Auswandererhaus will im Neubau Migrationskonflikte aufzeigen

Heute feiert das Auswandererhaus in Bremerhaven Richtfest. Mehr als zwölf Millionen Euro investieren Bund und Land in den Anbau. Auch eine Bildungsakademie soll entstehen.

Eine Frau radelt an einem Rohbau vorbei.
Hier entstehen die neuen Ausstellungsräume des Auswandererhauses. Bild: Radio Bremen | Sonja Harbers

Das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven feiert an diesem Freitag Richtfest für seinen zweiten Erweiterungsbau. Der Neubau soll im Frühjahr kommenden Jahres fertig sein. Mehr als zwölf Millionen Euro lassen sich Bund und Land den Erweiterungsbau kosten. Das Grundstück stellt die Stadt Bremerhaven.

Migrationskonflikte im Zentrum

Im Neubau will das Museum Migrationskonflikte zeigen, die etwa durch fehlende Wohnungen, ungleiche Löhne und kulturelle Unterschiede entstanden sind. Museumsbesucher sollen sich in dem Neubau entlang einer Zeitachse anschauen können, wie vor 70, 50 oder fünf Jahren mit ähnlichen Konflikten umgegangen wurde, wie Lösungen dazu aussahen und ob sie funktioniert haben.

In einem weiteren neuen Ausstellungsraum soll es um die Geschichte von Einwandererfamilien wie den Polen im Ruhrgebiet gehen. Auch das Schicksal osteuropäischer Juden will das Museum in den neuen Räumlichkeiten zeigen. Hunderttausende von ihnen waren über Bremerhaven nach Übersee ausgewandert.

Neues Bildungsinstitut geplant

Das Museum will außerdem ein Bildungsinstitut zur Museumspädagogik für Kinder-, Jugend- und Erwachsenenbildung sowie ein Institut für Migrationsforschung einrichten. Beide sollen unter dem Namen "Academy of Comparative Migration Studies" (ACOMIS) zusammengefasst und ebenfalls in dem Anbau untergebracht werden.

Museum zählte mehr als 2,75 Millionen Besucher

Bisher dokumentiert das Haus 300 Jahre Aus- und Einwanderungsgeschichte. Seit der Eröffnung am 8. August 2005 kamen eigenen Angaben zufolge mehr als 2,75 Millionen Besucher in das Auswandererhaus. Es wurde 2007 als Europas "Museum des Jahres" ausgezeichnet. Für das Haupthaus und einen ersten Erweiterungsbau zur Einwanderungsgeschichte wurden rund 25 Millionen Euro investiert, wobei das meiste Geld aus öffentlichen Kassen stammt.

Das Erlebnismuseum steht nahe der Außenweser an einem historischen Ort: Hier haben zwischen 1830 und 1974 rund 7,2 Millionen Menschen das europäische Festland verlassen, oft als Wirtschaftsflüchtlinge. Sie sahen in ihrer Heimat keine Perspektive mehr und wollten sich hauptsächlich in den USA eine neue Existenz aufbauen.

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Video vom 18. April 2020
Ein Blick auf Bremerhaven aus der Weser mit dem Atlantic Hotel im Hintergrund.
Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 7. August 2020, 19:30 Uhr