Darum hält ein Bremer Arzt die dauerhafte Sommerzeit für gefährlich

Die Zeitumstellung ist vielleicht schon bald Geschichte. Denn das EU-Parlament hat für deren Abschaffung gestimmt. Doch ein Bremer Arzt warnt vor den Folgen.

Ein Mann schläft im Bett, davor ein Wecker auf dem Nachttisch.
Fällt die Zeitumstellung weg, könnte das den Tag-Nacht-Rhythmus der Menschen verschieben. Bild: Imago | Westend61

In der Diskussion um die Abschaffung der Zeitumstellung warnt der Bremer Chefarzt Erik Chankiewitz davor, die Sommerzeit als dauerhafte Lösung zu wählen.

Die dauerhafte Abschaffung der Winterzeit kann zu erheblichen Gesundheitsstörungen führen.

Erik Chankiewitz, Direktor der Augenklinik am Klinikum Bremen-Mitte

Eine künstliche Verlängerung der Helligkeit abends, wie es bei einer ständigen Sommerzeit der Fall wäre, könne beim Menschen den Tag-Nacht-Rhythmus verschieben, sagte der Direktor der Augenklinik am Klinikum Bremen-Mitte. Frühes Wachwerden, vermehrte Tagesmüdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und Stimmungstiefs könnten die Folge sein, mahnte Chankiewitz. Es drohten aber auch organische Probleme wie Stoffwechselstörungen wegen eines erhöhten Insulin-Bedarfs, Herz-Kreislaufstörungen, Hormon-Veränderungen und ein geschwächtes Immunsystem.

Feldlandschaft mit Windrädern bei Sonnenaufgang, die Stahlwerke im Hintergrund.
Die Sonne ist einer der wichtigsten Orientierungspunkte für den Zeitgefühl der Menschen. Bild: DPA | G. Franz/Blickwinkel

"Licht ist der wichtigste Zeitgeber unseres Körpers", sagte der Klinikchef. Das zeige sich beispielsweise beim Blick auf das Smartphone oder das Tablet, die das Gefühl der Müdigkeit hinauszögern könnten. "Das Schlafhormon Melatonin wird von der Zirbeldrüse ausgeschüttet und hilft dabei, dass sich der Schlafrhythmus einpendelt." Bei mehr Licht werde Melatonin weniger stark ausgeschüttet.

Die Folge: Der Körper merkt nicht, dass die Ruhephase begonnen hat.

Erik Chankiewitz, Direktor der Augenklinik am Klinikum Bremen-Mitte

"Die Wahrnehmung des Lichtes ist eng an die Funktion des Auges gekoppelt", führte Chankiewitz aus. "Bei Erblindung etwa läuft die innere Uhr frei, so dass Patienten zeitweise völlig desynchronisiert sind und nachts wach und tagsüber müde sind."

EU-Parlament stimmt für Abschaffung der Zeitumstellung

Die Abgeordneten des EU-Parlamentes hatten am Dienstag mehrheitlich für eine Abschaffung der Zeitumstellung ab dem Jahr 2021 gestimmt. Doch auf dem Weg dahin sind noch einige Hürden zu nehmen, unter anderem in der Abstimmung mit den Mitgliedsstaaten.

Der Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit ist seit Jahren umstritten. Seit 1996 werden in der Europäischen Union am letzten Sonntag im März sowie am letzten Sonntag im Oktober die Uhren jeweils eine Stunde umgestellt. Die nächste Umstellung auf die Sommerzeit steht am Sonntag an. Dann werden die Uhren um 2 Uhr nachts eine Stunde vorgestellt auf 3 Uhr.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 28. März 2019, 23:30 Uhr