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Diese Bremerin will Polargeschichte schreiben

Warum diese Bremerin 75 Kilo schwere Autoreifen hinter sich herzieht

Bild: Radio Bremen | privat

Sarah Winkelmann wäre die jüngste Frau Deutschlands, die die Eiswüste von Grönland durchquert: auf Skiern. Hier erzählt sie, warum Eisbären dabei nicht die größte Gefahr sind.

Ein Parkplatz beim Sportparksee Grambke in Bremen Nord. Zwei schwere LKW-Reifen schnallt Sarah Winkelmann mit Karabinern an ihrem Bauchgurt fest. "Das sind 75 Kilo Gewicht, wenn ich das auf Kies ziehe, und das geht extrem auf Po und Beine", erklärt die 27-Jährige.

Eine junge Frau in Sport-Kleidung hält zwei Stöcke in der Hand und lächelt in die Kamera
In Bremen Nord trainiert Sarah Winkelmann für ihre Reise. Bild: Radio Bremen | privat

20 Stunden die Woche trainiert sie, um in vier Monaten bei bis zu minus 40 Grad nicht im Eis stecken zu bleiben. Einen ganzen Monat transportiert die Bremen-Norderin ihre Ausrüstung durch die Eiswüste – 600 Kilometer, 30 Tage, einmal quer durch Grönland mit zwei Schlitten auf Skiern.

Viele Gefahren lauern: Sarah Winkelmann hat alle Szenarien durchgeplant. Starken Wind, der ihr Zelt wegblasen kann, der Schlitten, der am Berg im Nichts verschwindet, übler Pulverschnee, so dass sie ihren Schlitten kaum ziehen kann. "Viele denken, dass Eisbären am gefährlichsten sind, aber es ist tatsächlich die Kälte von bis zu minus 40 Grad, im Winter sogar minus 60 Grad". Körperteile können dabei einfrieren, weiß Winkelmann.

Deswegen trägt die 27-Jährige drei Schichten am Körper und an den Händen - Zwiebelprinzip. Ein Gesichtsneopren und eine Ski-Brille schützen ihr Gesicht vor Frost. "Das Schlimmste ist, wenn man nachts oft aufs Klo muss und aus dem Schlafsack in die eisige Kälte", sagt die Politikwissenschaftlerin, "es ist wie schockgefroren zu werden".

Seit 3 Jahren trainiert sie schon im Eis

Ohne die Erfahrung würde sie die Expedition nicht machen, sagt Sarah Winkelmann. Vor drei Jahren hat sie in Norwegen angefangen, wo die Bremerin seitdem lebt und arbeitet. Eigentlich nur, weil sich ihr Freund von ihr getrennt hatte und sie ein cooles Foto posten wollte. Jetzt ist es ihre Auszeit vom Job und dem hektischen Alltag.

Ohne Handyempfang in der Einsamkeit aufstehen, schlafen, Schlitten ziehen im eigenen Rhythmus, das ist so befreiend für mich.

Sarah Winkelmann

Wo es ihr eher vor graust: der Trekking-Tütennahrung für sie als Vegetarierin. Es gibt nur drei Sorten und sie muss Mengen davon essen. Bis zu 5.000 Kalorien, die doppelte Menge als sonst, muss sie zu sich nehmen. Sie muss ständig in Bewegung bleiben, um nicht einzufrieren. "Irgendwann kannst du das Zeug nicht mehr sehen", sagt die Extremsportlerin.

Vorbild für junge Frauen

Auf ihrer eigenen Seite "sarahwinkelmann.de" postet sie alle Trainingsschritte: Krafttraining, Yoga, Radfahren, Reifen ziehen. Vier Monate hat sie noch zur Vorbereitung. 30.000 Euro kostet die Expedition. 10.000 Euro hat sie bereits von der Jacobs University Bremen sowie der University of Cambridge, an denen sie studiert hat, erhalten. Die restlichen 20.000 Euro versucht sie nun über weitere Sponsoren und Fundraising zu bekommen.

Ich möchte zeigen, dass auch Frauen so etwas schaffen können und nicht nur Männer.

Sarah Winkelmann

Unter 20 Prozent an Frauen haben bisher die Expedition durch Grönland gewagt. Es sei immer noch eine Männerdomäne. "Ich möchte zeigen, dass auch Frauen so etwas schaffen können und nicht nur Männer. Vielleicht kann ich ein Vorbild sein", erklärt sie. Und Grönland ist nur eine Vorbereitung für ihren eigentlichen Traum: die Reise zum Nord- oder Südpol.

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Autorin

  • Anna Berkhout Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 4. Januar 2022, 19:30 Uhr