Fragen & Antworten

DLRG in Bremen rechnet wegen Corona mit mehr Badetoten

Urlaub in der Ferne fällt aus, ins Freibad kommt man nur mit Termin: Die Lebensretter erwarten einen Ansturm auf Badeseen – und damit auch mehr Unfälle. So sollte man sich verhalten.

Ein Mitarbeiter der DLRG steht an einem See, im Hintergrund schwimmen mehrere Badegäste im See.
Die Bremer DLRG rechnet in diesem Sommer mit deutlich mehr Einsätzen. Bild: Radio Bremen

An den Seen in Bremen und im Umland wird es in diesem Sommer voll. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) rechnet nicht nur mit mehr Einsätzen, sondern muss wegen Corona auch ihre Arbeit neu strukturieren – das betrifft sogar die lebensrettenden Maßnahmen.

Warum rechnet die DLRG mit mehr Badetoten als sonst?
Viele Bremer und Bremerhavener werden ihren Urlaub wegen der Corona-Krise zu Hause verbringen, als Ersatz werden wohl viele ihre Zeit an den Badeseen verbringen, sagt Philipp Postulka, Vorstandsmitglied des Bremer Landesverbandes der DLRG. Bei mehr Badegästen sei auch mit mehr Unfällen zu rechnen. Hinzu kommt, dass in den vergangenen Wochen kein Schwimmunterricht möglich war. Schon vor Corona konnte jeder zweite Drittklässler nicht richtig schwimmen. Zudem befürchtet die DLRG, dass sich viele ein ruhiges Plätzchen an einem unbewachten Abschnitt suchen, um Abstand zu den anderen Badegästen zu halten.

Mehr Leute bedeuten für uns auch immer mehr Einsätze und mehr Unfälle. Das geht beim Pflaster los, kann aber auch beim Ertrinkungsunfall enden.

Philipp Postulka, Vorstandsmitglied des Bremer Landesverbandes der DLRG
Wo kann man am sichersten baden?
Ungeübten Schwimmern rät die DLRG davon ab, in Badeseen zu baden. Sie sollten sich lieber im Freibad aufhalten. Und auch geübte Schwimmer sollten nur bewachte Seen aufsuchen, sagt Philipp Postulka. Zu den bewachten Seen zählen unter anderem der Werdersee, der Stadtwaldsee und der Sportparksee Grambke in Bremen sowie in der Nähe von Bremerhaven der Stoteler See und der Silbersee in der Gemeinde Schiffdorf. Vom Baden in der Weser rät die DLRG grundsätzlich ab. Nicht nur die Strömungen, auch der Schiffsverkehr seien besonders gefährlich – auch für geübte Schwimmer.
Was ist die größte Gefahr in Badeseen?
Unterschätzt werden laut Philipp Postulka die Abbruchkanten in Baggerseen. Nach etwa zehn bis fünfzehn Metern wechsle die Wassertiefe plötzlich von rund anderthalb Metern auf drei oder vier Meter. Viele Seen in Bremen und im Bremerhavener Umland haben diese Abbruchkanten, wie etwa der Waller Feldmarksee, der Sportparksee Grambke, der Bultensee und der Achterdieksee. Es handle sich um künstliche Seen, die beim Bau von Autobahnen entstanden sind. "Die Abbruchkanten sind auf jeden Fall gefährlich. Da muss man gut schwimmen können", sagt der Rettungsschwimmer. Und auch geübte Schwimmer sollten sich im Klaren darüber sein, dass sie beim Durchqueren des Sees unterwegs keine Pause machen können. Viele Schwimmer würden hier ihre Kondition überschätzen, so der Lebensretter.

Wenn man einen Schritt zu viel macht, ist plötzlich der Grund unter einem weg.

Philipp Postulka, Vorstandsmitglied des Bremer Landesverbandes der DLRG
Wie schützt sich die DLRG bei ihrer Arbeit vor Corona?
Die Wachbesatzungen hält die DLRG möglichst klein. Alle Retter werden mit Masken ausgestattet. "Sollte ein Patientenkontakt mit Coronafällen oder Corona-Verdachtsfällen bestehen, dann gibt es zusätzlich höher klassifizierte Masken für die Einsatzkräfte", so der DLRG-Sprecher. Für den Ernstfall gilt: Reanimationen werden anders durchgeführt als sonst. Es wird keine klassische Mund-zu-Mund-Beatmung geben. Hier werden Hilfsmittel wie Beatmungsbeutel mit Sauerstoff eingesetzt. Sollten Hilfsmittel im Ernstfall nicht vor Ort sein, sind die Retter angewiesen, die Atemwege der Patienten mit einem Tuch zu bedecken, so Postulka.

Rückblick: "Eltern müssen ihren Kindern das Schwimmen wieder beibringen"

Video vom 6. Juli 2019
Martin Reincke vom DRLG mit dem roten DRLG-T-Shirt zu Gast im Studio.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Sonja Harbers Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Bremen Vier läuft, 22. Juni 2020, 16:45 Uhr

Archivinhalt