine 337-seitige Auflistung von Menschen, deren Traum von einem sicheren Leben in Europa nicht in Erfüllung ging. Innerhalb von 25 Jahren gestorben – in der Oder, im Mittelmeer oder auf der Balkantroute, in provisorischen Camps, in Lastwagen oder an Grenzzäunen. Alles mit Quellen belegte Fälle bis zum Jahr 2018. Zahllose nicht belegte Todesfälle muss man noch dazurechnen. Und tausende weitere, die seither noch dazugekommen sind. Die Auflistung hat Momo aufgerüttelt.

Ich hatte zwar eine grobe Vorstellung davon und man hört darüber ja immer wieder. Aber das war eben nie so konkret.

Momo, Organisator der Mahnwache

Natürlich habe der 33-Jährige von solchen Schicksalen gewusst, "aber nie so konkret". Und das brachte ihn schnell zum Entschluss, noch einmal dieser Menschen ganz individuell zu gedenken.

Ich wollte sie gerne nochmal einzeln sichtbar machen.

Momo, Organisator der Mahnwache
Tausende Teelichter im Kofferraum eines Kombis.
Für 900 Euro hat die Gruppe im Vorfeld 30.000 Teelichter besorgt, um auf der Bürgerweide die Mahnwache abzuhalten. Bild: Momo

Diese persönlichen Schicksale zu "konkretisieren" ist das Ziel der Mahnwache, die am Samstag auf der Bürgerweide stattfand. Momo hat über die Telegram-Gruppe "Teelichter" innerhalb eines Monats rund 130 Menschen aktiviert, die heute der Toten gedenken wollen. Dafür wurden für 900 Euro aus privaten Spenden Teelichter gekauft. 3.000 weitere stellt ein Beerdigungsinstitut zur Verfügung. Das ist die Basis, um möglichst 35.000 Kerzen zu entzünden.

Bremerhavener Fotografen sammeln erschütternde Eindrücke auf Samos

Video vom 14. November 2020
Ein Flüchtlingslager auf Samos.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version des Artikels war fälschlicherweise vom Bürgerpark als Veranstaltungsort die Rede.

Autorin

  • Eva Linke Redakteurin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 25. Januar 2021, 23:30 Uhr