Darum wird den einen auf dem Freimarkts-Karussell übel – anderen nicht

Kettenkarussell in Bewegung.

Darum wird einigen auf dem Freimarkts-Karussell übel – anderen nicht

Bild: Radio Bremen

Der Bremer Freimarkt geht zu Ende: Wollen Sie noch mal eine Runde drehen? Oder gehören Sie zu denen, die unten stehen und zugucken. Ein Arzt erklärt, was dahinter steckt.

Für die einen kann sich so ein Karussell nicht schnell genug drehen, den anderen wird schon beim Zuschauen schlecht. Diejenigen, denen schlecht wird auf dem Karussell, können aber vielleicht Achterbahn fahren. Woran liegt das mit der Übelkeit, wenn sich was dreht? Bremen Eins hat den Hals-Nasen-Ohren-Arzt Frank Schmäl gefragt, der sich seit mehr als 25 Jahren mit dem Thema Schwindel beschäftigt.

Herr Schmäl, es gibt Menschen, die sagen, im Alter würde das schlimmer mit der Übelkeit auf dem Karussell. Liegt es am Älterwerden?
Es ist das Alter, aber nicht unbedingt das Gleichgewichtsorgan mit Schwindel. Denn das Gleichgewichtsorgan wird sogar im Alter eher unempfindlicher. Wenn man mal guckt: Wem wird im Auto schlecht? Das sind ja meist Kinder und nicht die Großeltern auf der Rückbank. Und bei Kreuzfahrten bei hohem Seegang steht eher die ältere Klientel mit Rollator am Buffet und die Kinder und Enkel sind in der Kabine, weil es denen nicht so gut geht. Es ist kein Problem des reinen Gleichgewichtsystems.
Was ist es dann, was Älteren ein so schlechtes Gefühl beim Karussellfahren verschafft?
Wenn wir älter werden, können wir Sinnesreize schlechter vereinbaren. Wenn man in einem Karussell sitzt, ist da laute Musik, da sind blinkende Lichter, da ist die Bewegung. Und diese Sinnesreize können schlechter verarbeitet werden, das führt bei älteren Leuten zu Stress. Und Stress ist ein Unlustgefühl, das wollen wir nicht so gerne haben, und deshalb vermeiden es ältere Leute zum Beispiel, in ein Fahrgeschäft zu gehen.

Und dann kommt natürlich noch hinzu, dass ältere Leute eher mal Rückenprobleme haben oder Knieprobleme. Wenn man in einem Fahrgeschäft sitzt, das abrupt die Bewegung ändert, dann zwackt es schon mal. Da sind ältere Leute schon mal vorsichtiger.
Aber auch jüngere Leute – die sind vielleicht 14 oder 15 Jahre alt – die klettern mit grünem Gesicht aus der Schiffsschaukel oder dem Rotor raus. Was ist da das Problem?
Jeder Mensch reagiert unterschiedlich empfindlich auf Gleichgewichtsreize. Es gibt Patienten, die haben ein empfindliches Gleichgewichtssystem, die werden auch schneller seekrank und haben bei Schwindelerkrankungen stärkere Symptome. Und es gibt Leute, die können rückwärts im Zug sitzen und dabei einen Roman lesen und die merken davon gar nichts. Das hängt mit der Empfindlichkeit des Gleichgewichtssytems zusammen.
Kann man das vielleicht trainieren, also etwas gegen dieses Schwindelgefühl unternehmen?
Wenn Sie unter Seekrankheit leiden und immer wieder mit dem Schiff fahren, dann adaptieren sie sich an diese Reize – dann gewöhnen sie sich sozusagen daran. Das Gleichgewichtssystem ist sehr sehr gut trainierbar. Selbst wenn ihnen auf einer Seite das ganze Gleichgewichtsorgan ausfällt, dann werden sie nicht für den Rest ihres Lebens im Bett liegen, sondern das Gehirn kann das mit der anderen Seite ausgleichen. Das Gehirn ist trainierbar, was Gleichgewichtsreize angeht.

Erleben Sie den Bremer Freimarkt aus der Sicht einer 4-Jährigen

Bild: Radio Bremen

Autor

  • Norbert Kuntze Moderator

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 23. Oktober 2022, 15:40 Uhr