Ehemaliger Bremer Vulkan-Chef Hennemann gestorben

Friedrich Hennemann ist im Alter von 84 Jahren gestorben. Bis zum Herbst 1995 führte er den Bremer Vulkan.

Video vom 30. Juli 2020
Archivbild: Friedrich Hennemann im Interview.
Bild: Radio Bremen

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Bremer Vulkan ist tot. Friedrich Hennemann starb im Alter von 84 Jahren bereits am Dienstag, den 28. Juli. Das bestätigte das Innenressort buten un binnen.

Der am 17. April 1936 in Worpswede geborene Hennemann war vor seiner Tätigkeit in der Vulkan-Vorstandsetage 14 Jahre lang Staatsrat in verschiedenen Ressorts des Senats.

Im März 1987 wurde das SPD-Mitglied Vorstandsmitglied des Vulkan, im November dann Vorstandsvorsitzender. Im Herbst 1995 musste er den Vorstand verlassen, nachdem der Konzern in Liquiditätsprobleme geraten war. Als der Vulkan am 1. Mai 1996 Konkurs anmelden musste, war Hennemann nicht mehr dabei.

Konzernchef wurde schnell zum Buhmann

Am Anfang stehen 300 Millionen D-Mark. Das ist der Betrag, den die Bremer Vulkan Verbund AG im September 1995 als Überbrückungskredit benötigt. Es ist der Anfang vom Ende der einstigen Bremer Traditionswerft und der Wendepunkt im Leben von Konzernlenker Friedrich Hennemann. Von da an war er nicht mehr der teilweise geachtete, teilweise bewunderte, teilweise angefeindete, in jedem Fall aber mächtige Chef eines Weltkonzerns. Ziemlich schnell wurde er zum Buhmann, Untersuchungshäftling, Gescheiterten. Und zum Suchenden, wie er selbst sagte.

Ich könnte leichter leben, wenn mir jemand seriös nachweisen würde, dass ich einen ernsthaften Fehler gemacht habe. Einen Fehler, der so wesentlich war, dass er zum Untergang beigetragen hat. Den suche ich. Wirklich.

Ehemaliger Vorstandsvorsitzende des Bremer Vulkan, Friedrich Hennemann

Die Gerichte bis zum Bundesgerichtshof suchten hingegen 850 Millionen Mark. Die hatte der Vulkan als Mitgift für die Übernahme der ehemaligen DDR-Werfen in Rostock, Wismar und Stralsund erhalten. Und sie waren im "Cash-Management" des Konzerns in Bremen versackt.

Dann hat er von dem Geld auch hier im Westen investiert. Aber immer die Hoffnung gehabt, dass er es wieder hat, wenn es im Osten gebraucht wird. Das war der Fehler, den unser Hennemann gemacht hat.

Ehemaliger stellvertretender Betriebsratschef des Bremer Vulkan, Hasso Kulla

Das Verfahren brachte Hennemann für sechs Wochen in U-Haft. Am Ende wurde es eingestellt.

Die ehemalige Chefin der Treuhandanstalt, Birgit Breuel, hatte auch mit der juristischen Seite des Falls zu tun – immerhin verklagte die Treuhand Hennemann und einige seiner Vorstandskollegen. Im Zentrum aber stand für sie die politische Dimension dieser bis dahin größten Nachkriegspleite Deutschlands.

Das macht zornig, wütend, verzweifelt. Da ist mehr als der Vulkan kaputtgegangen. An dem Thema ist das ganze Thema West-Ost wieder hochgekocht.

Birgit Breuel, Ehemalige Chefin der Treuhandanstalt

Für den Arbeitersohn, Apotheker, promovierten Wirtschaftswissenschaftler und überzeugten Sozialdemokraten begann ein Spießrutenlauf. Auch innerhalb seiner Partei. Sein Intimfeind – der damalige Regierungschef Henning Scherf – kanzelte Hennemann auf einem Landesparteitag brutal ab.

Die SPD ist kein Rechtfertigungsforum für gescheiterte Vorstandsvorsitzende. Wir brauchen Deinen Rat nicht, Friedrich. Wir drücken uns nicht. Wir arbeiten rund um die Uhr, ohne Millionen dafür zu kassieren.

Ehemaliger Bremer Bürgermeister, Henning Scherf (SPD)

Hennemann sollte retten, was zu retten war

An die Spitze des Konzerns war Hennemann acht Jahre zuvor auf Wunsch seines damaligen Arbeitgebers – des Senats – gerückt. Er war Staatsrat – also Staatssekretär – im Wirtschaftsressort. Der Vulkan geriet in eine massive Krise, Hennemann sollte retten, was zu retten war. Und er rettete. Nicht etwa im Spargang, sondern mit einer Vision und einer aggressiven Expansionsstrategie.

Das Jahrhundert der Raumfahrt ist vorbei. Wir stehen vor dem Jahrhundert der Ozeane. Da liegen die Schätze, die wir brauchen. Nicht im All. 

Ehemaliger Vorstandsvorsitzende des Bremer Vulkan, Friedrich Hennemann

Er kaufte Firma um Firma zu, diversifizierte den Vulkan, machte aus der Werft einen Firmenverbund von Handel über Maschinenbau bis hin zu Elektronik. 1995 machte der Schiffbau nur noch ein Drittel des Umsatzes aus. Doch auf der Ertragsseite blieb es mau. Kurz nach Bekanntwerden des 300-Millionen-Lochs wurde Hennemann im Aufsichtsrat zum Rücktritt gedrängt. Bis der Nachfolger antrat, verging ein quälendes halbes Jahr. Der neue kam, meldete Vergleich und ausgerechnet am 1. Mai 1996 Konkurs an und ging wieder von Bord.

An ihn – Udo Wagner – erinnert sich in Bremen kaum noch jemand. Friedrich Hennemann blieb bis zu seinem Tod der Mann, der den Vulkan zunächst rettete – und dann versenkte.

Autor

  • Karl-Henry Lahmann

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 30. Juli 2020, 19:30 Uhr