"Sie ist ein Engel": Wie diese Bremer Nonne Menschen in Not hilft

Um Himmels Willen: So hilft eine Bremer Nonne Bedürftigen

Bild: Radio Bremen

Zurzeit erhalten täglich mehr als 7.000 Menschen Lebensmittel von der Bremer Tafel. Aber die Not ist größer. Eine katholische Nonne tut etwas dagegen.

Schwester Deodata steht in ihrer schwarzen Ordenstracht in einer großen Halle in Bremen-Tenever und verteilt Lebensmittel auf große Tische. Um sie herum viele ehrenamtliche Helfer, die Milch, Zucker und Dosen auspacken. Vor der Tür stehen bereits etwa 100 Menschen in einer Schlange. Sie alle warten darauf, etwas abzubekommen: Familien mit kleinen Kindern, alte Menschen und auffallend viele Geflüchtete aus der Ukraine. Dabei beginnt die Lebensmittelvergabe erst in zwei Stunden.

Ehrlich gesagt haben wir nicht damit gerechnet, so viele Familien mit Kindern zu sehen. Es kommen auch viele Rentner, die erzählen, dass sie ihr Leben lang gearbeitet hätten und selber nicht verstehen können, dass sie nicht von ihrer Rente leben können.

Schwester Deodata
Schwester Deodata

Die Raphael-Oase entstand aus einem Hilferuf

Angefangen hat alles damit, dass der Ortsamt-Leiter Ulrich Schlüter ihren Bruder, den Pfarrer der St. Raphael-Gemeinde Marc Weber um Hilfe gebeten hat, weil immer mehr Menschen im Stadtteil nicht genug Geld für Essen hätten und die Tafeln einen Aufnahmestopp haben.

Die Nonne Schwester Deodata in ihrem Auto auf dem Weg zur Arbeit.
Sie organisiert viel: Nonne Deodata. Bild: Radio Bremen

Der Pfarrer hat dann seine Schwester ins Boot geholt. Sie hat die Organisation übernommen, die Logistik aufgebaut und einen großen Kreis von ehrenamtlichen Unterstützenden gefunden. So ist die Raphael-Oase entstanden. Inzwischen finanziert das katholische Hilfswerk Bonifatius eine halbe Stelle für sie.

Mir macht das Spaß. In der Woche bin ich vor allem am Telefon, um Menschen und Firmen zu motivieren, Lebensmittel oder Geld zu spenden. Dann gebe ich Bestellungen auf, hole die Lebensmittel ab und frage die Helferinnen und Helfer, wie sie unterstützen können.

Schwester Deodata
Schwester Deodata
Alte Frau verteilt Schoko-Weihnachtsmänner
Weil es nicht genug Spenden gibt, müssen diese geteilt werden. Bild: Radio Bremen

Die Tische werden voller, eine Ladung mit Weihnachtsmännern ist angekommen. Die erfreuen später vor allem die Kinder. Inzwischen packen auch einige der Bedürftigen selbst mit an. Schwester Deodata strahlt eine große Ruhe aus, geht von Tisch zu Tisch und gibt leise Anweisungen.

Erst Krankenschwester, dann Nonne

Die 47-Jährige ist vor 26 Jahren in den Franziskanerorden eingetreten und lebt im Konvent im Schnoor. Eigentlich wollte sie eine Familie und Kinder haben, erzählt die gelernte Krankenschwester, die in Berlin eine Notaufnahme geleitet hat. Doch dann habe sie einen Hinweis von Gott bekommen. Und ihre Entscheidung bis heute nicht bereut.

Anja Eckhard, eine der Helferinnen sagt, Schwester Deodata habe der Himmel geschickt: "Sie ist ein Engel. Sie ist absolut versiert, sie zieht eine Riesengruppe von Menschen mit sich, die alle freiwillig helfen und sie gibt einfach von Herzen."

Die Raphael-Oase hilft ohne Nachweis jedem

Schwester Deodata hilft bei der Lebensmittelvergabe
Wer hier hinkommt, muss nicht beweisen, dass er Hilfe braucht. Bild: Radio Bremen

Die Schlange vor der Halle ist inzwischen länger geworden, obwohl es immer noch eine Stunde dauert, bis alles für die Ausgabe vorbereitet ist.

Etwa 200 Menschen stehen jetzt geduldig an. Die Gründe für ihre Bedürftigkeit sind unterschiedlich. Gestiegene Lebenskosten, schlecht bezahlte Arbeit, Grundsicherung. Belegen muss das hier niemand – wer stundenlang für ein bisschen Essen ansteht, der ist bedürftig, sagt Schwester Deodata.

Unsere Aufgabe ist, jetzt für sie da zu sein, wir versuchen ihnen zu helfen. Wir führen Gespräche und versuchen Wege zu bahnen, damit sie wieder auf die Beine kommen.

Schwester Deodata
Schwester Deodata

Schon 16 Mal konnten im Familienzentrum in Tenever einmal in der Woche Lebensmittel verteilt werden. Weil genügend Spenden zusammenkommen sind.  Die Tische sind voll, doch angesichts der vielen Besucher muss die Ware eingeteilt werden. Es ist nicht viel für jeden und doch sind die Menschen sehr dankbar.
"Wenn ich abends nach Hause gehe, denke ich manchmal, ich bin mehr beschenkt, als die Menschen, die hier mit einer Tüte nach Hause gehen, wenn ich sehe wie die Herzen berührt werden", sagt Schwester Deodata.

Gerade hat Schwester Deodata erfahren, dass sie ab Februar in der Gesamtschule Ost jeden Freitag eine feste Ausgabestelle haben. Solange die Menschen bereit sind zu spenden, werde sie und ihr Team weitermachen. Es sei ihr christlicher Auftrag, Armen und Bedürftigen zu helfen.

Autorin

  • Marianne Strauch

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 16. Januar 2023, 19:30 Uhr