Interview

Warum Containern auch mit neuem Gesetz ein Risiko für Supermärkte ist

Der Geschäftsführer des Lestra-Supermarkts in Bremen Horn, Cornelius Strangemann, schaut in die Kamera.

Der Chef vom Bremer Supermarkt Lestra spricht über das Containern

Bild: DPA | Carmen Jaspersen

Soll die Rettung von Lebensmitteln aus dem Müll von Supermärkten, das Containern, erlaubt werden oder nicht? Das wird derzeit wieder heiß diskutiert. Der Bremer Supermarkt Lestra ist da schon weiter.

Seit Jahren wird darüber diskutiert, ob die Rettung von Lebensmittel aus dem Müll von Supermärkten. das sogenannte "Containern" erlaubt werden soll. Bislang ist das nämlich illegal. Jetzt haben Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) und Agrarminister Cem Özdemir (Grüne) einen neuen Vorstoß gestartet. Sie wollen erreichen, dass Containern künftig nicht mehr bestraft wird. Beim Supermarkt Lestra in Bremen ist das schon gängige Praxis. Im Interview mit Bremen Zwei spricht Supermarktchef Cornelius Strangemann über Verbesserungsmöglichkeiten.

Herr Strangemann, der Handelsverband Lebensmittel hält Containern für gemeingefährlich. Dann wären Sie ja auch gefährlich, denn bei Ihnen darf man Containern. Wie können Sie nachts eigentlich schlafen?
Ich sage mal so, ich komme die letzten Jahre sehr gut damit zurecht. Ich finde es eigentlich auch gut, es zu ermöglichen, dass die Lebensmittel in der letzten Instanz auch noch verwertet werden, nach allen Schritten, die man schon davor getan hat. Was ich von der Regierung aber gerne hätte ist, dass sie einen aus der Haftung nimmt, wenn was passiert. Ich bin eben halt immer in der Gefahr, dass wenn was passiert, ich in die Haftung genommen werde.
Hat sich denn schon mal jemand bei Ihnen beim Containern verletzt?
Verletzt noch nicht. Ob sich jemand eine Magenverstimmung zugezogen hat, wurde nicht an mich herangetragen. Ich sage es mal so: Wäre ich verklagt worden, hätte ich das wahrscheinlich eingestellt, weil dann der Punkt erreicht ist, wo man das nicht mehr tragen kann. Aber ich habe in den letzten Jahren sehr gute Erfahrungen gemacht.

Es wurde nichts verdreckt, die Leute benehmen sich vernünftig. Das meiste stellen wir separat auf Rollis, wo wir schon sehen, das ist noch irgendwo verwertbar. Wir haben eigentlich keine Probleme damit.

Cornelius Strangemann, Supermarktbetreiber
Vom Handelsverband kommt ja vor allem die Warnung, dass manche Lebensmittel verunreinigt sein könnten, zum Beispiel mit Glassplittern. Das könnte man ja wirklich nicht unbedingt sofort erkennen. Wie wahrscheinlich ist es denn, dass da jetzt auf der Banane oder dem Salat kaputtes Glas liegt?
Das ist gar nicht das Problem. Wir haben eher das Problem bei Rückrufen, dass die Ware von der Industrie zurückgerufen wird, wegen Verunreinigungen, wegen Glas in den Produkten, wegen Schadstoffen in den Produkten. Die halten wir immer separat zurück bis die Müllabfuhr kommt, weil da sonst wirklich die Gefahr besteht, dass Leute sich vergiften oder schädigen.
Also fassen wir zusammen: die anderen Supermärkte rechnen damit, dass wer in so einen Müllcontainer reinklettert, sich da dann verletzt oder den Magen verstimmt und den Supermarkt dann verklagt, weil im Müllcontainer Müll drinnen war. Richtig?
Richtig. Die Gesetzlage ist nicht ganz klar. Das ist das Problem. Da müsste dann auch klargestellt werden, wenn man das Containern wirklich erlaubt, dass man dafür nicht in Haftung genommen wird, wenn sich da jemand etwas Falsches genommen und den Magen verstimmt hat.
Wäre Ihnen also tatsächlich mit so einem Gesetz geholfen, wie es Landwirtschaftsminister und Justizminister vorhaben?
Das ist nur eine Straf-Freistellung. Dann müsste ich es eigentlich wieder bei uns verbieten und die Leute Containern lassen. Aber ich habe es ja aktiv erlaubt.
Bei Ihnen darf man also weiter Containern?
Das Containern lass ich weiter zu. Da gehe ich auch voran. Das ist mein Risiko, was ich zurzeit trage. Aber es wäre wirklich geholfen, wenn – was die Haftung angeht – beim Containern was getan wird.

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Autor

  • Tom Grote Moderator

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 12. Januar 2023, 08.10 Uhr.