Bremer Epidemiologe empfiehlt Maskenpflicht: "Bevor es zu spät ist"

Bild: DPA | Sina Schuldt

Der Bremer Senat berät am Dienstag über die Maskenpflicht in Innenräumen. Pflicht hin oder her: Der Bremer Epidemiologe Zeeb rät zum Tragen von Masken.

Der dritte Corona-Herbst steht vor der Tür und mit ihm eine neue Infektionswelle. Die Anzahl der Coronafälle steigt auch im Land Bremen an. Doch in diesem Herbst ist einiges anders: Viele der Schutzmaßahmen gegen Corona sind weggefallen. Außerdem sind viele Menschen schon mit dem Virus in Berührung gekommen – durch eine Impfung oder eine Erkrankung.

Dabei haben die Schutzmaßnahmen nicht nur gegen Corona gewirkt, sondern auch gegen die Influenza – also die Grippe. Im ersten Corona-Herbst 2020 gab es in Bremen nur zehn bestätigte Influenzafälle. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 waren es etwa 380. Der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb ordnet die Entwicklung ein und gibt Ausblicke.

Was bedeutet das denn, wenn da jetzt möglicherweise zwei Wellen auf uns zu rollen – Corona und die Grippe?
Es gibt einfach die doppelte Chance, dass man jetzt saisonale Erkrankungen bekommen kann, das ist so. Die Corona-Infektion verläuft im Moment häufig milde, das ist eine ganz gute Nachricht. Bei der Grippe ist es aber oft so, dass die auch sehr schwer verläuft. Aber es sind beides nicht zu unterschätzende Probleme, die uns dann jetzt gemeinsam belasten.
Sehen Sie da eine Gefahr, dass man doppelt krank wird, weil man beides bekommt? Und wie gefährlich wäre das?
So richtig wahrscheinlich ist das nicht. Dass man tatsächlich zwei Erkrankungen parallel hat, das ist die große Ausnahme. Corona und die Grippe sind beide für sich gesehen schon relativ ernst zu nehmen. Wenn man einen normalen Verlauf bei Corona hat, dann geht’s noch. Ein schwerer Verlauf ist schon sehr unangenehm, der auch bis ins Krankenhaus führen kann.
Wegen der steigenden Corona-Infektionszahlen wird die Maskenpflicht wieder heiß diskutiert. Auch die Gesundheitssenatorin erwägt eine Wiedereinführung der Maskenpflicht in Innenräumen. Würden Sie das empfehlen?
Prävention heißt ja: Man muss anfangen, bevor alles zu spät ist. Deswegen ist genau jetzt die richtige Zeit, das wieder ins Auge zu fassen. Ich fürchte auch, dass wir wieder mehr tun müssen und dazu gehört ganz klar die Maskenpflicht oder zumindest eine starke Empfehlung. Wir sehen mittlerweile kaum noch Hinweise in Geschäften eine Maske zu tragen, eine starke Kommunikation in die Richtung würde helfen. Es muss nicht immer gleich eine Pflicht sein. Aber um eine Maskenpflicht werden wir an bestimmten öffentlichen Orten, wo viele Menschen zusammenkommen und die Ansteckungsgefahr sehr groß ist, nicht herumkommen.
Reicht denn da eine Maskenpflicht, oder muss es auch wieder Abstandsregeln und begrenzte Personenzahlen in Innenräumen geben?
Das sind die Maskenpflicht flankierende Maßnahmen, über die auch nachgedacht wird. Ich denke, das wird ein wenig subtiler gehandhabt werden dieses Mal. An bestimmten Ort wird auch darauf geachtet werden, wo es gut umzusetzen ist und wo eben ansonsten eine große Nähe ist. Aber ich glaube , dass es eben wegen dieser vergleichsweise milderen Situation, die wir im Vergleich zum vergangenen Winter haben, dass es nicht im gleichen Maß Corona-Regeln geben wird.
Jetzt wird auch wieder darüber gesprochen, man soll sich noch mal impfen, noch mal boostern lassen. Ich kenne auch viele, die sagen: Drei Mal geimpft und erkrankt – die vierte Impfung brauche ich nicht. Stimmt das?
Das ist richtig für eine ganze Menge an Menschen, vor allem für jüngere. Für unter 60-Jährige ist es auch so, dass die Empfehlung aktuell nicht da ist – außer man arbeitet im Gesundheitswesen oder hat wirklich ganz viel Kontakt mit Menschen dauerhaft. Aber für Ältere und Vorerkrankte ist es jetzt wichtig einen aktuellen Impfschutz zu haben. Wir haben Impfstoffe, die auf die aktuellen Varianten angepasst sind und das ist jetzt der richtige Weg. Zu schauen: Wann hatte ich meine letzte Impfung oder Erkrankung und sich dann die aktuelle Impfung zu holen.

(Das Interview führte Janos Kereszti. Aufgeschrieben wurde es von Hannes Kalter.)

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  • János Kereszti Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 17. Oktober 2022, 19:30 Uhr