In Not wegen Corona? Was Verbraucherschützer Bremer Bankkunden raten

Durch die Corona-Pandemie bekommen viele Menschen Geldsorgen. Darlehensraten zum Beispiel können nicht mehr bedient werden. Diese Tipps können hilfreich sein.

Video vom 29. April 2020
An einem Geldautomat steht eine junge frau mit einem Mundnasenschutz.
Bild: Radio Bremen

Viele Menschen trifft die Corona-Pandemie wirtschaftlich so hart, dass sie momentan nicht in der Lage sind, ihre Darlehensraten zu bedienen. Zwar geben die Bremer Banken keine Zahlen hierzu heraus. Der Deutsche Sparkassen- und Kreditverband teilt aber mit, dass allein die 377 Sparkassen in Deutschland bis zum 22. April rund 270.000 Stundungen von Zins- und Tilgungsleistungen vereinbart hätten. In 127.000 Fällen sei es dabei um Darlehen von Privatkunden gegangen.

Dr. Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Bremen
Vorständin der Verbraucherzentrale Bremen: Annabel Oelmann. Bild: Radio Bremen | Martin von Minden

Wer aufgrund der Corona-Pandemie seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen kann, dem möchte der Bund mit dem Anfang April eingeführten "Gesetz zur Abmilderung der Folgen der COVID-19-Pandemie" helfen. Dieses neue Gesetz decke auch Kredite ab, erklärt Annabel Oelmann, Vorständin der Verbraucherzentrale Bremen. Es stelle sicher, dass der Kreditnehmer einen mindestens dreimonatigen Zahlungsaufschub erhalten könne – zumindest für Verbraucherdarlehensverträge, die vor dem 15. März vereinbart worden sind.

Oelmann betont jedoch ausdrücklich: "Die Zahlungsverpflichtungen bleiben natürlich bestehen! Wer jetzt nicht bezahlen kann, wird das später nachholen müssen." Auch empfiehlt sie Betroffenen, frühzeitig den Kontakt zur betroffenen Bank zu suchen und Einnahmeausfälle nachzuweisen, beispielsweise mit einer Bescheinigung des Arbeitgebers. Ebenfalls möglichst frühzeitig sollte, wer in Not geraten sei, staatliche Hilfen wie Wohngeld oder SGB II-Aufstockungsleistungen beantragen, rät Oelmann. Denn wegen des großen Andrangs sei bei den Ämtern mit Wartezeiten zu rechnen.

Welche Alternativen gibt es zum Dispo?

Wer aufgrund seiner Einnahmeausfälle mittelfristig nicht aus dem Minus herauskommt, sollte keinen höheren Dispokredit beantragen, sagt Annabel Oelmann. Sie empfiehlt in solch einem Fall, die Umschuldung über einen Ratenkredit zu prüfen.

Auch ein Rahmenkredit mit günstigem Zinssatz könne eine billigere Alternative zum Dispo darstellen, sagt Oelmann. Sowohl der Rahmen- als auch der Ratenkredit kämen jedoch nur dann als Lösung kurz- oder mittelfristiger Geldsorgen infrage, wenn die monatlichen Raten auch ohne weitere Ausnutzung des Dispos aufgebracht werden könnten.

Auf keinen Fall sollten Verbraucher einen Dispo dauerhaft nutzen. Denn auch der billigste Dispokredit ist teurer als ein günstiger Ratenkredit.

Annabel Oelmann, Verbraucherzentrale Bremen

Was muss ich jetzt bei meinen Geldanlagen beachten?

Eine Hand hält bei einem Goldhändler eine 1000g-Goldmünze - eine "Nugget Känguruh". Daneben liegen Münzen und Goldbarren in unterschiedlicher Größe zu 12,5kg, 1000g und 500g.
Schöne, aber fragwürdige Geldanlage: Gold. Bild: DPA | Sven Hoppe

Die Angst vor dem Coronavirus habe bereits für gewaltige Kursstürze auf den Finanzmärkten gesorgt, stellt Oelmann fest. Umso entschiedener rät sie davon ab, unter dem Eindruck der letzten Wochen Aktien abzustoßen. "Die Börse kann sich schnell erholen. Aktiengeschäfte sind Investitionen auf zehn oder 20 Jahre", sagt sie. Entsprechend solle man über Geldanlagen grundsätzlich in Ruhe und nicht kurzfristig aufgrund einer Krise nachdenken.

Zu besonderer Vorsicht rät Oelmann zudem im Umgang mit Gold als Geldanlage. "Gold wird in Krisenzeiten immer wieder von fragwürdigen Beratern als besonders stabile Geldanlage angepriesen", sagt die Verbraucherschützerin. Dabei berge das Metall auch etliche Risiken. So sei Gold nicht nur teuer im Kauf, sondern auch in der Aufbewahrung, etwa in Bankschließfächern. Zudem werde Gold in Dollar gehandelt, so dass sein aktueller Wert mit dem Dollarkurs stehe oder falle. Schließlich bringe Gold weder Zinsen noch Dividenden.

Warnung vor Betrügern

Je tiefer die Krise, desto verlässlicher rufe sie Kriminelle auf den Plan – so auch jetzt, berichtet Annabel Oelmann, Vorständin der Verbraucherzentrale Bremen. Sie verweist auf etliche vermeintliche Corona-E-Mails, die dieser Tage bei hiesigen Verbrauchern eingingen. Unter dem Deckmantel der Pandemie versuchten die Absender, oft selbsterklärte Berater, den Empfängern der E-Mails sensible persönliche Daten zu entlocken. "Ein klassischer Fall von Cybercrime", stellt Oelmann fest.

Sie rät den Empfängern solcher E-Mails: keinesfalls auf Links in der Mail zu klicken, keine Anhänge der Mail zu öffnen sowie dem Absender nicht zu antworten. Leider aber, fügt Oelmann hinzu, bleibe es nicht bei Betrugsversuchen via E-Mail. Auch auf betrügerische Anrufe vermeintlicher Bankmitarbeiter müssten sich Bremer Bankkunden dieser Tage gefasst machen.

Dabei sei vollkommen klar: "Banken werden ihre Kunden nicht telefonisch kontaktieren, um eine Sicherheitsaktualisierung oder Transaktion durchzuführen", sagt die Verbraucherschützerin. Sie empfiehlt den Kunden daher, im Zweifel aufzulegen und selbst bei der Bank anzurufen. Auf angebliche Tipps, wie man sein Geld retten oder gar in Corona-Zeiten tolle Renditen erzielen könne, solle man gar nicht erst reagieren.

So sehr leidet die Wirtschaft unter dem Corona-Shutdown

Video vom 13. April 2020
Drei Mercedes Mitarbeiter stehen an einem Fließband, auf dem mehrere Autos stehen.
Bild: Radio Bremen

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  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 29. April 2020, 19:30 Uhr