Warum die Corona-Krise Bremens Obdachlose am härtesten trifft

Obdachlose gehören zu den Ärmsten der Armen. Durch die Corona-Krise hat sich ihre Situation dramatisch verschlechtert. Deswegen benötigen sie jetzt Hilfe.

Ein obdachloser Mann sammelt Flaschen und schaut in einen Mülleimer (Symbolbild)
Wenn das öffentliche Leben zum Stillstand kommt, haben es besonders Menschen ohne Wohnung schwer. Bild: DPA | Christoph Hardt

Sich oft die Hände waschen und möglichst zuhause bleiben – so kann man sich am besten vor dem Coronavirus schützen. Aber für die etwa 600 Menschen, die in Bremen auf der Straße leben, ist das fast unmöglich. "Hygiene ist natürlich ganz schwierig im Moment", sagt Roman Schulte, Streetworker der Inneren Mission. Denn ohne Badezimmer ist regelmäßiges Händewaschen und Duschen nicht drin – obwohl das gerade jetzt besonders wichtig ist.

"Sie wissen nicht mehr, wo sie ihr Essen herbekommen"

"Klar können wir hier und da mal aushelfen. Aber Leute, die auf der Straße leben, haben gerade wenig Zugänge zu sozialen Einrichtungen", sagt Schulte. Denn fast alle Hilfseinrichtungen – darunter auch Duschgelegenheiten, Schlafstätten und Lebensmittelausgaben – mussten wegen des Virus schließen.

"Das ist gerade das größte Problem – dass die Leute einfach nicht mehr wissen, wo sie ihr Essen herbekommen", so Schulte. Außerdem boten die Einrichtungen nicht nur Essen und einen Aufenthaltsraum, sondern auch einen Ort, an dem die Obdachlosen sich von den Streetworkern beraten lassen konnten. All diese Möglichkeiten fallen jetzt weg.

Kein öffentliches Leben – kein Einkommen

Leere Fußgängerzone
Bleiben die Geschäfte geschlossen und die Bremer zu Hause, spüren das auch Obdachlose.

Aber die geschlossenen Einrichtungen sind nicht das einzige Problem, mit dem obdachlose Menschen durch das Coronavirus zu kämpfen haben. Für viele sind auch die leeren Straßen eine Herausforderung, erzählt Markus, der selbst auf der Straße lebt. "Viele leben vom Pfandflaschen sammeln. Und findet kein Leben mehr statt, gibt’s auch keine Pfandflaschen", erklärt er das Problem.

Und auch Menschen, die zum Beispiel vom Betteln leben oder die Zeitschrift der Straße verkaufen, haben aktuell so gut wie kein Einkommen mehr.

Helfen auf dem Weg zum Supermarkt

Deswegen sei es gerade jetzt umso wichtiger, als Bremer über seinen Schatten zu springen, meint Roman Schulte. Denn für die Leute, die man bei jedem Einkauf oder Spaziergang auf der Straße sitzen sieht, bedeuten ein oder zwei Euro jetzt eine Menge.

Jeder, der ein oder zwei Euro erübrigen kann: Auf zwei Meter hinwerfen, scheiß egal. Es ist einfach wichtig, dass die Leute ein bisschen Geld in der Tasche haben, um sich mit dem Nötigsten versorgen zu können.

Roman Schulte, Streetworker

Wer lieber über eine offizielle Stelle helfen will, der kann sich an verschiedene Vereine und Organisationen wenden. Denn einige von ihnen haben eine Notversorgung für obdachlose Menschen aufgebaut – oft auf Spendenbasis.

Nothilfen der Inneren Mission und Co.

Ein Mann verteilt Kaffee an Obdachlose
Helfer der Inneren Mission verteilen im Nelson Mandela Park Kaffee an Bedürftige.

So musste die Innere Mission zwar ihre Einrichtungen schließen. Im Café Papagei können obdachlose Menschen inzwischen aber wieder duschen und neue Kleidung mitnehmen. Auch die Poststation dort bleibt geöffnet. Außerdem stehen die Streetworker jetzt an drei Orten in der Stadt bereit und verteilen unter anderem Lunchpakete.

Auch Vereine wie die Bremer Suppenengel geben weiter Lebensmittel an Obdachlose aus – wenn auch nicht wie gewohnt als fertig gekochte Mahlzeit, sondern in Form von Lebensmittelpaketen.

Außerdem hat die Bremerin Hannah Pot d'Or auf dem Online-Kampagnenportal betterplace.me eine Spendeninitiative gestartet. Unter dem #HelpFromHome ist es das Ziel, jeden Obdachlosen in Bremen mit einem Umschlag mit fünf Euro, Desinfektionsmittel und einem Lebensmittel-Gutschein ausstatten. Hanna Pot d'Ors Vater Jonas Pot d'Or arbeitet als Streetworker in Bremen und unterstützt die Betroffenen vor Ort.

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Autorin

  • Rebecca Küsters

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Nachmittag, 24. März 2020, 16:35 Uhr