Warum das kleine Weser-Wehr in der Neustadt so wichtig für Bremen ist

Warum dem Wehr an der Kleinen Weser gerade ein Tor fehlt

Bild: Radio Bremen | Pascal Faltermann

Das Wehr der kleinen Weser, zwischen Teerhof und Neustadt, wird erneuert. Das Bauwerk ist wichtig für den Werdersee, die Tide und einen großen Teil Bremens.

Es krachte, knirschte und quietschte. Die 24 Meter breite und 55 Tonnen schwere Klappe steckte fest. Das Wehr der kleinen Weser, zwischen dem Bremer Teerhof und der Neustadt, muss saniert werden. Bis ein spezieller Schwimmkran den wuchtigen Stahlkoloss vergangenen Dienstag in die Luft und über die Fuß- und Radfahrerbrücke hob, dauerte es gut drei Stunden. Jetzt soll das Bauwerk innerhalb von drei Jahren erneuert werden. Kosten: 7,5 Millionen Euro. Eine aufwendige Baustelle an einem kleinen Wehr mit großer Wirkung. Das sind die Fakten zu seiner Bedeutung und Geschichte.

1 Die Zeit hat ihre Spuren am Wehr hinterlassen

Gut 54 Jahre lang haben die Wehrklappen ihre Arbeit verrichtet. Eine Inspektion des Deichverbandes am linken Weserufer 2017 hatte aber ergeben, dass an den beiden Stauklappen die Korrosionsschäden zu groß sind. Heißt: Sie sind von Rost zerfressen. "Die Anlage muss also komplett saniert werden", sagte Projektleiter Marcus Winde vom Deichverband. Die Teerhofseite in diesem Jahr, die andere im nächsten. "Rund 50 störungsfreie Betriebsjahre haben ihre Spuren hinterlassen", sagte Winde.

2 Erste Bauschritte am Wehr mit Spezialkran

Spezialisten aus den Niederlanden überlegen, wie sie die große Stau-Klappe aus dem Wehr bekommen.
Spezialisten aus den Niederlanden überlegen, wie sie die große Stau-Klappe aus dem Wehr bekommen. Bild: Radio Bremen | Pascal Faltermann

Es ist immer noch der Anfang der Baumaßnahme und es sind komplexe Arbeiten: Spezialisten haben im Auftrag des Deichverbandes das Wasser mit Stahlwänden gestaut. Dann lösten sie die erste der zwei Wehrtoren aus den Verankerungen. Ein mehr als 200 Tonnen schwerer Schwimmkran, der extra aus Rotterdam in den Niederlanden hergebracht wurde, hob die tonnenschwere Stau-Klappe heraus. "Da das alte Segment ein Ungleichgewicht hatte, senkte es sich zur Seite", erklärte Winde. Es fehlen wenige Millimeter wodurch sich das große Element verkantet und schief hing. Das Tor schließt eigentlich wasserdicht. Letzte Metallbolzen, die sich festgefressen hatten, mussten dann mit dem Schweißgerät getrennt werden. Die beengten Verhältnisse vor Ort schränken die Erreichbarkeit des Bauwerks allerdings ein.

3 Die alte Wehrklappe geht, die neue kommt aus dem Umland

Die entfernte Stau-Klappe wird mit einem Schleppschiff über die Nordsee nach Wilhelmshaven gebracht. Weil sie besonders beschichtet ist, muss sie durch eine Spezialfirma entsorgt werden. Das neue Wehrtor, das in Brake gebaut wird, soll im Oktober eingesetzt werden. Wieder durch den Kran, der bis zu 250 Tonnen in die Luft wuchten kann.

4 Als Flutschutz für die Neustadt

Das Wehr liegt 320 Meter oberhalb der Mündung der Kleinen Weser in die Weser. Das zwei Kilometer lange Nebengewässer der Weser trennt den westlichen Teil des Stadtwerders samt Teerhof von der Neustadt. Gebaut wurde das Wehr, weil nach der Sturmflut 1962 die Kleine Weser von der Tide abgeschirmt werde sollte. Eine Fläche von 50 Quadratkilometern stand damals unter Wasser.

Der Schwimmkran hebt die Wehrklappe über die Brücke auf einen Ponton.
Der Schwimmkran hebt die Wehrklappe über die Brücke auf einen Ponton. Bild: Radio Bremen | Pascal Faltermann

Im Herbst 1966 begannen die Arbeiten für die Stauanlage in Bremen. Der Teerhof war damals in dem Bereich noch nicht bebaut. Zuerst errichteten Bauarbeiter einen sogenannten Spundwandkasten, dann Widerlager, ein Betonboden, Mittelpfeiler und dann eine Stahlkonstruktion. Das alles lief über das damalige Wasserwirtschaftsamt und die Stadt. Am 8. August 1968 schrieb der "Weser-Kurier": "Gute Fortschritte machen die Arbeiten am neuen Wehr für die kleine Weser." Zum ersten Mal sei damit damals die Kleine Weser völlig abgesperrt worden. Die Wehrkörper wurden ein paar Tage später installiert. Ende des Jahres 1968 nahm das Wehr den Betrieb auf. Insgesamt kostete der Bau fünf Millionen Mark. Anfang der 2000er Jahre übernahm der Bremische Deichverband am linken Weserufer die Aufgabe, das Wehr zu unterhalten.

5 Wasserstand unabhängig von der Tide

Das Bauwerk zwischen Teerhof und Neustadt soll bei hohem Wasserstand den Abfluss regulieren und den Stadtwerder vor Sturmfluten schützen sowie in der kleinen Weser und im Werdersee für einen einheitliche und von den Gezeiten unabhängigen Wasserstand gewährleisten.

Das damalige Wasserwirtschaftsamt Bremen führte insgesamt fünf Aufgaben an. Erstens, führt das Wehr bei hohem Oberwasser die über den Habenhauser Sommerdeich in den Werdersee eintretenden Wassermassen zur Weser ab. Zweitens schützt es den Stadtwerder vor Überflutungen durch Sturmfluten aus Richtung der Kleinen Weser. Drittens macht es den Wasserspiegel in er Kleinen Weser von der Tide unabhängig. Viertens ermöglicht es einen einheitlichen Wasserspiegel im Werdersee und in der Kleinen Weser. Und fünftens: Fußgänger und Radfahrer können den rund 50 Meter langen und vier Meter breiten Weg vom Teerhof in die Neustadt queren.  

6 Können Fußgänger und Radfahrer weiter über die Brücke?

Die Bauarbeiten sollen sich nur "in geringem Umfang" auf die Erreichbarkeit auswirken, also in der Nähe des Wehrs auf dem Deich, der Fußgängerbrücke, dem Teerhof und der Straße "Am Deich", teilt Michael Dierks, Geschäftsführer des Deichverbands am linken Weserufer, mit.

Aktuelle Informationen finden sich auf der Seite des Deichverbands am linken Weserufer unter deichverband-bremen-alw.de.

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  • Pascal Faltermann Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 12. Juli 2022, 19:30 Uhr