Achtung, Kontrolle: So arbeitet die Fischereiaufsicht Bremerhaven

Alfred Homeister und Michael Pötter stehen auf dem Boot "Nimrod II"
Sind im Team auf Kontrollfahrt: Alfred Homeister (links) und Michael Pötter vom Fischereiamt Bremerhaven

Achtung Kontrolle Fischereiamt Bremerhaven

Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens

Wer angelt oder berufsmäßig Fische fängt, muss Regeln beachten. Ob diese Regeln eingehalten werden, kontrolliert das Staatliche Fischereiamt in Bremerhaven.

Ein Boot mit der Aufschrift "Fischereiaufsicht" steht auf einem Bootsanhänger
Als die Sonne noch schwach ist, lässt das Fischereiamt Bremerhaven sein Kontrollboot zu Wasser. Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens

Die Sonne hängt noch tief. Doch die Nimrod II pflügt schon durchs Weserwasser. „Fischereiaufsicht“ steht in Großbuchstaben außen am Boot. Drinnen, am Steuer, sitzt Alfred Homeister. Er ist der Leiter der Außenstelle Bremerhaven des Fischereiamts und seit 38 Jahren als Fischereiaufsichtsbeamter auf der Weser unterwegs.

So auch an diesem sonnig-kalten Herbsttag. Mit der Nimrod II steht eine Kontrollfahrt zwischen Bremerhaven und Bremen an. Ihn begleitet sein Assistent Michael Pötter. "Wir gucken, ob wir Fischer und Angler treffen", erklärt Homeister. Haben sie Erlaubnisscheine für die Weser dabei? Halten sie die Schonzeiten und Fangverbote ein? All das kontrollieren die beiden – für die niedersächsische Weser. Für die bremische Weserseite ist das Fischeramt Bremen zuständig, erklärt Homeister.

Ein bis zwei Mal pro Woche sind Homeister und Pötter in der Hochsaison auf Kontrolltour. Wer ohne Angelschein erwischt wird, muss mindestens 200 Euro Strafe zahlen.

Man merkt das in den Sommerferien, wenn die Leute Langeweile haben und denken: Mensch, ich habe noch irgendwo eine Angel stehen, das Wetter ist schön, ich gehe heute mal zum Angeln. Und dann kommt das öfter mal vor, dass wir in dem Zeitraum Schwarzangler erwischen. Aber die meisten sind legal unterwegs.

Alfred Homeister, Leiter Fischereiamt Bremerhaven
Alfred Homeister sitzt am Steuer der Nimrod II
Kontrolliert seit 38 Jahren auf der Weser: Fischerei-Aufseher Alfred Homeister Bild: Rdaio Bremen | Carolin Henkenberens

Doch heute ist weit und breit kein Angler in Sicht. Ohnehin ist das Kerngeschäft des Fischereiamtes die Kontrolle der Berufsfischer, etwa der Krabben- und Muschelfischer an der Nordsee. Bei ihnen wird auch kontrolliert, ob sie sich an Netzgrößen oder Vorgaben für Fanggeräte halten.

Doch Fischerei gibt es in der Region immer weniger. Die Branche hat in Deutschland einen enormen Strukturwandel erlebt. Als wir mit der Nimrod II an der Pier in Brake vorbei kommen, liegen dort drei Kutter. "Das ist der letzte Fischer hier, der hier an der Weser berufsmäßig, also im Küstenbereich, die Fischerei betreibt", sagt Homeister, der den Fischer natürlich kennt.

Weniger Fischerei heißt mehr Büro-Arbeit

Weniger Fischerei, das heißt für das Staatliche Fischereiamt: neue, zusätzliche Aufgaben. "Früher war das Fischereiamt eine reine Aufsichtsbehörde und heute haben wir natürlich auch einen ganz großen Anteil Verwaltung dabei", erklärt Homeister. Das habe in den 1980er-Jahren mit der Einführung der Fangquoten begonnen. Seither werden sämtliche Aktivitäten eines Fangschiffs aufgezeichnet. Diese Logbücher kontrolliert das Fischereiamt.

Die Weser und im Hintergrund der strahlend blaue Himmel
Blauer Himmel, leeres Ufer: An diesem Kontrolltag ist es ruhig an der Weser. Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens

Das Fischereiamt schreibt aber mittlerweile auch Stellungnahmen, etwa zur Frage wie sich Offshore-Windparks oder das LNG-Terminal in Wilhelmshaven auf Fische und die Fischerei auswirken. Seit 2014 macht das Amt zudem Kontrollen in Geschäften und auf Märkten, um die richtige Etikettierung von Fisch und die gesamte Lieferkette zu überprüfen. Auch berät es Fischer in Punkto Fördergelder. Und seit kurzem stellt das Amt Papiere aus, die Betriebe seit dem Brexit brauchen, wenn sie Produkte wie Fischstäbchen nach Großbritannien exportieren wollen.

Für Kontrollen auf dem Wasser bleibt weniger Personal. Einer der vier Fischerei-Inspektoren für Niedersachsen sei von den Kontrollen abgezogen worden, um die Ausfuhrpapiere für Großbitannien zu bearbeiten, sagt Homeister. Dabei ist das Kontrollgebiet groß: 1.300 Kilometer Küstenlinie.

Kontrolle des Aal-Fangverbots

Auch ein Teil der Hunte gehört zum Gebiet des Fischereiamts Bremerhaven. Alfred Homeister steuert die Nimrod II hierhin. Die Hunte ist ein gutes Fanggebiet für Aal, darum haben Fischer hier in der Regel Aal-Reusen stehen. Von Oktober bis Ende Dezember gilt jedoch ein Aal-Fangverbot, um den Bestand zu schützen. Homeister und Pötter müssen daher prüfen, ob alle Reusen entfernt wurden. "Wenn hier welche stehen sollten, ist das auf jeden Fall illegal", sagt Homeister.

Ganz nah fährt Homeister ans Ufer heran, sein Kollege Pötter geht aufs Deck. Dann entdecken sie Stangen, die aus dem Wasser gucken. Pötter taucht einen Bootshaken ins Wasser und wieder nach oben.

Michael Pötter steht mit einem Bootshaken in der Hand auf dem Deck
Prüft mit dem Bootshaken, ob noch Reusen im Wasser sind: Michael Pötter vom Fischereiamt Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens

Doch an der Stange ist nur eine Schnur, keine Reuse. Alles gut. Auch an anderen Stellen ist nichts. Nur einen alten, rostigen Anker entdecken sie noch. Den nehmen sie zur Entsorgung mit. Alfred Homeister ist zufrieden. "Ja, so soll's sein", findet er. Die Fischer halten sich an die Vorschriften. Zumindest hier und heute.

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Bild: Radio Bremen

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  • Carolin Henkenberens Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 29. November 2022, 11:10 Uhr