Interview

Smartphones und Tablets: Warum Schulungen für Senioren wichtig sind

Der Bremer Verein Ambulante Versorgungsbrücken hilft Senioren, digitale Geräte zu bedienen – zum Beispiel im Café-WLAN. Die Nachfrage ist riesig, Altersgrenzen gibt es keine.

Zwei Frauen beschäftigen sich in einem Computerkurs mit theoretschen und praktischen Fragen der Handybedienung. (Symbolbild)
Was für Junge kein Problem ist, stellt viele Ältere vor Herausforderungen: Der Bremer Verein Ambulante Versorgungsbrücken will digitale Teilhabe im Alter ermöglichen. Bild: DPA | Markus Scholz

Was ist eine App und woher bekomme ich sie? Wie nehme ich auf einem Smartphone einen Anruf entgegen? Telefon, Zeitung oder Straßenkarten sind nur drei Beispiele einer einst analogen Welt, die längst ins Digitale gerückt ist. Für viele Bremer ist die Bedienung digitaler Geräte selbstverständlich. Andere, insbesondere Menschen der Generation 60 Plus, haben damit oft deutlich weniger Berührungspunkte, aber umso mehr Fragen, wenn es um das sichere Bedienen von Geräten, wie Tablets oder Smartphones geht. Das bestätigt auch der Bremer Verein Ambulante Versorgungsbrücken, der ab sofort Digital-Kompass-Standort ist und neben Gesundheitsfragen auch die digitale Teilhabe älterer Menschen in Bremen und Bremerhaven stärken möchte. Die Vorständin des Vereins und Pflegewissenschaftlerin Ricarda Möller erklärt, mit welchen Problemen die Senioren zu kämpfen haben und welche Aha-Momente sie immer wieder erlebt.

Wer besucht die Tablet- und Smartphone-Schulungen?
Wir sitzen in der Humboldtstraße und haben deswegen viele Menschen aus der direkten Nachbarschaft, also aus dem Viertel oder der Bahnhofsvorstadt in den Schulungen. Das Angebot richtet sich aber an Menschen aus allen Stadtteilen, teilweise kommen wir aber auch zu den Menschen. Vom Alter sprechen wir Menschen ab Ende 50 an und nach oben gibt es keine Altersgrenze. Letztens waren wir für eine Schulung im Diako, die jüngste Teilnehmerin war hier 83 Jahre alt.
Welche Fragen werden in den Schulungen beantwortet?
Das ist ganz unterschiedlich und vielfältig. Es geht zum Beispiel um den grundsätzlichen Unterschied zwischen einem Smartphone und einem Tablet. Dann besprechen wir, welche Tasten überhaupt noch an den Geräten vorhanden sind, wie ein Touchscreen funktioniert, was das Internet leistet oder warum WLAN und mobile Daten nicht das Gleiche sind. Es geht aber auch um ganz praktische Fragen, wie man einen Anruf entgegen nimmt: Muss man tippen, klopfen oder wischen? All diese Kompetenzen vermitteln wir.
Wie hoch ist Ihrer Einschätzung nach der Bedarf solcher Angebote in Bremen?
Die Nachfrage ist sehr hoch. Mit dem "Café WLAN" bieten wir jeden Freitag eine Art offene Sprechstunde an, die wegen der Corona-Bestimmungen momentan leider nur mit Anmeldung und begrenzt laufen kann. Bis Ende September sind wir hier schon jetzt ausgebucht. Viele Menschen bekommen digitale Geräte von ihren Kindern geschenkt, die dann aber vielleicht nicht in der Nähe wohnen oder keine Zeit haben, ihren Eltern die Funktionen zu erklären. Hinzu kommt, dass man sich manche Dinge vielleicht auch einfach nicht von den eigenen Kinder zeigen lassen will.
Wer führt die Schulungen denn durch?
Das übernehmen ehrenamtliche Digitalassistenten. Momentan übernehmen relativ wenige Leute ziemlich viel Arbeit, wir suchen also dringend Verstärkung.
Welches Wissen muss man denn als Digitalassistent mitbringen?
Das wichtigste ist ein Interesse, mit älteren Menschen zu arbeiten. Man sollte Geduld haben und muss damit rechnen, dass manche Fragen auch drei oder vier Mal gestellt werden. Alle technischen Informationen können wir in Schulungen und Vorbereitungskursen an die Ehrenamtler vorab vermitteln.
Ab sofort ist der Verein Digitale Versorgungsbrücken auch Teil des bundesweiten Netzwerkes Digital-Kompass. Welchen Stellenwert hat das für Ihre Arbeit?
Das ist sehr wichtig. Der Austausch mit anderen Standorte in Deutschland führt dazu, dass wir den Menschen und Bremen und Bremerhaven noch gezielter helfen können. Wir bekommen professionelle Unterstützung und diverse Materialien, die wir in unserer Arbeit nutzen können. Ab Oktober bieten wir eine kostenlose Telefonhotline für konkrete Probleme an einem technischen Gerät an, sozusagen als "Erste Hilfe" am Telefon. Am schönsten sind aber natürlich die Eins-zu-Eins-Schulungen.
Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei der Arbeit mit den Senioren?
Manchmal gibt es Probleme mit der Haptik: Wann muss man auf das Gerät klopfen, wann tippen, wann darüber ziehen? Aber das kann man gut erlernen. Für viele ist es, als ob sie eine neue Sprache lernen. Ohne diese Teilhabe, fehlt ihnen der Zugang zu einer ganz anderen Welt.Tatsächlich begegnen uns auch viele Ängste der Senioren, das sind dann Fragen wie: Was gebe ich da alles preis? Ist das in Ordnung? Was passiert mit meinen Daten und nach meinem Tod?
An welche Aha-Momente erinnern Sie sich?
Ich erinnere mich zum Beispiel an eine ältere Frau, die durch unsere Schulung erfahren hat, dass sie ihre Zeitung komplett digital auf dem Tablet lesen kann. Das war eine wunderbare Information für sie, denn so muss sie nun nicht mehr den schweren Papiermüll die Treppen zu den Mülltonnen herunterschleppen.

So machen sich Senioren fit fürs Internet

Video vom 25. Januar 2020
Eine ältere Frau benutzt auf ihrem Smarphone einen Fotofilter, sodass sie eine Sonnenbrille trägt.
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Angela Weiß

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 3. September 2020, 23:30 Uhr