Kirchentür und Oberleitung: Wo Bremerhavens Metalldiebe zuschlagen

Eine Kirchentür mit fehlenden Metallplatten

Kirchentür und Bahn-Stomkabel: Kupferklau in Bremerhaven

Bild: Radio Bremen | Catharina Spethmann

Kupferklau gibt es überall: Nicht einmal Kirchentüren in Bremerhaven sind davor sicher. Hier kam es auch zu einer ungewöhnlichen Metallklau-Serie, die für den Dieb lebensgefährlich war.

Das Seitenportal der Großen Kirche in der Bremerhavener Fußgängerzone hat auch schon mal bessere Tage gesehen. Schon von weitem ist zu erkennen, dass hier etwas nicht stimmt: Bis ungefähr in zwei Meter Höhe fehlt die Verkleidung aus patinierten Kupferplatten. Weißlich-kupfergrüne Schlangen aus altem Klebstoff heben sich von der schon leicht angewitterten Holzoberfläche ab.

"Ja, wir sehen eine kaputte Tür: Diebstahl von Kupferplatten im großen Stil. So war das noch nie. So zwei, drei, vier Platten wurden mal gelegentlich entwendet. Im letzten Jahr hatte das allerdings dieses große Ausmaß angenommen." Das berichtet Frank Böhm, seit sechs Jahren Küster der Großen Kirche. Neue Kupferplatten, erzählt er, werden erstmal nicht wieder angebracht: "Die werden nur sofort wieder geklaut." Auch Regenrinnen habe man schon ersetzen müssen. Statt aus Kupfer sind sie nun aus grauem Kunststoff. Soll das dauerhaft so bleiben?

Müssen wir mal schauen. Die Fallrohre sind schneller weg, als Sie gucken können.

Küster Frank Böhm

Fünf Leitungs-Diebstähle an der selben Stelle

Küster Böhm vermutet professionelle Täter hinter dem Kupferklau an der Kirche. Für die Diebstähle an einem ganz anderen Ort ist sich Holger Jureczko von der Bundespolizei da nicht so sicher: an Bahn-Oberleitungen in Bremerhaven-Geestemünde. Fünfmal wurden seit Mitte Mai Teile der Oberleitung gestohlen, immer an derselben Stelle. Abgeschnitten und mitgenommen wurden so genannte Ankerseile. Sie sorgen dafür, dass die Oberleitungsmasten aufgerichtet und die Leitung gespannt bleiben.

Der Dieb hat mit einem Bolzenschneider am Boden und oben in der Mastspitze Kupferseile abgeschnitten. Dabei kam er der Oberleitung mit ihren 15.000 Volt gefährlich nahe. Schon eineinhalb Meter Abstand, sagt Bundespolizist Jureczko, können für einen tödlichen Stromschlag reichen.

Es ist bisher ein Riesenglück für den Täter, dass er nicht vom Strom getroffen wurde. Entweder ist derjenige sofort tot oder fällt als lebende Fackel von so einem Masten runter.

Holger Jureczko, Bundespolizei

Die Frage sei, ob derjenige das einschätzen kann: "Das kann selbst ein Fachmann nicht. Also großes Glück für ihn, dass er das bisher überhaupt überlebt hat."

Reich werden Metalldiebe nicht unbedingt

Ein Fahrrad mit Anhänger
Mit diesem Fahrradgespann hat der Bremerhavener Metalldieb seine Beute abtransportiert. Bild: Bundespolizei

Beim letzten Mal haben die Polizeibeamten den mutmaßlichen Täter gesehen: Einen Mann von ungefähr 30 Jahren, kurze schwarze Haare, schwarze Jogginghose. Er konnte entkommen, ließ aber sein Fahrrad mit Anhänger zurück. "Auch die Tatsache, dass hier ein Tatverdächtiger mit einem Fahrrad unterwegs gewesen ist, spricht ja dafür, dass derjenige nicht besonders mobil ist. Und dass es sich um einen Menschen handelt, der einfach die nahen Wege sucht und der sich des Fahndungsrisikos auch für ihn bisher vielleicht nicht so bewusst war."

Besonders reich wird der Dieb dabei gar nicht geworden sein. Wenige hundert Euro habe der Kupferdieb erbeutet, schätzt Holger Jureczko. "Die Frage ist: Wenn Kupfer mit fünf Euro pro Kilo gehandelt wird, ob er das überhaupt bekommt. Seriösen Altmetallhändlern wird es auffallen, wenn so etwas verkauft wird. Wenn es unseriös ist, dürfte er diese fünf Euro dafür nicht bekommen haben."

Häufung in Bremerhaven ist "einmalig"

Denn Altmetallhändler müssen dokumentieren, von wem sie kaufen. Auf jeden Fall erwarten den Dieb teure zivilrechtliche Forderungen, sagt Holger Jureczko: rund 40.000 Euro für die geplünderten Leitungen und den Schaden an einer Lok, die gegen ein herunterhängendes Kabel fuhr. Fast wäre ihre Frontscheibe durchschlagen worden. Damit habe der Täter auch das Leben des Lokführers gefährdet. Dass der Kupferdiebstahl an Bahnstrecken insgesamt zugenommen habe, kann Holger Jureczko übrigens so nicht bestätigen. Es gebe immer mal wieder Ausschläge.

Holger Jureczko
Holger Jureczko von der Bundespolizei Bild: privat

Die Fälle in Bremerhaven seien trotzdem ziemlich einmalig. Die Serie könnte nun aber auch zuende sein. Die Bundespolizei hat mittlerweile einen Verdächtigen ermittelt. Außerdem würde sich ein Diebstahl künftig wohl weniger lohnen. Eine Bahnsprecherin teilte mit, dass die Bahn, wo es möglich ist, begehrte Buntmetalle wie Kupfer durch weniger wertvolle Materialien ersetzt.

Auch für die Große Kirche könnte ein Materialwechsel die Lösung sein. Kupfer am Portal wird es wohl nicht mehr geben, befürchtet Küster Frank Böhm: "Wir haben ein Angebot für Holz, passend zum neugotischen Stil.“

Autorin

  • Catharina Spethmann

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Nachmittag, 30. Juni 2022, 14.10 Uhr