Fragen & Antworten

Gefahr in der Tiefe: Bremerhavener Ausstellung zu Munition im Meer

Auf einem Platz liegen Kisten, dazwischen stehen Menschen.
Die Wanderausstellung "North Sea Wrecks" ist am DSM in Bremerhaven gestartet und zieht als nächstes nach Belgien weiter. Bild: Radio Bremen | Catharina Spethmann

Millionen Tonnen Kriegsmunition liegen noch auf dem Meeresgrund, ihr Gift gelangt über Fische auf unsere Teller. Eine Ausstellung in Bremerhaven klärt über die Gefahren auf.

Immer noch liegt Munition aus den beiden Weltkriegen auf dem Grund der Meere – auch in der Nordsee. Im April haben Forscher des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (AWI) und des Deutschen Schifffahrtsmuseums (DSM) vor Helgoland ein deutsches Kriegsschiff untersucht, das dort 1914 gesunken war, im Rahmen eines internationalen EU-Forschungsprojekts. Nun gibt es zu diesem Thema eine Wanderausstellung: "North Sea Wrecks". Sie ist im Rahmen der "Maritimen Tage" aktuell zuerst in Bremerhaven zu sehen.

Was gibt es bei der Wanderausstellung zu sehen?
Zwischen dem Scharoun- und dem Bangert-Bau liegen momentan fünf große Holzkisten auf dem Platz vor dem DSM-Eingang. Die Kisten haben eingelassene Bildschirme, die sich kontaktlos steuern lassen, indem man die Hand darüber bewegt. Dort können sich Interessierte anschauen, wie die Lebenswelt unter Wasser aussieht – und wie die Forscher arbeiten. Die ganze Szenerie spielt sich auf einem hellen Steinpflaster ab. Wenn man die Augen etwas zukneift, könnte das Sand am Meeresboden sein. Die Kisten liegen dort wie verstreut, wie schief eingesunken im Sand. Darauf Aufschriften wie "War Remnants" – also "Hinterlassenschaften des Krieges" – oder "Research" – also "Forschung". Und genau um diese Themen geht es.
Ist die Munition explosiv und eine Gefahr für Schifffahrt und Fischerei?
Das ist zwar wohl nicht ausgeschlossen, aber offenbar nicht das Hauptproblem. Noch drängender ist, dass die Munitionsreste – allein im deutschen Teil der Nordsee werden noch rund 1,3 Millionen Tonnen vermutet – dort vor sich hin rosten und Schadstoffe freisetzen. "Die Gefahr ist nicht explosiv, sie ist im Grunde unsichtbar", sagt Sunhild Kleingärtner, Direktorin des Schifffahrtsmuseums. "Das TNT tritt aus, ohne dass wir es sehen." Darum sei es so wichtig, wissenschaftliche Messungen zu machen, woran DSM und AWI zusammen mit Toxikologen aus Kiel arbeiten. "Die können den Giftgehalt in den Muscheln bestimmen." TNT kann beispielsweise Krebs erregen und Erbgut schädigen und gerät über Muscheln und Fische in die Nahrungskette – und letztendlich auf den Tellern der Menschen. Außerdem schädigt es die Umwelt, worauf die Ausstellung aufmerksam machen will.
Was genau steckt hinter der Ausstellung?
Ein internationales Forschungsprojekt, denn die Schadstoffe machen nicht an Landesgrenzen halt. "Wir wollen dieses Thema nicht in der Wissenschaft belassen, sondern in die Gesellschaft bringen", sagt Kleingärtner. "Die Wanderausstellung ist eine wunderbare Möglichkeit, an verschiedenen Orten in Europa das Wissen über die Munition im Meer direkt in die Gesellschaft zu bringen." Noch bis Sonntag ist das Ergebnis in Bremerhaven zu sehen. Anschließend wandert die Ausstellung weiter nach Brügge in Belgien.

Mehr zum Thema:

Autorinnen und Autoren

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Samstagvormittag, 14. August 2021, 11:20 Uhr