Als "Die Toten Hosen" ihr erstes Konzert im Bremer Schlachthof gaben

So prägte Bremen die Entstehung der Toten Hosen vor 40 Jahren

Bild: Radio Bremen

Eigentlich war Punk 1982 überhaupt nicht mehr angesagt und niemand hatte etwas von dieser Band gehört: "Die Toten Hasen". Bitte wer sonst sollte Ostern spielen?

Es war ein klarer Fall von Übermittlungsfehler, dass für einen Ostersamstag nicht "Die toten Hosen" sondern tote Hasen angekündigt wurden. Aber wer dabei war, konnte für drei oder fünf Mark Eintritt diesen historischen Moment miterleben. Damals war die Band einfach froh, dass ihnen jemand Sprit-Geld gegeben hatte, um nach Bremen zu kommen. Als sie nachmittags im Kulturzentrum Schlachthof eintrafen, haben sie erstmal ein riesiges Fußballspiel organisiert mit all denen, die schon da waren. Und das Konzert selber sei wohl gar nicht so wichtig gewesen, erzählt Campino später in einer 3-nach-9-Sendung. Dass an diesem Abend des 10. April 1982 im Magazinkeller des Schlachthofs ein Stück deutsche Musikgeschichte geschrieben wurde, ahnte Veranstalter Jörg Lochmohn natürlich noch nicht: "Der Keller war ein schwarzes Loch. Es war eng, es war dreckig. Das war schon ein recht rustikales Ambiente".

"Es war keine triumphale Nacht"

Gelbe und grüne Haare, zerrissene Jeans und T-Shirts. So kamen viele der gut 100 Konzertbesucher in den Schlachthof. Vor ihren Augen fuchtelte der Sänger mit einer Wodka-Flasche herum. Campino war gerade mal 19 Jahre alt, Gitarrist Kuddel sogar noch zwei Jahre jünger. Und beide waren "ZK"-erprobt. Initialen, die für eine Düsseldorfer Punkband stehen, die sich aber aufgelöst hatte. Jetzt waren die Fans neugierig geworden auf die Nachfolger. Ein Punker hatte offenbar seinen Kassettenrekorder dabei und ließ ein Band mitlaufen, aber die Qualität war nicht sendefähig.

Erster Auftritt der Band "Die Toten Hosen" im Kulturzentrum Schlachthof: v.l.n.r.: Andi, Campino, Walter November
Hier zu sehen sind Andi, Campino und Walter November im Bremer Schlachthof, Gitarrist Kuddel und Schlagzeuger Trini gehörten mit zur Erstbesetzung. Bild: JKP

Gitarrist war ein gewisser Walter November, der aber gar nicht Gitarre spielen konnte. Er musste die Band bald wieder verlassen. Dafür kam der 18-jährige Breiti, der den anderen Musikern beim ZK-Abschiedskonzert aufgefallen war, als er laut grölend vor der Bühne umhersprang. Pogo-Exstase wie 1977.

An die Premiere an der Weser erinnerte sich Campino noch genau. Sie konnten gerade mal acht Stücke spielen, die sie dann wiederholt haben, als das Publikum noch mehr hören wollten. Ob da mal einer von der Bühne gefallen wäre oder nicht, hätte sich überhaupt nicht bemerkbar gemacht.

Wir haben ein durchwachsenes Set hingelegt, die Leute haben es mit Anstand ertragen, was wir ihnen geboten haben. Aber es war keine triumphale Nacht und es deutete sich schon gar nicht der Siegeszug einer deutschen Rockband an. Das waren noch spärliche Anfänge.

Campino, Sänger

Wenige Monate nach ihrem Bremer Konzert nehmen die Toten Hosen ihre erste Single "Wir sind bereit" mit der B-Seite "Jürgen Englers Party" auf. Optimistisch bringen sie 5.000 Stück auf dem eigenen Totenkopf-Label heraus. Aber bis zum Durchbruch dauert es noch sechs Jahre. Mit dem Konzeptalbum "Ein kleines bisschen Horrorschau" werden die Hosen Ende der 80er massenkompatibel.

2012 feiern sie ihr 30-jähriges Band-Jubiläum im Bremer Schlachthof. Wo sonst, wenn nicht dort, wo sie noch als eine unbedeutende Düsseldorfer Punkband ihren ersten Auftritt hatten.

Rückblick 2012: Konzert zum 30-jährigen Bühnenjubiläum in Bremen

Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 10. April 2022, 9:40 Uhr