Wie zwei Lehrer Höhen und Tiefen von Schule in der Pandemie erleben

Corona hat Schule auf den Kopf gestellt. Zwei junge Lehrer aus Bremerhaven erleben, wie problematisch Lehren und Lernen in der Pandemie ist. Und, wo es profitieren kann.

Zwei Personen stehen auf einer Straße.
Joshua Block (links) und Kevin Barth sind noch nicht lange Lehrer und waren aufgrund der Pandemie gleich voll gefordert. Bild: Radio Bremen | Patrick Florenkowsky

Zurück zu einer Art von Alltag. Dieser Versuch läuft gerade, kurz vor den Sommerferien, mit der Rückkehr in den Schulbetrieb. Erst jetzt, wo die Klassenverbände aus dem Distanzunterricht wieder zusammenkommen, dürfte sich zeigen, was die vergangenen Monate zwischen Pandemie und Lockdown mit den Kindern und Jugendlichen gemacht haben. Wie verhalten sie sich untereinander, wie gut hat das Lernen zu Hause funktioniert, wer braucht besondere Unterstützung? Und: Wie läuft der Umgang mit Lernlücken, aber auch positiven Nebeneffekten aus Sicht der Lehrkräfte?

Berufsanfänger und gleich voll gefordert

Jung, sympathisch, motiviert – das ist der erste Eindruck, den man von Joshua Block und Kevin Barth bekommen kann. Die beiden jungen Männer sind erst seit kurzer Zeit Lehrer und mussten direkt zu Anfang ihrer Laufbahn besonders kreativ werden – wegen Corona. "Der Auftakt in eine Lehrtätigkeit hätte glaube ich entspannter sein können", resümiert Barth. Gleichzeitig sei die Situation an sich sehr interessant. "Ich glaube nicht, dass ich so sehr in meiner Lehrerpersönlichkeit gewesen wäre, wie ich es heute bin, hätte es Corona nicht gegeben."

Sehr kurzfristig wurden Schulen im letzten Jahr geschlossen, Schülerinnen und Schüler in den Distanzunterricht geschickt. Eine Herausforderung auch für Lehrkräfte, erklärt Block. Denn durch den Fokus auf das digitale Lehren bestehe die Gefahr, dass nicht alle mitkämen. Häufig sei es so, dass die Kinder zu Hause kein eigenes Zimmer, keine richtige Lernatmosphäre hätten. Wer vorher schon benachteiligt war, sei es nun noch stärker. Zuvor leistungsstärkere und lerninteressiertere Kinder seien hingegen oft an mehr Selbstständigkeit herangeführt worden.

Medienkompetenz hilft Lehrern und freut Schüler

Die beiden Bremerhavener haben daher im Lockdown versucht, alle Kinder gleichermaßen bei Laune zu halten – etwa mit selbstgedrehten YouTube-Videos. Dabei konnten die jungen Lehrer auch von ihrer altersbedingten Medienkompetenz profitieren.

Schülerinnen und Schüler freuen sich, wenn sie selber aktiv werden können. Und wenn sie ein Thema haben, dass sie über Material erarbeiten – andere Videos, Texte, Bilder oder einen einfachen naturwissenschaftlichen Versuch. Davon sollen sie dann selber ein Erklär-Video erstellen.

Eine Person steht auf einer Straße.
Joshua Block, Bremerhavener Lehrer

Um solche Methoden auch technisch möglich zu machen, hatte das Land Bremen die Schulen mit Ipads ausgestattet. Aus Sicht der beiden Lehrer einerseits ein sehr hilfreicher Schritt. Andererseits hätten sich dadurch neue Probleme ergeben: "Tatsächlich muss man die Schüler auch wieder vom Ipad wegkriegen", sagt Block. "Umgekehrt wollen andere gar nicht mehr handschriftlich schreiben oder haben damit Probleme und wollen nur noch tippen."

Potenzial in Menschen fördern und fordern

Hinzu kommt im Fall der beiden Bremerhavener, dass einige Kinder in ihren Klassen noch nicht gut Deutsch sprechen. Deswegen stellt Block für Texte auch immer eine Audiodatei zur Verfügung. Trotz des Einsatzes vieler Lehrkräfte bleibt es laut Barth aber nicht aus, dass Schüler unterwegs verloren gehen.

Einige wenige – je nach Klassenkonstellation auch ein paar mehr – verliert man leider auf dem Weg. Andere wachsen über sich hinaus.

Eine Person steht auf einer Straße.
Kevin Barth, Bremerhavener Lehrer

Block bleibt jedoch grundsätzlich optimistisch und glaubt nicht daran, dass Schüler jemals wirklich verloren sind. "Deswegen bin ich Lehrer geworden, ich glaube an das Potenzial von Menschen." Natürlich hänge es von den Kindern selbst ab, aber eben auch von den Lehrkräften. Trotz der Unwägbarkeiten der Pandemie bereue er es kein Stück Lehrer geworden zu sein, sagt Block: "Ich finde die Erfüllung darin, dass ich das Potenzial in Menschen fördere und fordere und sehe, wie Menschen aufblühen können, man sie unterstützen kann."

Aus der Pandemie ist viel gerlernt worden

Corona habe gezeigt, dass Digitalisierung an Schulen möglich und nötig ist, sagen die beiden Lehrer. Aber gleichzeitig habe die Pandemie auch ganz deutlich gemacht, dass mehr in die Bildung investiert werden müsse, betont Barth. Das gelte jedoch nicht nur für Schulen sondern auch für Kitas, Krippen und Universitäten – alle Bildungseinrichtungen. Für Barth ist klar: "Wenn man sieht, wie bedeutsam das Ganze ist, und das mit finanziellen und personellen Ressourcen besser ausstatten würde, dann ist glaube ich viel aus dieser Situation gelernt worden."

Volle Klassen: So erleben Bremer Schüler und Lehrer den Normalbetrieb

Video vom 31. Mai 2021
Kinder sitzen in einem Klassenraum
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autoren

  • Patrick Florenkowsky
  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 10. Juni 2021, 8:40 Uhr