Pale Ale, Porter, Stout? Kreativbiere einfach erklärt!

An schönen Tagen darf es mal etwas anderes sein als das Übliche aus dem Supermarkt. Unser Autor und Bier-Enthusiast Arne Helms lotst Sie durch den Bier-Dschungel, erklärt die gängigsten Stile und weiß, wer in Bremen kreativ braut.

Die Erfolgsgeschichte der Union Brauerei

Ein Bier wird eingeschenkt

Der Klassiker: Pilsener

Ein kaltgehopftes Pilsener in einem Bierglas
Das Pilsener bekommt durch Kalthopfung einen neuen Anstrich. Der Alkoholgehalt liegt zwischen 4,5 und 5 Prozent.

Beck’s, Krombacher, Veltins – die ähnlich schmeckenden Pils-Sorten aus dem Supermarkt kennt jeder. Kreative Brauer zeigen aber immer wieder, dass des Deutschen liebste Biersorte viel mehr kann. Kaltgehopft oder mit besonderen Zutaten gebraut macht der süffig-herbe und erfrischende Klassiker wieder Spaß. Vor allem Brauer aus dem Ausland schätzen den Stil und verpassen ihm einen neuen Anstrich.

Für den gewohnten Pils-Trinker sind fruchtig gehopfte Pilsener ein guter Einstieg in die Welt der kreativen Biere.

Arnes Fazit zum Pilsener

Der Dauerbrenner: India Pale Ale

Ein India Pale Ale in einem Bierglas
Fast jede Brauerei führt eines oder mehrere India Pale Ales – kurz IPAs – im Sortiment.

Dieses Bier begleitet ein schöner Entstehungsmythos: Damit es die typisch englischen Pale Ales unbeschadet in die indischen Kolonien schafften, wurden sie stärker eingebraut. So wurden sie haltbarer – und das India Pale Ale, kurz IPA, war geboren. Die IPA sind der beliebteste Bierstil der Craft-Beer-Bewegung. Es sind aromatische und hopfenbetonte Biere mit einer hohen Bitterkeit und einem Alkoholgehalt von meistens sechs bis sieben Prozent. Durch Kalthopfung bekommt das Bier fruchtige Noten von Zitrus bis hin zu exotischen Früchten. IPA werden von Brauern stetig weiterentwickelt. Zu Sorten wie dem starken Double IPA und seinem leichteren Gegenstück, dem Session IPA, gesellt sich seit Neuestem das New England IPA: Ein besonders trübes India Pale Ale mit fruchtig-saftigen Hopfenaromen.

Für viele vielleicht ein schwieriger Einstieg, aber perfekt für alle, die aufregende, bittere Biere mit hoher Trinkbarkeit mögen.

Arnes Fazit zum India Pale Ale

Das Ländliche: Saison

Ein belgisches Saison in einem Bierglas
Saisons sind Landbiere. Ihr Alkoholgehalt liegt zwischen 5 und 8 Prozent.

Saisons haben im belgischen Wallonien eine lange Tradition. Diese Landbiere wurden im Winter vom Bauern als Lohn für die im Sommer schwer arbeitenden Knechte gebraut. Heute ist das Saison die beliebteste Sorte der sogenannten Farmhouse Ales. Zu ihnen gehört auch das finnische Saht oder die schwedische Gotlandsdricka. Ein trockener, getreidiger Malzkörper wird von fruchtigen Hefe-Aromen umgeben. Für Brauer ist das Saison eine Spielwiese, auf der sie mit edlen Aromahopfen, Gewürzen und besonderen Hefen experimentieren.

Komplexe, aber unaufgeregte Feierabendbiere, die nach einem erfolgreichen Tag auf dem Feld schmecken.

Arnes Fazit zum Saison

Die speziell Erfrischenden: Sauerbiere

Eine Gose in einem Bierglas
Sauerbiere sind speziell, aber im Sommer besonders erfrischend. Ihre Säure erhalten sie durch spezielle Gärmethoden.

Sauerbiere sind mit Sicherheit nicht jedermanns Sache. Bei den belgischen Lambics entsteht die Säure durch die spontane Vergärung mit wilden Hefen und Milchsäure-Bakterien. Bei Brauern und Biertrinkern ist besonders die alte deutsche Biersorte Gose beliebt. Auch hier spielt Milchsäure eine wichtige Rolle. Zudem wird Koriander und Salz mit verbraut. Viele Brauereien experimentieren gerne mit Gosen, machen sie extrem sauer oder unterstreichen die Frische mit Aromahopfen oder eingebrauten Früchten. Sogar Napoleon Bonaparte war von Sauerbieren beeindruckt: Er taufte die Berliner Weiße den "Champagner des Nordens".

Einer meiner liebsten Bierstile und der absolute Tipp. In der Regel nicht sehr hopfig, durch die Säure aber spritzig-frisch und oft schlank und leicht. Ein ideales Sommerbier.

Arnes Fazit zu Sauerbieren

Die Dunklen: Porter und Stout

Ein dunkles Porter in einem Bierglas
Porter und Stouts sind kräftige und dunkle Biere. Spezielle Sorten wie das Imperial Stout können Alkoholgehalte von 12% erreichen.

Auch wenn Guinness Irlands Nationalbier ist: Stout stammt eigentlich aus England und hat sich dort als kräftigere Variante aus dem Porter entwickelt. Während Porter – vermutlich benannt nach den Lastenträgern und Hafenarbeitern, die es gerne tranken – eher dunkelbraun sind, haben Stouts eine tiefschwarze Farbe. Die Farbe erhalten beide Stile durch Röstmalze, die ihnen auch Noten von Kaffee und dunkler Schokolade verleihen. Porter schlagen oft eine karamellige Richtung ein, Stouts sind samtig-weich und teilweise lakritzig. Die kräftigen, fast öligen Imperial Stouts erreichen teilweise einen hohen Alkoholgehalt, und Milk Stouts passen wegen ihrer milchigen Süße oft gut zu Kuchen und Desserts.

Wer auf schwere, vollmundige Biere steht, die dennoch oft überraschend trinkbar sind, wird hier fündig.

Arnes Fazit zu Porter und Stout

Was es sonst noch so gibt

Arne Helms mit einem Glas Bier.
Unser Redakteur Arne Helms ist ein Bier-Enthusiast und kennt sich in der Welt der Kreativbiere gut aus.

Neben den hier vorgestellten Biersorten gibt es noch weit mehr jenseits von Weizen und Pilsener. Vermehrt werden historische Rauch-, Land-, Sauer- oder Grutbiere wiederentdeckt und auf moderne Weise neu interpretiert. Ebenfalls sind aufwendige Bierstile wie Barley Wine beliebt. Diese ursprünglich englische Sorte zeichnet sich durch ihren hohen Alkoholgehalt von mindestens acht Prozent und ihre lange Lagerzeit aus. Für besonders edle und erlesene Biere wenden Brauer das Barrel Aging an. Die Biere werden in Whiskey-, Sherry- oder anderen Fässern gelagert und erhalten dadurch ganz neue überraschende Geschmacksnuancen.

Kreativbier in und aus Bremen

Zwar liegen die Zentren der deutschen Kreativbier-Szene in Berlin und Hamburg, aber auch im Schatten des Beck’s Hochhauses tut sich einiges. In Walle wurde die 1968 geschlossene Union Brauerei wieder mit Leben gefüllt, und neben dem klassischen Kellerpils werden hier Sorten wie Pale Ale, Witbier oder Rotbier gebraut und im angeschlossenen Restaurant ausgeschenkt.

Besonders experimentierfreudig braut Tobias Grebhan in Horn-Lehe seine drei regulären Sorten "Rote Hexe", "Gevatter Stout" und "Hopfenwolf". Dazu kommt eine Vielzahl an Sonderbieren, mit denen er immer wieder Neues probiert.

Die Bremer Braumanufaktur von Markus Freybler sitzt zwar in Bremen, seinen "Hopfenfänger" braut er jedoch noch in verschiedenen Brauereien außerhalb der Stadt. Für sein Bier benutzt er teilweise Hopfen, der in der Gröpelinger Gemüsewerft angebaut wird.

In der Innenstadt, direkt hinter dem Schütting, kann man in der Gasthaus-Brauerei "Schüttinger" bereits seit über 25 Jahren frisches, vor Ort gebrautes Bier trinken. Aber auch die Heimbrauer-Szene wächst in Bremen stetig, und viele von ihnen brauen auf einem überraschend hohen Niveau.

  • Arne Helms

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 4. August 2017, 23:20 Uhr