Leere Läden in der City: Schickt Bremen Kunden in die Einkaufszentren?

Riesengroß und mitten in der Stadt: Ein Plakat wirbt für ein Einkaufszentrum außerhalb Bremens. Passanten waren verwirrt. Denn Tatsache ist: Viele Läden sind verwaist.

Ein Plakataufsteller mit Werbung für das Einkaufshaus Dodenhof außerhalb der Stadt steht in der Innenstadt von Bremen
Warum wird hier für ein Einkaufszentrum geworben? Studierende haben verschiedene Werbeplakate als Projektarbeit entwickelt – die Siegerplakate wurden öffentlich präsentiert.

Was war denn da los? Werbung für ein Einkaufszentrum vor den Toren Bremens direkt in der Bremer Innenstadt? Der Geschäftsführer der City Initiative Bremen, Jan-Peter Halves, zeigte sich darüber im Nachhinein einigermaßen bedient. "Das war sehr unglücklich, die Firma Ströer hat hier sicher unüberlegt gehandelt. Dies ist schade und sollte nicht wieder vorkommen", sagte Halves buten un binnen. Was war passiert?

Wer am vergangen Dienstag zwischen Domsheide und Bremer Roland unterwegs war, dürfte sich über das auffallend große Werbeplakat für ein Einkaufszentrum im Bremer Umland gewundert haben. Viele Passanten waren verwirrt, denn die Aktion vermittelte einen Eindruck, der völlig konträr gegen die Bemühungen der Bremer Politik und der Stadtentwickler geht, wieder mehr Menschen in die Innenstadt zu locken.

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Leerstand und Baustellen sind Wirklichkeit

Hinter der Werbung steckt ein Projekt von Studierenden des Masterstudiengangs BWL an der Universität Bremen. Das Ergebnis: Eigens entworfene Werbeplakate, die ausgestellt wurden. "Aus meiner Sicht ist es ein No-Go, dass das Plakat über mehrere Stunden auf dem Grasmarkt präsent war", findet Halves. Gleichzeitig relativiert er: Das Projekt sei grundsätzlich löblich, und das Einkaufsverhalten der Metropolregion Bremen werde sich dadurch nicht verändern. "Das wird sich hoffentlich nicht wiederholen", sagt Halves. So einfach die Erklärung auch ist, sie täuscht nicht darüber hinweg, dass es in der Bremer Innenstadt derzeit jede Menge Leerstand gibt.

Leergeräumte Geschäfte und abgeklebte Schaufenster

Tatsächlich schließen Ladengeschäfte und Nachfolger lassen häufig Monate auf sich warten. Statt auf die neuesten Mode-Trends blicken viele Besucher der Obern- oder Sögestraße in leergeräumte Geschäfte, auf abgeklebte Fensterscheiben oder Baustellen. Mango, Benetton und Esprit sind bereits weg – die Ladenflächen stehen leer. Auch in der Sögestraße, am Wall, der Katharinen-Passage und Domshof-Passage gibt es laut Bremer City Initiative einige leere Geschäfte.

Den aktuelle Leerstand in der Innenstadt macht Halves vor allem im Textilbereich aus. "Gerade hier sind namenhafte Anbieter im Umbruch, viele Unternehmen und Ketten sortieren sich neu, stellen sich im Onlinehandel neu auf und das geht dann immer auch mit einer Veränderung der Ladengeschäfte einher." Laut der Bremer Handelskammer gibt es gerade im Textil- und Fashionbereich einen stark wachsenden Online-Handel: Laut Prognosen könnte hier 2025 der Online-Anteil bei rund 38 Prozent liegen.

Lage ähnlich wie zur Finanzkrise

Jan-Peter Halves
Dr. Jan-Peter Halves ist überzeugt, dass sich die Bremer Innenstadt positiv entwickeln wird.

Vielen kommt die Bremer Innenstadt leblos vor. Doch laut City Initiative täuscht der Eindruck: Denn überall da, wo gebaut wird, herrsche auch kein Leerstand, so Halves. Beispiele sind das Jacobs-Gebäude in der Obernstraße oder das geplante Damenmode-Geschäft Appelrath Cüpper am Ansgarikirchhof. Auch zwischen dem Wall und der Sögestraße wird im ehemaligen Zuhause der Fastfood-Kette Subway gebaut, das Gebäude von Roland-Kleidung wird kernsaniert, weitere Beispiele gibt es in der Katharinen- oder der Domshof-Passage. Die Bremer City Initiative veröffentlicht eine Übersicht aller Leerstände in der Bremer Innenstadt – aktuelle Daten gibt es aber frühestens im Herbst.

Ob es jemals so viel Leerstand in der Bremer Innenstadt gegeben hat, wie es aktuell der Fall ist, kann der Geschäftsführer der Bremer City Initiative nach eigenen Angaben nicht eindeutig beantworten. An eine ähnlich schwierige Situation könne er sich jedoch erinnern: die Weltfinanzkrise 2009. "Damals gab es auch hier eine große Verunsicherung, viele hatten Angst um ihre Jobs", erinnert sich Halves. Zu hohe Mieten seien nach Einschätzung von Halves nicht der Grund, warum viele Geschäfte geschlossen wurden. Die Ladenmieten seien lange gestiegen, momentan würden sie dagegen stagnieren und sogar ein wenig sinken – wenn auch auf sehr hohem Niveau. "Natürlich sieht man in der Innenstadt momentan viel Schmutz, viele Baustellen und etwas weniger schönes – aber das müssen wir zusammen durchhalten", findet Halves.

Was ist los in der Bremer City? Viele Läden geben auf

Die Obernstraße in der Bremer Innenstadt, zu sehen sind mehrere Läden und Passanten.
  • Angela Weiß

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 5. Februar 2019, 19:30 Uhr