Streit um Bäume: Alte Eichen retten oder Wohnungen bauen?

Hilde Kohake, Peter Bargfrede und Margot Müller von der Initiative zur Rettung der Alten Eichen im Klinikpark.

Streit um Bäume: Alte Eichen retten oder Wohnungen bauen?

Bild: Radio Bremen | Heike Zeigler

Im geplanten Hulsberg Viertel stehen Eichen im Weg. Sie sollen neuen Wohnungen weichen. Doch muss das sein? Eine Bürgerinitiative stellt sich quer.

Die vier Eichen, die im Zentrum des Streits stehen, sind mehr als 100 Jahre alt. Über all die Jahre haben sie sich dicke Stämme zugelegt und beeindruckende Baumkronen gebildet. Um sie herum ist ein kleiner Park entstanden, mit Sitzbänken und Wiese. Die Stadtplaner für das neue Quartier wollen aber nicht um die alten Eichen herumbauen. Sie werden schon bald gefällt. Und nicht nur sie. 

Die Idee zu einem neuen Hulsberg Viertel in der Östlichen Vorstadt ist schon mindestens 15 Jahre alt. Das Klinikum Bremen Mitte an der St. Jürgenstraße wird umgebaut und macht dadurch Platz für neue Wohnungen. 1.100 sollen dort insgesamt gebaut werden. Zu Beginn der Planungen, 2007, hieß es noch, dass der Park bleiben soll und wohl nur rund 20 Bäume gefällt würden. Inzwischen aber sollen um die 250 Bäume von einst 370 (Stand 2016) fallen. Das ist das Ergebnis nach all den Jahren der Stadtplanung und auch der Bürgerbeteiligung.

Peter Bargfrede steht vor einer Eiche.
Seit vielen Jahren setzt sich Peter Bargfrede für die Bäume ein. Bild: Radio Bremen | Heike Zeigler

Letzteres ist genau das, was Hilde Kohake und Peter Bargfrede kritisieren. Die vielen Einwände und Vorschläge von Anwohnern, und auch dem BUND Bremen, zur Rettung alter Bäume hätten wenig bis nichts bewirkt, kritisiert Peter Bargfrede: "Wir haben diesen Beteiligungsprozess von Anfang bis Ende mitgemacht und sind deshalb in vielen Bereichen ernüchtert. Die Bürgerbeteiligung ist nicht so optimal gelaufen, wie es oft nach außen dargestellt wird." Jetzt wollen sie zumindest den kleinen Klinikpark mit den uralten Eichen retten. 

Baumschutz drückt Grundstückspreise

Das Gelände neben der Klinik hat insgesamt 140.000 Quadratmeter. Den Bebauungsplan dafür hat die Bremische Bürgerschaft 2018 beschlossen. Und auch der Ortsbeirat hat zugestimmt. Ein dänisches Büro hat das Konzept für das Quartier entworfen. Das Baufeld mit den alten Eichen liegt mitten drin, in bester Lage, ruhig. Hier können Räume auf bis zu 10.000 Quadratmetern entstehen. Der Verkauf soll schon bald über den Tisch gehen. Nach ersten Schätzungen könnten dafür bis zu neun Millionen Euro fließen.

Blieben die Eichen stehen, müsste der Wohnblock auf diesem Baufeld deutlich kleiner als geplant ausfallen. Das hieße aber, dass das Grundstück fast zwei Millionen Euro weniger Wert wäre, rechnet Florian Kommer aus. Er ist der Geschäftsführer der Grundstücksentwicklungsgesellschaft Klinikum Bremen-Mitte, GEG. Für die klamme Stadt Bremen bedeutet das weniger Geld, um den Umbau der Klinik und auch die Entwicklung des Quartiers zu finanzieren. Erlösmaximierung ist aber eine der Vorgaben beim Verkauf der Grundstücke, sagt Kommer.  

Junge Bäume sollen alte ersetzen

Heide Kohake steht vor einer Eiche.
Heide Kohake engagiert sich zusammen mit Peter Bargfrede für die Bäume im Klinikpark. Bild: Radio Bremen | Heike Zeigler

Der alte Klinikpark soll weg, direkt daneben aber kommt ein neuer hin. Mit vielen jungen Bäumen – die brauchen allerdings Jahrzehnte, um so groß wie diese Eichen zu werden. Peter Bargfrede und seine Mitstreiter und Mitstreiterinnen schütteln fassungslos den Kopf. Alte Bäume haben eine enorme ökologische und klimaschützende Wirkung, erklärt Bargfrede. Sie speichern große Mengen Kohlenstoffdioxid und geben viel Sauerstoff wieder ab. Mit ihren dichten Baumkronen helfen sie der Stadt, die zunehmend heißen Sommer herunter zu kühlen. Junge Bäume brauchen Jahrzehnte, um das leisten zu können.

Deshalb verstehen Bargfrede und Co nicht, warum dennoch so viele alte Bäume auf dem Gelände fallen müssen. "Klimaschutz sieht anders aus", kommentiert Kohake den Verlust vieler alter Bäume.

Ein letzter Rettungsversuch

Ein Sprecher des grün geführten Bauressorts sagt dazu: "Es ist immer eine Abwägung zwischen Baumfällung und Baumerhalt, wenn auf der anderen Seite ebenfalls wichtige Ziele, wie zum Beispiel Wohnungsbau stehen."

Die Bürgerinitiative kennt die Argumente und will dennoch nicht aufgeben. Sie hat eine Online-Petition an die Bremische Bürgerschaft gestartet, die noch bis Ende August unterschrieben werden kann. Und es gibt einen Bürgerantrag an den Ortsbeirat Östliche Vorstadt. Abgeordnete und Beiratsmitglieder sollen sich noch einmal mit der möglichen Rettung des kleinen Parks und der alten Eichen beschäftigen.

Bürgerinitiative fordert: Bebauungsplan soll angepasst werden

Kohake, Bargfrede und ihre Mitstreiter fordern, dass der Bebauungsplan entsprechend angepasst wird. Doch die Fronten zwischen ihnen und dem Bauressort sowie der GEG scheinen verhärtet. Florian Kommer zu der erneuten Baumrettungsaktion: "Ich sehe keinen Grund und auch fachlich keine Perspektive dafür, dass dieser Bebauungsplan für den Erhalt dieser Bäume auf den Prüfstand gestellt oder gar geöffnet oder geändert wird."

Harald Klussmeier sitzt für die Grünen im Ortsbeirat Östliche Vorstadt.
Harald Klussmeier sitzt für die Grünen im Ortsbeirat Östliche Vorstadt. Bild: Radio Bremen | Heike Zeigler

Harald Klussmeier sitzt für die Grünen im Beirat Östliche Vorstadt. Er hat zumindest zugesagt, dass der Bürgerantrag dort diskutiert wird. Denn auch ihm tue es leid, um jeden Baum, der gefällt wird, sagt er. Mehr will er aber nicht versprechen.

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Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Heike Zeigler

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 22. August 2022, 6:20 Uhr