Fragen & Antworten

Esel ist "Haustier des Jahres" – was sagen Hund, Katze und Hahn dazu?

Ein Esel schaut in die Kamera

Esel ist "Haustier des Jahres"

Bild: DPA | Robert Michael

Wir in Bremen sind doch alle ein bisschen Stadtmusikanten, oder? Spaltet eine Ehrung jetzt die vier Freunde, die auszogen, um Glück zu finden? Darum bekommt der Esel die Auszeichnung.

Eine Stiftung hat den Esel zum "Haustier des Jahres 2022" ernannt. Die Vierbeiner mit meist braunem, grauem oder schwarzem Fell würden immer beliebter, heißt es. Verhaltensforscherin und Vorsitzende der Stiftung "Bündnis Mensch und Tier" Carola Otterstadt sagt, die Tiere seien sehr nett und klug. Aber ist ein Haustier nicht ein Tier, das man im Haus halten kann? Und führt das alles nicht zu Streit? Wir haben die offensichtlichen Fragen beantwortet.

Ist der Esel wirklich ein Haustier?
Das Haustier ist der Oberbegriff für "Heimtiere" und "Nutztiere", erklärt Verhaltensforscherin Otterstedt. Die Auszeichnung "Haustier des Jahres" ehrt deshalb jährlich auch entweder Heim- oder Nutztiere.

Esel stammen der Stiftung zufolge ursprünglich aus Halbwüsten und Bergregionen Nordafrikas und Vorderasiens. Schon vor rund 6.000 bis 7.000 Jahren begannen die Menschen im Nahen und Mittleren Osten, sie zu domestizieren. Damit gilt der Esel als eines der ältesten Haustiere überhaupt. Nach Europa kam er vor etwa 3.000 Jahren. Der Esel sei eigentlich als Nutztier bekannt. Im deutschsprachigen Raum würden Esel bei Eselwanderungen, als Begleittier auf Almen, in der tiergestützten Arbeit und in der Landschaftspflege eingesetzt, so die Stiftung.
Kann man einen Esel dann zu Hause halten?
Verhaltensforscherin Otterstedt warnt davor, sich leichtfertig Esel zuzulegen. Sie seien anspruchsvolle Haustiere, die viel Zeit, Aufmerksamkeit und Pflege bedürfen. Die Tiere brauchen mindestens einen weiteren Artgenossen, sagt Otterstedt. Sie pflegten Sozialpartnerschaften. Wenn man einen Esel von seinem Freund trenne, sei das eine Katastrophe, weil das Tier dann vereinsame.

Ein Esel ist kein Kuscheltier.

Carola Otterstedt von der Stiftung "Bündnis Mensch und Tier"
Ein Esel auf einem Feld
Esel sind laut Experten anspruchsvolle Haustiere, die man nicht allein halten sollte. (Symbolbild) Bild: Imago | YAY Images
Stimmt es, dass der Esel nur geht, wenn er will und stehen bleibt, egal, wie sehr man ihn bittet, sich zu bewegen?
Was als störrisch daherkomme, sei in Wirklichkeit vorsichtig und überlegt, so Expertin Otterstedt. Ein Pferd würde flüchten, ein Esel stammt aus bergigem Land und es wäre verheerend, wenn er flüchten würde. Deshalb bleibt er stehen und überlegt: 'In welche Richtung fliehe ich?'
Die Verhaltensforscherin verbindet mit der Ehrung des Esels den Appell, das Tier besser verstehen zu lernen. Menschen sollen "nicht das herkömmliche Bild vom Esel sehen, vielmehr wissenschaftsbasierte Erkenntnisse und Einblicke in die Sinne und Talente der Esel entdecken."

Esel seien gute Begleiter des Menschen, die man nicht nur artgemäß halten müsse, sondern auch die mentalen und sozialen Bedürfnisse sollten gewürdigt und unterstützt werden.
 

Es gibt nicht den "dummen Esel", vielmehr ist der Esel ein Spiegel seines Halters.

Stiftung "Bündnis Mensch und Tier", Homepage
Was sagen die anderen Stadtmusikantinnen und -musikanten, dass nur einer von ihnen geehrt wird?
Der Hund kann sich nicht beschweren, denn er hat diese Ehrung längst erhalten, im Jahr 2017 nämlich. Das Huhn war ohnehin das allererste "Haustier des Jahres" ever (Hahn oder Huhn, das ist dieselbe Familie, Geschlechterunterschiede machen wir hier nicht). Nur die Katze hat ein Problem – aber ist sie nicht die Mutter aller Haustiere? Die einen sagen so, die anderen so. Fest steht, die Katze war noch nicht dabei, hat dafür aber noch Grund zur Vorfreude.

Nach Huhn und Hund, die vor fünf und vier Jahren "Haustier des Jahres waren", folgten übrigens Schaf, Pferd, Meerschweinchen, Ziege und jetzt der Esel.

Stadtmusikantenhaus im Bremer Kontorhaus kann kommen

Bild: WFB Bremen | Frank Pusch

Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 22. Juli 2022, 07:36 Uhr