Interview

Nach Internethit: Glaser sucht Azubis nur noch per Facebook

Das neue Ausbildungsjahr beginnt. Aber viele Betriebe suchen noch einen Azubi. Sven Sterz aus Langen bei Bremerhaven war wieder über Facebook erfolgreich. Und er tut noch mehr.

Screenshot aus einem Facebook-Video der Glaserei Sterz.
Vier Millionen Mal wurde sein Video im vergangenen Jahr angeklickt. Und auch in diesem Jahr war Sven Sterz wieder mit einem Video auf Azubisuche. Bild: Glaserei Sterz

Für viele junge Menschen beginnt am Donnerstag ein neuer Lebensabschnitt: Am 1. August startet ihre Ausbildung. Doch knapp 480 Ausbildungsplätze sind in Bremen und Bremerhaven noch unbesetzt. Viele Lehrbertriebe, gerade im Handwerk, finden keinen Nachwuchs.

Sven Sterz aus Langen bei Bremerhaven hatte davon schon im vergangenen Jahr die Nase voll: Er ist Chef einer Glaserei und gute Auszubildende seien Mangelware gewesen. Deshalb hat er ein Video bei Facebook gepostet, um junge Leute für den Job des Glasers zu begeistern. Vier Millionen Mal wurde das Video aufgerufen. Drei Auszubildende hat Sven Sterz so gefunden. Und auch in diesem Jahr war er mit einem Video in dem sozialen Netzwerk erfolgreich.

Herr Sterz, warum machen Sie sich die Mühe, mit Videos bei Facebook nach Azubis zu suchen?
Ich habe ja zweimal Schiffbruch erlitten mit den letzten beiden, und dann habe ich irgendwann gesagt: So, ich habe die Nase voll. Ich muss sehen, dass ich die erreiche, die ich haben will. Den jungen Wilden, denen gehört ja die Zukunft, die sind aber alle ja am PC, am Laptop und am Handy, und damit erreiche ich die am ehesten. In der Zeitung brauche ich keine Anzeige schalten, ich meine, das lesen die nicht. Und ich will aufmerksam machen, dass es noch etwas anderes gibt als Studium, dass es auch noch ein anständiges Handwerk gibt, wo man sagt: Mensch, da hätte ich vielleicht auch Bock drauf.

So kämpfen Betriebe um Auszubildende

Ein Tischler, der seinen Azubi einweist, der an einem Stück Holz hantiert.
Sie bieten ihren Azubis einiges an: eine höhere Ausbildungsvergütung, Erstattung der Fahrtkosten, Prämien, wenn sie bei Prüfungen mindestens die Note 3 schaffen. Müssen Ausbildungsbetriebe jungen Leuten mehr bieten, um eine Alternative zum Studium zu sein?
Ja das ist ja nun mal so. Das mache ich aber auch schon, seitdem ich ausbilde, dass ich die Fahrtkosten übernehme. Wenn die Fahrkarte anständig aussieht, damit ich die auch einreichen kann, und wenn die Ausbildung funktioniert, dann zahle ich die Reisekosten. Ich gehe in Vorleistung, ich erwarte aber auch etwas dafür. Ich muss ganz ehrlich sagen, meine sind weit weg von der Note 3, weil die einfach sagen: Mensch, der macht so viel für uns, dann sehen wir auch zu, dass wir da anständige Noten nach Hause bringen. Meine beiden Auszubildenden, die jetzt morgen ins zweite Lehrjahr gehen, die wissen auch, wenn da 3,05 steht, dann hat man verloren. Das ist wie so eine Kante, wo man heranfahren kann, aber überhin ist überhin. Und die halten sich da dran, und das funktioniert, und das macht ja auch Spaß.

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Wollen Sie in Zukunft nur noch bei Facebook nach Azubis suchen?
Das mache ich nur noch so. Ich sehe ja: Das hat ja Erfolg. Ich erreiche die ja da. Das wird geteilt, und das sieht man ja auch bei den Kommentaren. Und oft wird einfach nur mit einem Namen verlinkt, wo man sagt: 'Hier, guck mal, wäre das was für dich?' Das hat man ja beim ersten Video gesehen und beim zweiten, wo ich das nochmal angesprochen habe, dass ich noch einen Ausbildungsplatz zu vergeben habe, war das ja ähnlich.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 31. Juli 2019, 9:15 Uhr